Viele Haushalte prüfen derzeit ihre laufenden Ausgaben. Dabei geraten auch Versicherungsbeiträge schnell in den Blick. Das ist grundsätzlich richtig. Versicherungsverträge sollten nicht jahrelang ungeprüft im Ordner liegen. Wer jedoch nur nach dem niedrigsten Beitrag sucht, kann am falschen Ende sparen.
Eine Versicherung ist schließlich nicht deshalb gut, weil sie wenig kostet. Sie ist gut, wenn sie im entscheidenden Moment das leistet, was benötigt wird. Das Ziel sollte deshalb nicht lauten, möglichst viele Verträge zu kündigen. Es geht darum, unnötige Kosten zu beseitigen und den wichtigen Schutz zu erhalten.
Zuerst die großen Risiken absichern
Die wichtigste Frage lautet nicht: Welche Versicherung ist teuer? Die richtige Frage lautet: Welcher Schaden könnte meine finanzielle Existenz gefährden?
Ein kaputtes Mobiltelefon ist ärgerlich. In den meisten Haushalten lässt sich der Schaden aber aus eigenen Mitteln bezahlen. Anders sieht es aus, wenn jemand einen anderen Menschen schwer verletzt, dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, das eigene Haus abbrennt oder eine Familie ihren Hauptverdiener verliert.
Deshalb gehören je nach persönlicher Situation insbesondere folgende Absicherungen auf den Prüfstand:
- die private Haftpflichtversicherung
- die Absicherung der Arbeitskraft
- die Wohngebäudeversicherung bei Immobilieneigentum
- die Krankenversicherung
- die Risikolebensversicherung, wenn Angehörige, Darlehen oder ein Unternehmen abgesichert werden müssen
- die Tierhalterhaftpflicht, wenn ein entsprechendes Risiko besteht
Bei diesen Verträgen sollte nicht zuerst über eine Kürzung der Leistung gesprochen werden. Zunächst muss geklärt werden, ob Versicherungssummen, versicherte Risiken und Vertragsbedingungen noch zur heutigen Lebenssituation passen.
Verträge regelmäßig überprüfen
Ein Vertrag, der vor zehn oder fünfzehn Jahren passend war, muss heute nicht mehr die beste Lösung sein. Tarife entwickeln sich weiter. Neue Leistungen kommen hinzu, Bedingungswerke werden verbessert und Beiträge verändern sich.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder ältere Vertrag automatisch schlecht ist. Gerade bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, der privaten Krankenversicherung oder bei Verträgen mit garantierten Leistungen kann ein alter Vertrag besonders wertvoll sein. Gesundheitszustand, Eintrittsalter, Garantien und steuerliche Rahmenbedingungen können einen Wechsel erschweren oder unattraktiv machen.
Ein Vergleich muss deshalb immer zwei Seiten betrachten: den Beitrag und die Leistung. Erst wenn beide geprüft sind, lässt sich beurteilen, ob eine Tarifumstellung oder ein Wechsel wirklich sinnvoll ist.
Doppelten Schutz vermeiden
Nach einem Umzug, einer Heirat oder dem Zusammenziehen bleiben häufig Verträge bestehen, die nicht mehr benötigt werden. Zwei Partner brauchen in einem gemeinsamen Haushalt regelmäßig nicht zwei Hausratversicherungen. Auch bei der privaten Haftpflichtversicherung kann häufig ein gemeinsamer Familientarif ausreichen.
Ähnliche Überschneidungen können bei Rechtsschutzverträgen, Schutzbriefen, Reiseversicherungen oder Zusatzbausteinen entstehen. Manche Leistungen sind bereits über eine Kreditkarte, einen Automobilclub, den Arbeitgeber oder einen anderen Versicherungsvertrag vorhanden.
Dabei genügt es nicht, nur den Namen der Leistung zu vergleichen. Entscheidend ist, ob Umfang, Versicherungssumme, Selbstbeteiligung, versicherte Personen und Ausschlüsse tatsächlich übereinstimmen. Eine scheinbare Doppelversicherung kann sich bei genauer Prüfung als wichtige Ergänzung erweisen.
Kleine Risiken selbst tragen
Versicherungen sind vor allem für Schäden gedacht, die man nicht ohne Weiteres selbst bezahlen kann. Für überschaubare Risiken ist eine eigene Rücklage häufig wirtschaftlicher.
