Wochenbriefing Finanz- und Versicherungsberatung

19. September 2026 in Education, Wochenbriefing

Berichtszeitraum: 12. bis 18. September 2026

Die wichtigsten Punkte

  • Steuern nach einer Trennung: Ein neu veröffentlichtes Urteil konkretisiert, wann ein Elternteil die Übertragung des Betreuungsfreibetrags verhindern kann.
  • Inflation im Euroraum: Die endgültige Augustzahl beträgt 3,2 statt der zunächst geschätzten 3,3 Prozent. Das ist eine statistische Korrektur, keine Entwarnung bei den Lebenshaltungskosten.

1. Betreuungsfreibetrag: Großeltern ersetzen nicht automatisch den Beitrag eines Elternteils

Veröffentlicht am 17. September 2026. Urteil des Bundesfinanzhofs vom 18. Juni 2026, III R 2/24. Keine Gesetzesänderung.

Nach einer Trennung kann der Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung eines minderjährigen Kindes unter bestimmten Voraussetzungen auf einen Elternteil übertragen werden. Der andere kann widersprechen, wenn er Betreuungskosten trägt oder das Kind regelmäßig in nicht unwesentlichem Umfang betreut.

Der Bundesfinanzhof stellt klar: Betreuen Großeltern das Kind ohne Zutun dieses Elternteils, wird ihm diese Betreuung nicht allein wegen der Verwandtschaft oder räumlichen Nähe zugerechnet. Quelle: BFH, III R 2/24

Fazit

Entscheidend sind die tatsächlichen Beiträge zur Betreuung. Das Urteil betrifft den Betreuungsfreibetrag, nicht automatisch sämtliche steuerlichen Vergünstigungen für Kinder.

Was Sie jetzt beachten sollten

Halten Sie Betreuungszeiten, Kosten und Absprachen nachvollziehbar fest. Lassen Sie bei einer strittigen Übertragung steuerlich prüfen, wie die Entscheidung auf Ihren Fall anzuwenden ist. Ob sich eine Steuerentlastung ergibt, hängt von Ihren persönlichen Verhältnissen ab.

2. Inflation im Euroraum: endgültig 3,2 Prozent

Veröffentlicht am 17. September 2026. Amtliches Augustergebnis von Eurostat, keine Prognose.

Die Verbraucherpreise im Euroraum lagen im August 2026 um 3,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die erste Schätzung hatte 3,3 Prozent ergeben. Im Juli waren es 2,9 Prozent.

Dienstleistungen und Energie lieferten die größten Beiträge zur Teuerung. Die korrigierte Zahl bedeutet daher nicht, dass das Leben wieder günstiger geworden ist. Das Preisniveau liegt weiterhin deutlich über dem Vorjahr. Quelle: Eurostat, Inflationsdaten für August 2026

Fazit

Ein Zehntelprozentpunkt weniger als zunächst gemeldet ist kein Anlass, eine langfristige Finanzplanung neu auszurichten. Für Ihren Haushalt zählt ohnehin nicht allein der europäische Durchschnitt, sondern die Entwicklung Ihrer eigenen Ausgaben.

Was Sie jetzt beachten sollten

Trennen Sie in Ihrer Haushaltsplanung regelmäßige Ausgaben von größeren Einzelanschaffungen. So erkennen Sie besser, ob beispielsweise Wohnen, Mobilität oder Lebensmittel dauerhaft mehr Geld beanspruchen.

Für die Ruhestandsplanung ist besonders wichtig, welche Ausgaben auch langfristig anfallen. Eine belastbare Planung sollte Spielraum für steigende Kosten lassen, ohne jeden neuen Monatswert ungeprüft in die Zukunft fortzuschreiben.

Finanzielle Entscheidungen brauchen einen verlässlichen Überblick. Eine einzelne Schlagzeile ersetzt ihn nicht.

Wochenbriefing Finanz- und Versicherungsberatung

12. September 2026 in Wochenbriefing

Berichtszeitraum: 5. bis 11. September 2026

Die wichtigsten Punkte

  1. Die Europäische Zentralbank erhöht die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Das kann sich auf Tagesgeld, Festgeld, Anleihen und Finanzierungen auswirken.
  2. Die deutsche Inflationsrate von 2,9 Prozent wurde bestätigt. Hauptursache sind deutlich gestiegene Energiepreise.

