Ein Welt ETF wird in Euro an einer deutschen Börse gekauft, trägt im Namen aber „USD“. Besteht damit ein Dollar Risiko? Und sollte deshalb besser eine währungsgesicherte Variante gewählt werden?
Das Währungsrisiko bei Welt ETF hängt nicht davon ab, in welcher Währung der Kurs angezeigt oder der ETF gehandelt wird. Entscheidend sind die Unternehmen im Fonds und die Währungen, in denen ihre Aktien bewertet werden und ihre Geschäfte stattfinden.
Drei Währungen, die Anleger unterscheiden müssen
Bei einem ETF können mehrere Währungsangaben auftauchen. Sie haben unterschiedliche Bedeutungen.
Handelswährung
Die Handelswährung ist die Währung, in der ein ETF Anteil an einer bestimmten Börse gekauft und verkauft wird.
Derselbe ETF kann beispielsweise:
- in Frankfurt in Euro
- in London in US Dollar
- an einem weiteren Handelsplatz in britischen Pfund
gehandelt werden.
Die Handelswährung beeinflusst die Abrechnung des Kaufs. Sie verändert aber nicht die Wertpapiere, die der ETF hält.
Fondswährung
Die Fondswährung wird auch Basiswährung genannt. In ihr führt die Fondsgesellschaft ihre Buchhaltung und berechnet den Nettoinventarwert.
Bei vielen globalen ETF ist dies der US Dollar. Das bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Anlagen des Fonds auf US Dollar lauten oder ausschließlich aus den USA stammen.
Die Fondswährung ist zunächst eine Recheneinheit.
Währungen der enthaltenen Anlagen
Für das tatsächliche Währungsrisiko ist entscheidend, welche Wertpapiere der ETF hält.
Ein Welt ETF kann unter anderem Aktien enthalten, die in folgenden Währungen notieren:
- US Dollar
- Euro
- japanischer Yen
- britisches Pfund
- Schweizer Franken
- kanadischer Dollar
- australischer Dollar
Hinzu kommt, dass international tätige Unternehmen Umsätze, Kosten und Vermögen in zahlreichen weiteren Währungen haben.
Währungsrisiko bei Welt ETF entsteht nicht durch das Kürzel USD
Ein Anleger kauft einen Welt ETF in Euro. Die Basiswährung des Fonds ist US Dollar. Ein großer Teil des Fondsvermögens besteht aus US Aktien.
Das Kürzel „USD“ im Namen beschreibt häufig die Fondswährung. Das wirtschaftliche Währungsrisiko entsteht dagegen durch die enthaltenen Anlagen.
Würde derselbe ungesicherte ETF zusätzlich in Euro gehandelt, verschwände das Dollar Risiko nicht. Der Börsenkurs in Euro würde lediglich die Veränderungen der Aktienkurse und Wechselkurse gemeinsam abbilden.
Fakt ist: Die Handelswährung verändert das Portfolio nicht.
Einordnung: Ein Euro Handelskurs macht aus internationalen Aktien keine Euro Anlagen.
Mögliche Schlussfolgerung: Für die Beurteilung des Währungsrisikos sind Index, Portfolio und eine mögliche Währungssicherung wichtiger als die Währung, in der die Depotbank den Kurs anzeigt.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Angenommen, eine amerikanische Aktie steigt innerhalb eines Jahres in US Dollar um 10 Prozent.
Gleichzeitig verliert der US Dollar gegenüber dem Euro 8 Prozent an Wert.
Vereinfacht ergibt sich für einen Anleger im Euroraum:
1,10 × 0,92 = 1,012
Der Wertzuwachs beträgt in Euro damit nur etwa 1,2 Prozent.
Stärkt sich der Dollar dagegen um 8 Prozent, ergibt sich:
1,10 × 1,08 = 1,188
Der Wertzuwachs in Euro beträgt dann etwa 18,8 Prozent.
Das Beispiel zeigt: Wechselkurse können die Aktienrendite aus Sicht eines Euro Anlegers abschwächen oder verstärken.
Die beiden Effekte dürfen nicht einfach addiert oder voneinander abgezogen werden. Mathematisch werden die Entwicklungen miteinander verknüpft.
Was bei unveränderten Aktienkursen passiert
Auch wenn sich der Aktienkurs in seiner Heimatwährung nicht verändert, kann der Wert in Euro steigen oder fallen.