Typische Beispiele sind Versicherungen für Mobiltelefone, Brillen, einzelne Haushaltsgeräte, Tickets oder Reisegepäck. Solche Verträge kosten über die Jahre oft mehr, als sie im Schadenfall leisten. Hinzu kommen Ausschlüsse, Selbstbeteiligungen und eine Entschädigung, die sich nur am Zeitwert orientiert.
Wer stattdessen regelmäßig einen Betrag auf ein gut verfügbares Rücklagenkonto einzahlt, kann kleinere Schäden selbst tragen. Der Versicherungsschutz konzentriert sich dann auf die Risiken, die den Lebensstandard wirklich bedrohen.
Pauschale Urteile sind dennoch nicht sinnvoll. Ob eine Absicherung verzichtbar ist, hängt auch von den finanziellen Reserven und der persönlichen Risikobereitschaft ab.
Eine passende Selbstbeteiligung wählen
Eine Selbstbeteiligung kann den Beitrag senken. Besonders bei der Kaskoversicherung, der Rechtsschutzversicherung, der Hausratversicherung oder der Wohngebäudeversicherung kann das sinnvoll sein.
Die Rechnung geht aber nur auf, wenn die Ersparnis in einem vernünftigen Verhältnis zum zusätzlichen Eigenanteil steht. Wer beispielsweise 500 Euro mehr selbst tragen muss, dafür aber nur wenige Euro pro Jahr spart, übernimmt viel zusätzliches Risiko für einen geringen Vorteil.
Die Selbstbeteiligung sollte deshalb so gewählt werden, dass sie jederzeit aus der vorhandenen Rücklage bezahlt werden kann. Bei der privaten Haftpflichtversicherung ist die Beitragsersparnis durch eine Selbstbeteiligung häufig so gering, dass sie sich nicht unbedingt lohnt.
Jährlich statt monatlich zahlen
Viele Versicherer verlangen Zuschläge, wenn Beiträge monatlich oder vierteljährlich gezahlt werden. Die Umstellung auf eine jährliche Zahlweise kann deshalb eine einfache Möglichkeit sein, Kosten zu reduzieren, ohne den Versicherungsschutz zu verändern.
Voraussetzung ist, dass der Jahresbeitrag zum Fälligkeitstermin sicher verfügbar ist. Sinnvoll kann es sein, den entsprechenden Monatsbetrag fortlaufend auf ein separates Konto zu überweisen. So steht die Summe bereit, wenn der Beitrag abgebucht wird.
Angaben im Vertrag aktuell halten
Manche Beiträge beruhen auf Merkmalen, die sich im Laufe der Zeit ändern. In der Kraftfahrtversicherung können beispielsweise die jährliche Fahrleistung, der Fahrerkreis, der Abstellort oder die berufliche Nutzung eine Rolle spielen. Wer inzwischen deutlich weniger fährt oder das Fahrzeug nur noch von wenigen Personen nutzen lässt, kann möglicherweise sparen.
Auch ein Wechsel vom Familienvertrag zum Singletarif oder umgekehrt kann Auswirkungen haben. Gleiches gilt, wenn Kinder aus dem Haushalt ausziehen, eine selbstständige Tätigkeit aufgenommen oder beendet wird oder sich die Nutzung einer Immobilie ändert.
Wichtig ist, Änderungen vollständig und wahrheitsgemäß mitzuteilen. Falsche Angaben sind kein Sparmodell. Sie können im Schadenfall zu Leistungskürzungen oder weiteren Nachteilen führen.
Versicherungssummen nicht einfach reduzieren
Eine niedrigere Versicherungssumme senkt manchmal den Beitrag. Sie kann aber eine gefährliche Lücke erzeugen.
In der Hausratversicherung sollte der tatsächliche Wert des Hausrats ausreichend berücksichtigt werden. In der Wohngebäudeversicherung müssen Wert und Merkmale des Gebäudes korrekt erfasst sein. Sonst droht eine Unterversicherung. Dann kann es passieren, dass der Versicherer auch einen Teilschaden nur anteilig ersetzt.
Auch in der privaten Haftpflichtversicherung sollte die Versicherungssumme nicht knapp bemessen sein. Personenschäden können Kosten in Millionenhöhe verursachen. Hier wegen eines kleinen Beitragsvorteils an der Deckung zu sparen, wäre wirtschaftlich nicht vertretbar.
Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gilt dasselbe Prinzip. Eine Rente, die im Ernstfall nicht einmal die laufenden Ausgaben deckt, erfüllt ihren Zweck nicht. Der Beitrag ist dann zwar niedriger, der Schutz aber möglicherweise wirkungslos.
Rabatte und Bündelangebote kritisch prüfen
Mehrere Verträge bei einem Versicherer können einen Bündelnachlass bringen. Das ist bequem und kann günstiger sein. Der Rabatt allein sagt aber nichts über die Qualität der einzelnen Verträge aus.
Ein Paket ist nur dann sinnvoll, wenn jeder enthaltene Vertrag fachlich überzeugt. Es bringt wenig, bei drei kleineren Versicherungen etwas zu sparen, wenn dafür eine wichtige Absicherung schlechtere Bedingungen enthält.
Auch Vergleichsportale zeigen in erster Linie vergleichbare Daten. Wichtige Unterschiede in den Bedingungen und Annahmerichtlinien lassen sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen. Der billigste Tarif ist deshalb nicht automatisch die wirtschaftlich beste Entscheidung.
Kleine Kraftfahrtschäden durchrechnen
Nach einem kleinen Haftpflichtschaden oder Kaskoschaden kann es günstiger sein, den Schaden selbst zu tragen. Wird die Versicherung in Anspruch genommen, kann eine Rückstufung den Beitrag über mehrere Jahre erhöhen.
Vor einer Entscheidung sollte der Versicherer berechnen, wie sich die Schadenmeldung auf die künftigen Beiträge auswirkt. Erst dann lässt sich die Mehrbelastung mit der Schadenhöhe vergleichen.
Manche Versicherer ermöglichen außerdem, einen bereits regulierten Schaden innerhalb einer bestimmten Frist zurückzuzahlen und dadurch die Rückstufung zu vermeiden.
Vorsicht vor vorschnellen Kündigungen
Ein bestehender Vertrag sollte erst beendet werden, wenn die neue Lösung verbindlich angenommen wurde und der Beginn des neuen Schutzes feststeht. Das gilt besonders dann, wenn Gesundheitsfragen beantwortet werden müssen.
Wer zuerst eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine private Krankenversicherung oder eine Krankenzusatzversicherung kündigt und erst danach einen neuen Antrag stellt, riskiert eine Lücke. Der neue Versicherer kann einen Risikozuschlag verlangen, Leistungen ausschließen oder den Antrag ablehnen.
Auch bei der Wohngebäudeversicherung kann ein Wechsel nach Vorschäden schwierig werden. Ein günstigeres Angebot ist wertlos, wenn es nicht verbindlich zustande kommt oder wichtige Gefahren nicht mehr versichert sind.
Bei Altersvorsorgeverträgen ist eine Kündigung ebenfalls selten der erste Schritt. Abschlusskosten, Garantien, steuerliche Folgen, Rückkaufswert und mögliche Alternativen wie Beitragsfreistellung, Beitragsreduzierung oder ein Fondswechsel müssen vorher geprüft werden.
Sparen beginnt mit einer vernünftigen Reihenfolge
Eine gute Vertragsprüfung folgt einer klaren Reihenfolge:
- Welche Risiken können die finanzielle Existenz gefährden?
- Sind diese Risiken ausreichend abgesichert?
- Welche Verträge sind doppelt oder nicht mehr erforderlich?
- Welche kleinen Risiken können aus der eigenen Rücklage getragen werden?
- Lassen sich Zahlweise, Selbstbeteiligung oder Tarif verbessern?
- Ist ein Anbieterwechsel nach einem vollständigen Leistungsvergleich sinnvoll?
So entsteht kein zufälliges Sammelsurium günstiger Policen, sondern ein Versicherungsschutz, der zur persönlichen Situation passt.
Nicht weniger Versicherung, sondern die richtige
Bei Versicherungen lässt sich oft Geld sparen. Möglich wird das durch aktuelle Vertragsdaten, eine passende Zahlweise, bewusst gewählte Selbstbeteiligungen, den Abbau von Überschneidungen und den Verzicht auf unwichtige Kleinstversicherungen.
Der wichtigste Schutz darf dabei nicht ausgehöhlt werden. Eine fachlich saubere Optimierung beginnt deshalb nie mit dem Rotstift, sondern mit einer Bestandsaufnahme. Erst wenn klar ist, welche Risiken selbst getragen werden können und welche abgesichert werden müssen, lässt sich sinnvoll entscheiden.
Wer seine Verträge seit mehreren Jahren nicht mehr vollständig prüfen ließ oder dessen Lebenssituation sich verändert hat, sollte eine strukturierte Versicherungsanalyse durchführen lassen.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele neue Verträge abzuschließen. Es geht darum, Fehlkäufe zu vermeiden, unnötige Beiträge zu reduzieren und im Ernstfall auf den richtigen Schutz vertrauen zu können.