1. EZB erhöht die Leitzinsen

Die Europäische Zentralbank hat am 10. September 2026 beschlossen, alle drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte zu erhöhen. Die neuen Zinssätze gelten ab dem 16. September 2026:

  • Einlagenzins: 2,50 Prozent
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,65 Prozent
  • Spitzenrefinanzierungssatz: 2,90 Prozent

Als Grund nennt die EZB vor allem den energiebedingten Inflationsdruck infolge des Konflikts im Nahen Osten.

Für den Euroraum erwartet sie nun eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 Prozent im Jahr 2026, 2,5 Prozent im Jahr 2027 und 2,1 Prozent im Jahr 2028. Ob weitere Zinserhöhungen folgen, ist offen. Die EZB will darüber weiterhin von Sitzung zu Sitzung entscheiden.

Fazit

Für Sparer können sich die Aussichten auf höhere Zinsen bei Tagesgeld und Festgeld verbessern. Banken geben Änderungen des Leitzinses allerdings nicht immer sofort und vollständig an ihre Kunden weiter. Ein Vergleich der Konditionen kann sich daher lohnen.

Bei bestehenden Anleihen mit längerer Laufzeit können steigende Marktzinsen zu weiteren Kursverlusten führen. Wer die Anleihe bis zur Fälligkeit hält und der Herausgeber zahlungsfähig bleibt, erhält grundsätzlich weiterhin die vereinbarten Zinsen und den vorgesehenen Rückzahlungsbetrag.

Kredite und Anschlussfinanzierungen dürften tendenziell teurer werden. Wer in absehbarer Zeit eine Immobilie kaufen oder eine bestehende Finanzierung verlängern möchte, sollte deshalb frühzeitig verschiedene Angebote vergleichen.

Für Menschen im Ruhestand bieten höhere Zinsen neue Möglichkeiten für den sicheren Teil ihrer Geldanlage. Gleichzeitig bleibt entscheidend, was nach Abzug der Inflation tatsächlich an Kaufkraft übrig bleibt.

Eine langfristige Anlagestrategie sollte nicht allein wegen einer einzelnen Zinsentscheidung verändert werden.

2. Deutsche Inflationsrate von 2,9 Prozent bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Zahlen für August 2026 bestätigt:

  • Verbraucherpreise gegenüber August 2025: plus 2,9 Prozent
  • Verbraucherpreise gegenüber Juli 2026: plus 0,2 Prozent
  • Inflation ohne Nahrungsmittel und Energie: 2,4 Prozent
  • Energiepreise: plus 10,5 Prozent

Der aktuelle Anstieg der Inflation ist damit vor allem auf die deutlich gestiegenen Energiepreise zurückzuführen. Die sogenannte Kerninflation liegt niedriger.

Fazit

Eine Inflationsrate von 2,9 Prozent bedeutet, dass 100 Euro nach einem Jahr rechnerisch nur noch eine Kaufkraft von rund 97,18 Euro besitzen.

Bei der Geldanlage reicht es deshalb nicht, allein auf den ausgewiesenen Zinssatz zu schauen. Entscheidend ist, welche Rendite nach Abzug von Inflation, Kosten und gegebenenfalls Steuern verbleibt.

Für die Ruhestandsplanung sollte nicht dauerhaft mit nur einer Inflationsannahme gerechnet werden. Sinnvoll sind mehrere Szenarien:

  • ein Basisszenario mit langfristig moderater Inflation
  • ein Szenario mit drei bis vier Prozent Inflation
  • eine gesonderte Betrachtung der persönlichen Ausgaben

Gerade bei Menschen im Ruhestand kann die persönliche Teuerung höher ausfallen als der allgemeine Durchschnitt. Das gilt insbesondere dann, wenn Wohnen, Energie, Gesundheit und Pflege einen großen Anteil der monatlichen Ausgaben ausmachen.

Auch eine hohe Geldreserve schützt nur scheinbar vor Risiken. Liegt die Verzinsung dauerhaft unter der Inflationsrate, verliert das Guthaben Jahr für Jahr an Kaufkraft. Die notwendige Reserve für unerwartete Ausgaben sollte dennoch jederzeit verfügbar bleiben.

Der aktuelle Inflationsanstieg ist ernst zu nehmen. Er ist aber kein Grund, eine langfristig geplante Geldanlage aufgrund eines einzelnen Monatswertes grundlegend zu verändern.