Ein Beispiel:
- Aktienkurs in US Dollar: unverändert
- US Dollar steigt gegenüber dem Euro um 10 Prozent
- Wert der Aktie in Euro: vereinfacht etwa 10 Prozent höher
Fällt der Dollar um 10 Prozent, sinkt der Euro Wert entsprechend, obwohl die Aktie in Dollar unverändert geblieben ist.
Das Währungsrisiko ist damit eine zusätzliche Quelle von Schwankungen. Es kann sich positiv oder negativ auswirken.
Warum ein Welt ETF besonders vom US Dollar beeinflusst wird
Bei vielen bekannten Weltindizes stellen amerikanische Unternehmen den größten Länderanteil. Ihre Aktien werden üblicherweise in US Dollar gehandelt.
Der genaue Anteil verändert sich laufend mit:
- den Aktienkursen
- der Entwicklung der Unternehmen
- Wechselkursen
- Indexaufnahmen und Ausschlüssen
- Kapitalmaßnahmen
Ein Welt ETF ist deshalb nicht zu gleichen Teilen auf alle Länder und Währungen verteilt.
Eine hohe Gewichtung amerikanischer Unternehmen bedeutet jedoch nicht, dass deren wirtschaftliche Tätigkeit ausschließlich in den USA stattfindet. Große Konzerne erzielen häufig Umsätze auf der ganzen Welt.
Das tatsächliche wirtschaftliche Währungsrisiko eines Unternehmens ist daher komplexer als die Börsennotierung seiner Aktie.
Internationale Unternehmen bringen eigene Währungseffekte mit
Ein Unternehmen kann in den USA ansässig sein, seine Aktien in Dollar ausgeben und einen erheblichen Teil seiner Umsätze in Europa oder Asien erzielen.
Steigt der Dollar, können ausländische Umsätze nach der Umrechnung in Dollar niedriger ausfallen. Gleichzeitig können in anderen Währungen anfallende Kosten günstiger werden.
Unternehmen können Währungsrisiken außerdem selbst absichern.
Für Anleger entstehen deshalb mehrere Ebenen:
- Wechselkurs zwischen der Aktienwährung und dem Euro
- internationale Umsätze und Kosten des Unternehmens
- betriebliche Währungssicherung des Unternehmens
- mögliche Währungssicherung des ETF
Diese Zusammenhänge lassen sich nicht allein anhand des Firmensitzes beurteilen.
Was bedeutet „EUR hedged“?
Der Zusatz „EUR hedged“ weist darauf hin, dass der Fonds oder die betreffende Anteilklasse versucht, Wechselkursschwankungen gegenüber dem Euro zu reduzieren.
Dafür werden typischerweise Termingeschäfte eingesetzt.
Vereinfacht funktioniert das so:
- Der ETF hält internationale Wertpapiere.
- Gleichzeitig schließt er Gegengeschäfte auf die betreffenden Währungen ab.
- Verluste aus einer Währungsbewegung sollen durch Gewinne aus dem Sicherungsgeschäft teilweise ausgeglichen werden.
- Umgekehrt werden mögliche Währungsgewinne ebenfalls reduziert.
Eine Währungssicherung verhindert daher nicht nur Belastungen. Sie nimmt dem Anleger auch mögliche Vorteile aus einer günstigen Wechselkursentwicklung.
Warum eine Währungssicherung nicht perfekt ist
Der Wert des Portfolios verändert sich täglich. Die Sicherung wird jedoch in bestimmten Abständen angepasst.
Dadurch können Abweichungen entstehen.
Weitere Einflussfaktoren sind:
- Kosten der Sicherungsgeschäfte
- unterschiedliche Zinsniveaus der beteiligten Währungen
- Zeitpunkt der Anpassung
- Schwankungen des Fondsvermögens
- technische Umsetzung des Tarifs
- nicht vollständig abgesicherte Restpositionen
„EUR hedged“ bedeutet deshalb nicht, dass Wechselkurseinflüsse vollständig ausgeschlossen sind.
Auch das Aktienrisiko bleibt bestehen. Fällt der globale Aktienmarkt, schützt die Währungssicherung nicht vor diesem Kursverlust.
Währungsgesichert oder ungesichert: Was ist besser?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.
