Berichtszeitraum: 5. bis 11. September 2026
Die wichtigsten Punkte
- Die Europäische Zentralbank erhöht die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Das kann sich auf Tagesgeld, Festgeld, Anleihen und Finanzierungen auswirken.
- Die deutsche Inflationsrate von 2,9 Prozent wurde bestätigt. Hauptursache sind deutlich gestiegene Energiepreise.
1. EZB erhöht die Leitzinsen
Die Europäische Zentralbank hat am 10. September 2026 beschlossen, alle drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte zu erhöhen. Die neuen Zinssätze gelten ab dem 16. September 2026:
- Einlagenzins: 2,50 Prozent
- Hauptrefinanzierungssatz: 2,65 Prozent
- Spitzenrefinanzierungssatz: 2,90 Prozent
Als Grund nennt die EZB vor allem den energiebedingten Inflationsdruck infolge des Konflikts im Nahen Osten.
Für den Euroraum erwartet sie nun eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 Prozent im Jahr 2026, 2,5 Prozent im Jahr 2027 und 2,1 Prozent im Jahr 2028. Ob weitere Zinserhöhungen folgen, ist offen. Die EZB will darüber weiterhin von Sitzung zu Sitzung entscheiden.
Fazit
Für Sparer können sich die Aussichten auf höhere Zinsen bei Tagesgeld und Festgeld verbessern. Banken geben Änderungen des Leitzinses allerdings nicht immer sofort und vollständig an ihre Kunden weiter. Ein Vergleich der Konditionen kann sich daher lohnen.
Bei bestehenden Anleihen mit längerer Laufzeit können steigende Marktzinsen zu weiteren Kursverlusten führen. Wer die Anleihe bis zur Fälligkeit hält und der Herausgeber zahlungsfähig bleibt, erhält grundsätzlich weiterhin die vereinbarten Zinsen und den vorgesehenen Rückzahlungsbetrag.
Kredite und Anschlussfinanzierungen dürften tendenziell teurer werden. Wer in absehbarer Zeit eine Immobilie kaufen oder eine bestehende Finanzierung verlängern möchte, sollte deshalb frühzeitig verschiedene Angebote vergleichen.
Für Menschen im Ruhestand bieten höhere Zinsen neue Möglichkeiten für den sicheren Teil ihrer Geldanlage. Gleichzeitig bleibt entscheidend, was nach Abzug der Inflation tatsächlich an Kaufkraft übrig bleibt.
Eine langfristige Anlagestrategie sollte nicht allein wegen einer einzelnen Zinsentscheidung verändert werden.
2. Deutsche Inflationsrate von 2,9 Prozent bestätigt
Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Zahlen für August 2026 bestätigt:
- Verbraucherpreise gegenüber August 2025: plus 2,9 Prozent
- Verbraucherpreise gegenüber Juli 2026: plus 0,2 Prozent
- Inflation ohne Nahrungsmittel und Energie: 2,4 Prozent
- Energiepreise: plus 10,5 Prozent
Der aktuelle Anstieg der Inflation ist damit vor allem auf die deutlich gestiegenen Energiepreise zurückzuführen. Die sogenannte Kerninflation liegt niedriger.
Fazit
Eine Inflationsrate von 2,9 Prozent bedeutet, dass 100 Euro nach einem Jahr rechnerisch nur noch eine Kaufkraft von rund 97,18 Euro besitzen.
Bei der Geldanlage reicht es deshalb nicht, allein auf den ausgewiesenen Zinssatz zu schauen. Entscheidend ist, welche Rendite nach Abzug von Inflation, Kosten und gegebenenfalls Steuern verbleibt.
Für die Ruhestandsplanung sollte nicht dauerhaft mit nur einer Inflationsannahme gerechnet werden. Sinnvoll sind mehrere Szenarien:
- ein Basisszenario mit langfristig moderater Inflation
- ein Szenario mit drei bis vier Prozent Inflation
- eine gesonderte Betrachtung der persönlichen Ausgaben
Gerade bei Menschen im Ruhestand kann die persönliche Teuerung höher ausfallen als der allgemeine Durchschnitt. Das gilt insbesondere dann, wenn Wohnen, Energie, Gesundheit und Pflege einen großen Anteil der monatlichen Ausgaben ausmachen.
Auch eine hohe Geldreserve schützt nur scheinbar vor Risiken. Liegt die Verzinsung dauerhaft unter der Inflationsrate, verliert das Guthaben Jahr für Jahr an Kaufkraft. Die notwendige Reserve für unerwartete Ausgaben sollte dennoch jederzeit verfügbar bleiben.
Der aktuelle Inflationsanstieg ist ernst zu nehmen. Er ist aber kein Grund, eine langfristig geplante Geldanlage aufgrund eines einzelnen Monatswertes grundlegend zu verändern.
Über den Autor: Thomas Kliem
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