EZB Zinserhöhung: Was der höhere Leitzins für Ihr Geld bedeutet

11. September 2026 in Education, Finanzierungen, Vermögensanlage

Die Europäische Zentralbank hat am 10. September 2026 eine weitere EZB Zinserhöhung beschlossen. Der für Banken besonders wichtige Einlagenzins steigt mit Wirkung zum 16. September von 2,25 auf 2,50 Prozent.

Für Sparer klingt das zunächst erfreulich. Kreditnehmer müssen dagegen mit höheren Kosten rechnen. An den Börsen kann die Reaktion in beide Richtungen gehen. Denn nicht nur der Zinsschritt selbst zählt, sondern auch die Frage, wie sich Inflation, Wirtschaft und künftige Geldpolitik entwickeln.

Was die EZB beschlossen hat

Der EZB Rat erhöht alle drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte:

  • Einlagenzins: von 2,25 auf 2,50 Prozent
  • Hauptrefinanzierungszins: von 2,40 auf 2,65 Prozent
  • Spitzenrefinanzierungszins: von 2,65 auf 2,90 Prozent

Die neuen Zinssätze gelten ab dem 16. September 2026.

Der Einlagenzins bestimmt, welche Verzinsung Banken erhalten, wenn sie überschüssiges Geld kurzfristig bei der Zentralbank hinterlegen. Er ist damit eine wichtige Orientierung für Tagesgeld, Geldmarktfonds und kurzfristige Kapitalmarktzinsen.

Der Hauptrefinanzierungszins betrifft die reguläre Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld. Über die Spitzenrefinanzierungsfazilität können sich Banken kurzfristig Geld von der EZB beschaffen.

Für private Haushalte sind diese Zinssätze nicht direkt verfügbar. Sie beeinflussen aber die Konditionen, die Banken ihren Kunden anbieten.

Warum die EZB die Zinsen erhöht

Das vorrangige Ziel der EZB ist Preisstabilität. Sie strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an.

Nach den im September veröffentlichten Projektionen erwartet die EZB für den Euroraum nun eine durchschnittliche Inflation von:

  • 3,0 Prozent im Jahr 2026
  • 2,5 Prozent im Jahr 2027
  • 2,1 Prozent im Jahr 2028

Für das Wirtschaftswachstum prognostiziert sie:

  • 0,9 Prozent im Jahr 2026
  • 1,4 Prozent im Jahr 2027

Ein wichtiger Grund für den höheren Preisdruck sind gestiegene Energiekosten. Daraus ergibt sich für die EZB ein schwieriger Zielkonflikt.

Höhere Zinsen können die Nachfrage bremsen und damit den Preisauftrieb begrenzen. Sie können aber keine zusätzlichen Öl oder Gaslieferungen schaffen. Gleichzeitig belasten sie Investitionen, Immobilienkäufe und kreditfinanzierte Ausgaben.

Fakt ist: Die EZB erhöht die Zinsen, weil sie die Inflationsrisiken als zu hoch einschätzt.

Einordnung: Die aktuelle Inflation wird wesentlich durch Energiepreise beeinflusst. Gegen deren unmittelbare Ursachen kann Geldpolitik nur begrenzt wirken.

Mögliche Schlussfolgerung: Die Zinserhöhung soll verhindern, dass sich der Preisschub dauerhaft auf Löhne, Dienstleistungen und Inflationserwartungen überträgt.

Was die EZB Zinserhöhung für Tagesgeld bedeutet

Ein höherer Einlagenzins verbessert grundsätzlich die Ausgangslage für Sparer. Banken können überschüssige Liquidität zu höheren Konditionen bei der Zentralbank anlegen.

Daraus folgt aber nicht, dass jedes Tagesgeldkonto automatisch um 0,25 Prozentpunkte besser verzinst wird.

Banken entscheiden selbst, welchen Teil der höheren Marktzinsen sie an ihre Kunden weitergeben. Das hängt unter anderem davon ab:

  • ob die Bank zusätzliche Einlagen benötigt
  • wie intensiv sie um Neukunden wirbt
  • wie hoch ihre eigene Liquidität ist
  • welche Kosten sie kalkuliert
  • wie stark der Wettbewerb reagiert

Einige Banken können ihre Tagesgeldzinsen schnell erhöhen. Andere reagieren später oder gar nicht.

Sparer sollten deshalb nicht nur auf die EZB Zinserhöhung warten, sondern ihre Konditionen prüfen. Besonders wichtig ist, ob ein Zinssatz dauerhaft gilt oder nach wenigen Monaten endet.

Auch die Einlagensicherung bleibt relevant. Sie schützt grundsätzlich bis zu 100.000 Euro je Einleger und Bank. Mehrere Konten bei derselben Bank erhöhen diese Grenze nicht.

Was sich bei Geldmarktfonds verändert

Geldmarktfonds und Geldmarkt ETFs orientieren sich häufig eng an den kurzfristigen Zinsen im Euroraum. Steigt der Einlagenzins, kann sich deshalb auch ihre laufende Rendite erhöhen.

Die Anpassung erfolgt normalerweise marktbezogener als beim Tagesgeld. Sie ist aber nicht kostenlos und nicht garantiert.

Von der möglichen Rendite gehen unter anderem ab:

  • laufende Fondskosten
  • Handelskosten
  • die Differenz zwischen Kauf und Verkaufspreis
  • mögliche Abweichungen von der Geldmarktstrategie

Geldmarktfonds fallen außerdem nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung. Ihr Vermögen wird zwar getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt, der Anteilpreis kann aber schwanken.

Für sofort benötigte Reserven kann Tagesgeld trotz eines niedrigeren Zinssatzes geeigneter sein. Für größere Beträge oder Geld, das nicht innerhalb weniger Stunden benötigt wird, kann ein Geldmarktfonds eine prüfenswerte Alternative darstellen.

Festgeld: Jetzt länger binden?

Steigende Leitzinsen können auch die Festgeldangebote verbessern. Die Reaktion hängt jedoch nicht nur vom aktuellen Zinsschritt ab.

Bei einer längeren Laufzeit kalkulieren Banken bereits ihre Erwartungen über die künftige Zinsentwicklung ein. Rechnet der Markt später mit sinkenden Zinsen, kann ein langfristiges Festgeld niedriger verzinst sein als eine kürzere Anlage.

Wer sein Geld bindet, sollte deshalb nicht allein den höchsten Prozentsatz auswählen. Entscheidend sind auch:

  • Laufzeit
  • Kündigungsmöglichkeiten
  • Einlagensicherung
  • Zinszahlung
  • Wiederanlage nach Ablauf
  • absehbarer Kapitalbedarf

Eine Aufteilung auf mehrere Laufzeiten kann Flexibilität erhalten. Statt den gesamten Betrag für fünf Jahre festzulegen, können verschiedene Fälligkeiten vereinbart werden.

Eine solche Struktur wird häufig als Zinstreppe bezeichnet.

Was passiert mit bestehenden Anleihen?

Bei Anleihen bewegen sich Marktzins und Kurs grundsätzlich in entgegengesetzte Richtungen.

Steigen die Marktzinsen, werden ältere Anleihen mit niedrigeren Zinszahlungen weniger attraktiv. Ihr Börsenkurs kann fallen. Neue Anleihen werden dagegen zu höheren Renditen angeboten.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Eine bestehende Anleihe zahlt ein Prozent Zinsen. Neue vergleichbare Anleihen bieten inzwischen drei Prozent. Ein Anleger wird die ältere Anleihe normalerweise nur kaufen, wenn ihr Kurs so weit fällt, dass ihre Gesamtrendite wieder konkurrenzfähig wird.

Wie stark eine Anleihe auf Zinsänderungen reagiert, hängt unter anderem von ihrer Restlaufzeit ab. Lang laufende Anleihen schwanken meist stärker als kurz laufende.

Für Anleger bedeutet das:

  • Bestehende Anleihefonds können zunächst Kursverluste erleiden.
  • Neue Anlagen können langfristig von höheren laufenden Renditen profitieren.
  • Wer eine einzelne solide Anleihe bis zur Fälligkeit hält, erhält grundsätzlich den vereinbarten Rückzahlungsbetrag, sofern der Emittent zahlungsfähig bleibt.
  • Wer vor der Fälligkeit verkaufen muss, trägt ein Kursrisiko.

Die Zinserhöhung ist daher nicht automatisch schlecht für Anleiheanleger. Sie belastet zunächst die Kurse, verbessert aber die Renditeaussichten für neues und wiederangelegtes Kapital.

Wie reagieren Aktien?

Höhere Zinsen gelten häufig als Belastung für Aktien. Unternehmen müssen möglicherweise mehr für Kredite bezahlen. Gleichzeitig werden sichere und schwankungsärmere Anlagen als Alternative attraktiver.

Außerdem werden künftig erwartete Unternehmensgewinne bei höheren Zinsen rechnerisch weniger wert. Das kann besonders Unternehmen treffen, deren Bewertung stark auf weit in der Zukunft liegenden Gewinnen beruht.

Trotzdem lässt sich aus einer EZB Zinserhöhung keine sichere Börsenrichtung ableiten.

Aktienkurse werden auch beeinflusst durch:

  • Erwartungen vor dem Zinsentscheid
  • Unternehmensgewinne
  • Konjunkturaussichten
  • Energiepreise
  • Wechselkurse
  • politische Risiken
  • Aussagen über mögliche weitere Zinsschritte

War die Zinserhöhung bereits erwartet, kann sie weitgehend in den Kursen enthalten sein. Entscheidend ist dann, ob der Ausblick der EZB strenger oder milder ausfällt als vom Markt angenommen.

Langfristig orientierte Anleger sollten ihre Aktienstrategie deshalb nicht allein wegen eines einzelnen Zinsbeschlusses ändern.

Sind Bankaktien die Gewinner?

Höhere Zinsen können die Zinsmargen von Banken verbessern. Banken können Kredite zu höheren Zinssätzen vergeben und mit Kundeneinlagen Erträge erzielen.

Das Bild ist jedoch nicht eindeutig.

Steigende Finanzierungskosten können dazu führen, dass weniger Kredite nachgefragt werden. Gleichzeitig können Kreditausfälle zunehmen, wenn Haushalte oder Unternehmen ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können.

Auch bei Banken gilt daher: Ein höherer Leitzins ist ein wichtiger Einflussfaktor, aber keine Garantie für steigende Gewinne oder Aktienkurse.

Was bedeutet die Zinserhöhung für Immobilienfinanzierungen?

Die Bauzinsen folgen nicht unmittelbar dem Einlagenzins der EZB. Sie orientieren sich stärker an den Renditen länger laufender Anleihen und an den Erwartungen des Kapitalmarktes.

Trotzdem kann eine straffere Geldpolitik Finanzierungen verteuern.

Besonders betroffen sind:

  • Käufer, die eine neue Finanzierung benötigen
  • Eigentümer mit bald endender Zinsbindung
  • Kreditnehmer mit variablem Zinssatz
  • Bauprojekte mit knapper Kalkulation
  • Kapitalanleger mit hohem Fremdkapitalanteil

Bei einem bestehenden Darlehen mit fest vereinbartem Zinssatz ändert sich die monatliche Rate während der Zinsbindung normalerweise nicht.

Wichtig wird die Entwicklung bei der Anschlussfinanzierung. Wer in den nächsten Jahren eine hohe Restschuld refinanzieren muss, sollte frühzeitig berechnen, welche Rate bei verschiedenen Zinssätzen tragbar wäre.

Ein Beispiel für die Wirkung auf die Kreditrate

Bei einem Darlehen über 300.000 Euro ergibt bereits ein Unterschied von einem Prozentpunkt eine zusätzliche jährliche Zinsbelastung von zunächst etwa 3.000 Euro.

Das entspricht rund 250 Euro im Monat, bevor Tilgungseffekte berücksichtigt werden.

Die tatsächliche Rate hängt von Zinssatz, Tilgung, Laufzeit und verbleibender Restschuld ab. Das Beispiel zeigt dennoch, warum scheinbar kleine Zinsbewegungen bei großen Kreditbeträgen erhebliche Auswirkungen haben.

Was bedeutet die Zinserhöhung für den Euro?

Höhere Zinsen können eine Währung attraktiver machen, weil Anleger für Anlagen in dieser Währung eine höhere Verzinsung erwarten.

Ein stärkerer Euro kann importierte Waren und Energie verbilligen. Das könnte den Inflationsdruck begrenzen.

Dieser Zusammenhang ist aber nicht zuverlässig genug für eine kurzfristige Prognose. Wechselkurse hängen auch von den Zinsen in anderen Währungsräumen, der wirtschaftlichen Entwicklung und politischen Risiken ab.

Erhöht beispielsweise auch die amerikanische Notenbank ihre Zinsen, muss der Euro gegenüber dem US Dollar nicht steigen.

Eine Währungsposition allein auf Grundlage eines einzelnen EZB Beschlusses aufzubauen, wäre daher spekulativ.

Typische Fehlentscheidungen nach einer Zinserhöhung

Sofort das gesamte Depot umstellen

Ein einzelner Zinsschritt verändert nicht automatisch die langfristige Anlagestrategie. Häufig waren die Erwartungen bereits in den Kursen enthalten.

Aktien vollständig verkaufen

Höhere Zinsen können Aktien belasten. Daraus folgt aber nicht, dass die Kurse zwingend oder dauerhaft fallen.

Langfristiges Festgeld vorschnell abschließen

Wer den gesamten Betrag lange bindet, verliert Flexibilität und kann spätere bessere Konditionen nicht nutzen.

Tagesgeldangebote nicht prüfen

Die Bank muss den höheren EZB Zins nicht vollständig weitergeben. Ein altes Tagesgeldkonto kann weiterhin kaum verzinst werden.

Anleiheverluste mit einem endgültigen Verlust verwechseln

Steigende Zinsen können die Kurse drücken. Gleichzeitig entstehen höhere laufende Renditen und bessere Bedingungen für die Wiederanlage.

Die Anschlussfinanzierung verdrängen

Ein höheres Zinsniveau wird bei bestehenden Festzinsdarlehen oft erst am Ende der Zinsbindung spürbar. Dann kann der Ratensprung erheblich ausfallen.

Nur auf die Nominalverzinsung schauen

Entscheidend ist die reale Rendite nach Inflation, Kosten und Steuern. Ein Sparzins von 2,5 Prozent erhält die Kaufkraft nicht, wenn die persönlichen Lebenshaltungskosten stärker steigen.

Was Anleger jetzt sinnvoll prüfen können

Aktionismus ist nicht erforderlich. Eine Bestandsaufnahme ist trotzdem sinnvoll.

Kurzfristige Reserven

Wie hoch wird das Tagesgeld verzinst? Ist der Zins dauerhaft oder befristet? Liegen die Guthaben innerhalb der gesetzlichen Sicherungsgrenze?

Festgeld

Wann wird das Geld benötigt? Ist eine Staffelung über mehrere Laufzeiten sinnvoller als eine vollständige lange Bindung?

Anleihen und Anleihefonds

Welche Laufzeiten und Bonitäten sind enthalten? Wie empfindlich reagiert die Anlage auf weitere Zinsänderungen?

Aktien und Fonds

Passt die Aufteilung weiterhin zum Anlageziel? Oder würde nur aufgrund einer Tagesmeldung gehandelt?

Immobilienkredite

Wann endet die Zinsbindung? Welche Restschuld bleibt? Wie hoch wäre die Rate bei einem um ein oder zwei Prozentpunkte höheren Anschlusszins?

Gesamte Vermögensstruktur

Zinsen wirken nicht isoliert. Tagesgeld, Wertpapiere, Immobilien, Kredite und geplante Ausgaben sollten zusammen betrachtet werden.

Die EZB Zinserhöhung verbessert grundsätzlich die Ertragsmöglichkeiten für kurzfristige Anlagen und neues Anleihekapital. Gleichzeitig können Kredite teurer werden und bestehende Anleihen zunächst an Wert verlieren. Bei Aktien ist die Wirkung nicht eindeutig.

Niemand weiß heute sicher, ob und wann weitere Zinsschritte folgen. Die EZB selbst legt sich nicht auf einen festen Zinspfad fest, sondern will von Sitzung zu Sitzung anhand der aktuellen Daten entscheiden.

Eine belastbare Finanzplanung versucht deshalb nicht, jede Zentralbankentscheidung vorherzusagen. Sie sorgt dafür, dass Liquidität, Anlagezeitraum, Risiken und Finanzierungen auch bei unterschiedlichen Zinsentwicklungen zusammenpassen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage, Kredit oder Steuerberatung dar.

Wie die Inflation Kaufkraft und Vermögen reduziert

4. Mai 2022 in Allgemein, Altersvorsorge, Investmentfonds, Vermögensanlage

Gemäß Pressemitteilung Nr. 182 vom 28. April 2022 vom 28. April 2022 rechnet das statistische Bundesamt (Destatis) mit einer Inflationsrate von 7,4% im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Die Preise für Waren und Dienstleistungen haben sich also im Vergleich zu April 2021 um 7,4% erhöht.
Um die selben Waren und Dienstleistungen wie vor einem Jahr kaufen zu können, müssten die Einkommen der privaten Haushalte demnach um 7,4% gestiegen sein.
Als Folge können die privaten Haushalte bei gleichbleibenden Einkommen also weniger Waren und Dienstleistungen kaufen. Das betrifft bei immer mehr Menschen auch Nahrungsmittel und fossile Brennstoffe wie Gas und Benzin.
Die Preise für Nahrungsmittel sind im Vergleich zum April 2021 um 8,5% gestiegen.
Haushaltsenergie und Kraftstoffe sind um sagenhafte 35,3% gestiegen. Wohnungsmieten liegen mit einer Steigerung von 1,6% auf hohem Niveau relativ stabil. Auch Dienstleistungen haben sich nur um 2,9% erhöht. Der Hauptgrund dafür dürfte sein, dass Preise für Dienstleistungen aus Sorge vor sinkender Nachfrage noch nicht in der Breite angepasst wurden. Hier dürfte aber in den nächsten Monaten Anpassungsdruck entstehen und damit steigende Preise.

Das statistische Bundesamt stellt ein sehr nützliches Tool zur Berechnung der persönlichen Inflationsrate zur Verfügung.
Da nicht jeder private Haushalt eine identische Ausgabenverteilung für Konsum, Ernährung, Wohnen, Mobilität, Freizeit und Lifestyle hat, kommen private Haushalte der tatsächlichen Preiserhöhung deutlich näher, als durch das Heranziehen der statistischen Mittelwerte.

Neben der Auswirkung auf die Preise hat die steigendende Inflationsrate, die man auch als Kaufkraftverlust bezeichnen kann, auch massive Auswirkungen auf Sparprozesse.
Es kommt demnach mehr als je zuvor auf die „Verzinsung“ einer Geldanlage nach Abzug der Inflation an.
Bei einer Inflationsrate von 7,4% muss die Geldanlage demnach mindestens eine Steigerung in Höhe von 7,4% jährlich erfahren, nur um die Kaufkraft zu erhalten. Streng genommen muss die Wertsteigerung sogar 9,25% pro Jahr betragen, wenn man 25% Kapitalertragsteuer berücksichtigt.
Die Realität sieht jedoch anders aus. 40% des Geldvermögens privater Haushalte lag im ersten Quartal 2021 in unvezinsten Einlagen. Lediglich 23,2% sind in Aktien/Aktienfonds angelegt. Quelle: Bundesverband deutscher Banken

In der folgenden Tabelle wird ersichtlich, wie sich eine monatliche Sparrate von 100,00 € bei 7,4% Inflation und einer Spardauer von 30 Jahren bei unterschiedlichen jährlichen Verzinsungen auswirkt.
Bei 100,00 € monatlicher Sparrate über 30 Jahre ergibt sich ein Anlagebetrag von 36.000 EUR.

Das sind die Ergebnisse nach 30 Jahren:
0% Zins pro Jahr: 14.015,57
2% Zins pro Jahr: 17.492,52
4% Zins pro Jahr: 22.371,33
6% Zins pro Jahr: 29.338,69 €
8% Zins pro Jahr: 39.442,50 €

Bei einer Einmalanlage in Höhe von 10.000 werden nach 30 Jahren bei 7,4% jährlicher Inflationsrate
und einem Zinssatz von x%:
0% Zins pro Jahr:  1.078,65 €
2% Zins pro Jahr:  1.971,77 €
4% Zins pro Jahr:  3.600,73
6% Zins pro Jahr:  6.568,86  €
8% Zins pro Jahr: 11.971,64 €

Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass Vermögen bei einem Anlagezins unterhalb der Inflationsrate konsequent vernichtet wird.

Welche Anlageformen kommen  in Betracht?

Wer über einen Zeitraum von mindestens 12 Jahren einmalig oder regelmäßig investieren möchte, kommt an folgenden Anlageinstrumenten nicht vorbei:

Die vorgenannten Informationen stellen keine individuelle Anlageberatung dar.

Für eine individuelle Beratung können Sie gerne meinen Onlineterminkalender nutzen.