Die Entscheidung hängt unter anderem ab von:
- Anlagezeitraum
- Verwendungszweck des Geldes
- persönlicher Risikobereitschaft
- Umfang ausländischer Anlagen
- vorhandenen Euro Einnahmen
- geplanten Entnahmen
- Kosten des ETF
- Anlageklasse
Bei globalen Aktienanlagen werden Währungsschwankungen häufig als Teil der langfristigen Wertentwicklung akzeptiert. Wechselkurse können über lange Zeiträume in beide Richtungen wirken.
Eine Sicherung kann dagegen sinnvoll erscheinen, wenn Schwankungen gegenüber dem Euro gezielt reduziert werden sollen. Sie verursacht jedoch zusätzliche Kosten und kann mögliche Währungsgewinne begrenzen.
Die Entscheidung sollte Teil der gesamten Anlagestrategie sein und nicht von einer kurzfristigen Wechselkursprognose abhängen.
Bei Anleihen ist die Währungsfrage häufig wichtiger
Aktien und Anleihen erfüllen im Depot unterschiedliche Aufgaben.
Globale Aktien sollen meist langfristiges Wachstum ermöglichen. Kursschwankungen gehören zu dieser Anlageklasse.
Anleihen oder andere defensive Anlagen sollen dagegen häufig:
- das Depot stabilisieren
- planbare Zahlungen ermöglichen
- Liquidität für Entnahmen bereitstellen
- Schwankungen begrenzen
Ein ungesichertes Währungsrisiko kann diesen Zweck beeinträchtigen. Eine vergleichsweise stabile Fremdwährungsanleihe kann aus Sicht eines Euro Anlegers stark schwanken, wenn sich der Wechselkurs verändert.
Deshalb wird bei internationalen Anleihen häufig stärker auf eine Währungssicherung geachtet als bei globalen Aktien.
Das bedeutet nicht, dass jede Anleihe währungsgesichert sein muss. Die gewünschte Funktion im Depot sollte aber eindeutig sein.
Fondswährung wechseln löst das Problem nicht
Manche Anleger suchen gezielt nach einem ETF mit Fondswährung Euro, um das Dollar Risiko zu vermeiden.
Das funktioniert nicht, wenn der Fonds weiterhin dieselben internationalen Aktien hält und keine Währungssicherung einsetzt.
Ein ungesicherter ETF auf denselben Index besitzt im Wesentlichen dasselbe Währungsrisiko, unabhängig davon, ob seine Basiswährung Euro, Dollar oder eine andere Währung ist.
Entscheidend ist die Frage:
Ist die Anteilklasse tatsächlich gegen den Euro abgesichert?
Nur eine andere Währungsangabe im Fondsnamen genügt nicht.
Auch die ISIN allein erklärt die Absicherung nicht
Ein Fonds kann mehrere Anteilklassen besitzen. Sie investieren möglicherweise in dasselbe Portfolio, unterscheiden sich aber beispielsweise bei:
- Währungssicherung
- Ausschüttung
- Ertragsverwendung
- Kosten
- Handelswährung
- Mindestanlage
- Zielgruppe
Eine währungsgesicherte Anteilklasse hat normalerweise eine eigene ISIN.
Vor dem Kauf sollten daher Basisinformationsblatt, Verkaufsprospekt und aktuelle Fondsinformationen geprüft werden. Dort muss beschrieben sein, ob und wie eine Währungssicherung erfolgt.
Warum kurzfristige Wechselkursprognosen problematisch sind
Währungen reagieren auf zahlreiche Faktoren:
- Zinsentscheidungen
- Inflation
- wirtschaftliche Erwartungen
- Kapitalströme
- politische Risiken
- Staatsverschuldung
- geopolitische Ereignisse
- Marktstimmung
Viele dieser Informationen sind bereits in den Wechselkursen enthalten. Eine verlässliche Vorhersage für die kommenden Monate oder Jahre ist entsprechend schwierig.
Wer nach einer starken Dollarbewegung die gesamte ETF Strategie verändert, trifft möglicherweise eine kurzfristige Wette, obwohl ursprünglich langfristig investiert werden sollte.
Eine strategische Entscheidung zur Währungssicherung ist etwas anderes als der Versuch, den nächsten Wechselkursschritt vorherzusagen.
Der eigene Lebensstandard ist meist in Euro
Privatanleger in Deutschland bezahlen den größten Teil ihrer laufenden Ausgaben in Euro.
Dazu gehören:
- Wohnen
- Lebensmittel
- Versicherungen
- Steuern
- Pflege
- Freizeit
- regelmäßige Entnahmen im Ruhestand
Damit ist der Euro die persönliche Bezugswährung.
Eine internationale Geldanlage schafft zwar zusätzliche Währungsrisiken. Gleichzeitig verteilt sie das Vermögen auf Unternehmen und Wirtschaftsräume außerhalb des Euroraums.
Eine vollständige Konzentration auf Euro Anlagen würde Wechselkursrisiken reduzieren, aber andere Risiken erhöhen. Dazu zählen eine stärkere Abhängigkeit von Europa und eine geringere globale Streuung.
Was vor dem Ruhestand zusätzlich wichtig wird
Während des Vermögensaufbaus können zwischenzeitliche Währungsschwankungen häufig länger ausgehalten werden.
In der Entnahmephase sieht das anders aus. Wer regelmäßig ETF Anteile verkaufen muss, ist stärker von den aktuellen Kursen abhängig.
Fallen Aktienmärkte und Fremdwährungen gleichzeitig gegenüber dem Euro, kann die benötigte Entnahme einen größeren Anteil des Depots beanspruchen.
Für die Ruhestandsplanung sollten deshalb nicht nur Aktienquote und erwartete Rendite geprüft werden, sondern auch:
- Höhe der Euro Liquiditätsreserve
- geplante Entnahmen der nächsten Jahre
- Anteil internationaler Anlagen
- vorhandene sichere Euro Einkünfte
- mögliche Währungssicherung einzelner Depotbausteine
- Flexibilität der Ausgaben
Das gesamte Aktiendepot kurz vor dem Ruhestand gegen Währungen abzusichern ist nicht automatisch die richtige Lösung. Häufig ist eine ausreichende Liquiditätsplanung wichtiger.
Typische Fehler beim Währungsrisiko bei Welt ETF
Handelswährung mit Anlagewährung verwechseln
Ein in Euro gehandelter ETF kann weiterhin umfangreiche Dollar, Yen und Pfund Risiken enthalten.
Das Kürzel USD überbewerten
Die Fondswährung ist häufig nur die Recheneinheit des Fonds.
„EUR hedged“ als Schutz vor Kursverlusten verstehen
Die Sicherung betrifft Wechselkurse, nicht fallende Aktienkurse.
Nur den US Anteil betrachten
Unternehmen erzielen Umsätze und verursachen Kosten in vielen Ländern und Währungen.
Nach starken Währungsbewegungen hektisch wechseln
Damit wird aus einer langfristigen Anlage leicht eine kurzfristige Devisenwette.
Bei verschiedenen ETF doppelte Absicherung übersehen
Mehrere Fonds können dieselben Märkte und Währungsrisiken enthalten.
Kosten der Währungssicherung ignorieren
Sicherungsgeschäfte sind nicht kostenlos und können die Wertentwicklung beeinflussen.
Aktien und Anleihen gleich behandeln
Das Währungsrisiko kann die stabilisierende Aufgabe einer Anleihe stärker beeinträchtigen als die langfristige Funktion einer Aktienanlage.
Eine praktische Prüfung in acht Schritten
Für die Einordnung eines Welt ETF helfen folgende Fragen:
- Welchen Index bildet der ETF ab?
- In welchen Ländern und Währungen liegen die enthaltenen Aktien?
- Ist der ETF tatsächlich gegen den Euro abgesichert?
- Handelt es sich nur um eine andere Handels oder Fondswährung?
- Welche zusätzlichen Kosten entstehen durch die Absicherung?
- Welche Funktion erfüllt der ETF im Gesamtvermögen?
- Wann wird das angelegte Geld voraussichtlich benötigt?
- Welche Euro Reserven stehen für kurzfristige Ausgaben zur Verfügung?
Das Währungsrisiko bei Welt ETF ist weder grundsätzlich schlecht noch kostenloser Zusatzgewinn. Es ist ein Bestandteil einer internationalen Geldanlage.
Wer weltweit investieren möchte, kann Fremdwährungen nicht allein dadurch vermeiden, dass er den ETF in Euro kauft. Entscheidend sind die enthaltenen Anlagen und eine mögliche Währungssicherung. Statt auf den nächsten Dollar oder Euro Kurs zu wetten, sollte die Währungsfrage zur eigenen Anlagestrategie, zum Zeitraum und zur späteren Verwendung des Geldes passen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar.