Anleihen gelten häufig als ruhiger Gegenpol zu Aktien. Dennoch können auch Anleihen ETF deutlich im Wert schwanken. Ein wesentlicher Grund wird oft übersehen: Eine einzelne Anleihe besitzt normalerweise einen festen Rückzahlungstermin. Ein klassischer Anleihen ETF läuft dagegen grundsätzlich unbegrenzt weiter.
Wer zwischen Anleihen ETF oder einzelnen Anleihen entscheidet, sollte deshalb nicht nur Rendite und Kosten vergleichen. Entscheidend ist auch, wann das angelegte Kapital benötigt wird und wie planbar die Rückzahlung sein soll.
Wie eine einzelne Anleihe funktioniert
Mit dem Kauf einer Anleihe leiht der Anleger einem Staat, einem Unternehmen oder einem anderen Emittenten Kapital.
Typischerweise werden vereinbart:
- ein Nennwert
- ein fester oder variabler Zins
- eine Laufzeit
- ein Rückzahlungstermin
- eine bestimmte Rangfolge im Insolvenzfall
- eine Währung
Wird eine Anleihe zum Nennwert von 10.000 Euro gekauft und bis zur Fälligkeit gehalten, soll der Emittent am Ende grundsätzlich diese 10.000 Euro zurückzahlen. Voraussetzung ist, dass er zahlungsfähig bleibt und die Anleihebedingungen keine abweichenden Regelungen enthalten.
Während der Laufzeit schwankt der Börsenkurs trotzdem. Wer vorzeitig verkauft, kann mehr oder weniger als den Nennwert erhalten. Steigende Marktzinsen belasten üblicherweise den Kurs bereits ausgegebener Anleihen, während fallende Zinsen ihren Kurs erhöhen können. Investor.gov
Warum sich Anleihekurse bei Zinsänderungen bewegen
Angenommen, eine Anleihe zahlt einen jährlichen Zins von zwei Prozent. Kurz nach ihrer Ausgabe steigen die Marktzinsen für vergleichbare neue Anleihen auf vier Prozent.
Die alte Anleihe ist nun weniger attraktiv. Ein Käufer würde ihren vollen Nennwert kaum bezahlen, wenn er mit einer neuen Anleihe einen höheren Zins erhalten kann. Der Kurs der alten Anleihe muss deshalb tendenziell sinken.
Fallen die Marktzinsen dagegen auf ein Prozent, wird die alte Anleihe mit zwei Prozent Zins attraktiver. Ihr Kurs kann steigen.
Bei einem Verkauf vor der Fälligkeit wird dieser Kursgewinn oder Kursverlust realisiert. Hält der Anleger die Anleihe bis zur vorgesehenen Rückzahlung, nähert sich der Kurs normalerweise dem Rückzahlungswert an. Das setzt allerdings voraus, dass kein Zahlungsausfall eintritt und keine besonderen Kündigungs oder Rückzahlungsregeln greifen.
Anleihen ETF oder einzelne Anleihen: Die Fälligkeit macht den Unterschied
Ein klassischer Anleihen ETF hält nicht nur eine Anleihe, sondern je nach Index Dutzende, Hunderte oder Tausende Wertpapiere.
Diese Anleihen werden fortlaufend ausgetauscht:
- Anleihen werden fällig und zurückgezahlt.
- Neue Anleihen werden aufgenommen.
- Papiere verlassen den Index, wenn ihre Restlaufzeit zu kurz wird.
- Emittenten können aus dem Index ausscheiden.
- Indexgewichte verändern sich.
- Mittelzuflüsse und Mittelabflüsse werden verarbeitet.
Der ETF selbst hat normalerweise keinen festen Rückzahlungstermin. Er zahlt dem Anleger daher nicht an einem bestimmten Datum automatisch den ursprünglichen Anlagebetrag zurück.
Wer Kapital benötigt, verkauft seine ETF Anteile zum dann geltenden Börsenkurs. Dieser kann über oder unter dem ursprünglichen Kaufpreis liegen.
Fakt ist: Eine einzelne Anleihe hat üblicherweise einen festgelegten Fälligkeitstermin. Ein klassischer Anleihen ETF besitzt diesen Termin nicht.
Einordnung: Im ETF werden fällige oder nicht mehr passende Anleihen laufend durch andere Anleihen ersetzt. Das Laufzeitenrisiko verschwindet deshalb nicht automatisch.
Mögliche Schlussfolgerung: Für einen genau bestimmten Zahlungstermin kann eine einzelne Anleihe oder eine gezielt aufgebaute Fälligkeitsstruktur planbarer sein. Für eine dauerhafte und breit gestreute Anleihenanlage kann ein ETF einfacher umzusetzen sein.
Was die Duration aussagt
Die Duration ist ein Maß für die Zinssensitivität einer Anleihe oder eines Anleihenportfolios.
Vereinfacht gilt:
Je höher die Duration, desto stärker reagiert der Kurs auf eine Veränderung des allgemeinen Zinsniveaus.
Eine modifizierte Duration von ungefähr sieben bedeutet stark vereinfacht:
- Steigt das Marktzinsniveau um einen Prozentpunkt, kann der Kurs rechnerisch um etwa sieben Prozent fallen.
- Sinkt das Marktzinsniveau um einen Prozentpunkt, kann der Kurs rechnerisch um etwa sieben Prozent steigen.
Diese Faustformel ist nur eine Annäherung. Tatsächliche Kursbewegungen hängen unter anderem von der Form der Zinskurve, den enthaltenen Anleihen, Kreditrisiken und größeren Zinsveränderungen ab.
Die Bundesbank beschreibt die Duration ausdrücklich als Maß für das Zinsänderungsrisiko. Mit längerer Kapitalbindung wird die Wirkung von Zinsänderungen auf den Wert einer Anlage typischerweise größer. bundesbank.de
Ein Rechenbeispiel zum Zinsrisiko
Ein Anleger investiert 50.000 Euro in einen Anleihen ETF mit einer modifizierten Duration von sieben.
Steigt das maßgebliche Zinsniveau kurzfristig um einen Prozentpunkt, ergibt die vereinfachte Rechnung:
50.000 Euro × 7 Prozent = 3.500 Euro
Der rechnerische Kursverlust läge damit zunächst bei ungefähr 3.500 Euro.
Bei einem Zinsanstieg um zwei Prozentpunkte wären es vereinfacht etwa 7.000 Euro. Die tatsächliche Entwicklung kann davon abweichen.
Diese Kursverluste bedeuten nicht automatisch, dass die Anlage dauerhaft ungeeignet ist. Der ETF kann nach dem Zinsanstieg neue Anleihen mit höheren laufenden Renditen aufnehmen. Über längere Zeit können die höheren Erträge einen Teil der anfänglichen Verluste ausgleichen.
Wer das Kapital jedoch kurzfristig benötigt und verkaufen muss, hat möglicherweise nicht genügend Zeit für diesen Ausgleich.
Warum eine niedrige Kostenquote wenig über das Risiko sagt
Bei ETF Vergleichen steht häufig die laufende Kostenquote im Mittelpunkt. Sie ist wichtig, erklärt aber nur einen kleinen Teil des Produkts.
Zwei Anleihen ETF mit ähnlichen Kosten können sich erheblich unterscheiden:
| Merkmal | ETF A | ETF B |
|---|---|---|
| Schwerpunkt | kurz laufende Staatsanleihen | lang laufende Staatsanleihen |
| Duration | niedrig | hoch |
| Zinsänderungsrisiko | vergleichsweise gering | deutlich höher |
| Erwartbare Kursschwankung | eher niedrig | höher |
| Kreditrisiko | abhängig von Emittenten | abhängig von Emittenten |
| Eignung für baldige Ausgaben | eher prüfenswert | häufig problematischer |
Ein ETF mit 0,10 Prozent laufenden Kosten kann für ein bestimmtes Ziel ungeeigneter sein als ein Fonds mit 0,20 Prozent Kosten, wenn seine Laufzeiten, Bonitäten oder Währungsrisiken nicht zur Planung passen.
Die Rendite bis zur Fälligkeit richtig einordnen
Bei Anleihen ETF wird häufig die Rendite bis zur Fälligkeit des Portfolios ausgewiesen. Auf Englisch heißt sie Yield to Maturity.
Diese Kennzahl wird aus den im Fonds enthaltenen Anleihen berechnet. Sie kann eine Orientierung zur aktuellen Verzinsung des Portfolios geben.
Sie ist aber keine garantierte persönliche Rendite.
Das Ergebnis des Anlegers wird zusätzlich beeinflusst durch:
- Veränderungen des Marktzinses
- Ausfälle und Bonitätsveränderungen
- Austausch von Anleihen
- Fondskosten
- Handelskosten
- Wechselkurse
- Quellensteuern
- Zeitpunkt von Kauf und Verkauf
- Ausschüttungen oder Wiederanlage
- Veränderungen der Risikoaufschläge
Vor allem darf die angegebene Portfoliorendite nicht mit einem festen Sparzins verwechselt werden.
Einzelne Anleihen bieten Planbarkeit, aber keine Sicherheit
Der feste Fälligkeitstermin einer einzelnen Anleihe ist ein Vorteil, wenn zu diesem Termin eine bestimmte Zahlung benötigt wird.
Er beseitigt jedoch nicht die übrigen Risiken.
Ausfallrisiko
Der Emittent kann Zinsen oder den Nennwert nicht vollständig zahlen. Eine höhere angebotene Rendite ist häufig eine Vergütung für ein höheres Kreditrisiko.
Konzentrationsrisiko
Wer nur eine oder wenige Anleihen hält, ist stärker von einzelnen Emittenten abhängig.
Liquiditätsrisiko
Nicht jede Anleihe lässt sich jederzeit zu einem angemessenen Preis verkaufen. Bei kleineren Emissionen können die Unterschiede zwischen Kauf und Verkaufspreis erheblich sein.
Kündigungsrisiko
Manche Anleihen dürfen vom Emittenten vorzeitig zurückgezahlt werden. Gerade bei fallenden Zinsen kann dies für Anleger nachteilig sein.
Nachrangrisiko
Nachrangige Anleihen werden im Insolvenzfall erst nach vorrangigen Gläubigern bedient. Sie können deshalb wesentlich riskanter sein als gewöhnliche erstrangige Anleihen desselben Unternehmens.
Währungsrisiko
Eine Anleihe in US Dollar, Pfund oder einer anderen Fremdwährung kann aus Sicht eines Euro Anlegers trotz vollständiger Rückzahlung in ihrer Heimatwährung einen Verlust verursachen.
Der ETF verteilt das Ausfallrisiko
Ein wichtiger Vorteil eines breit gestreuten Anleihen ETF ist die Verteilung auf viele Emittenten und Wertpapiere.
Der Ausfall einer einzelnen Anleihe trifft dann nur einen Teil des Portfolios. Wie stark die Streuung tatsächlich ist, hängt jedoch vom Index ab.
Ein ETF kann beispielsweise stark konzentriert sein auf:
- einen einzelnen Staat
- eine bestimmte Region
- Banken
- hoch verschuldete Unternehmen
- Anleihen mit niedriger Bonität
- sehr lange Laufzeiten
- eine Fremdwährung
Eine große Zahl von Anleihen bedeutet daher nicht automatisch eine ausgewogene Risikostreuung.
Staatsanleihen sind nicht automatisch risikofrei
Bei Staatsanleihen kommt es auf den konkreten Staat, seine Finanzkraft, die Währung und die Laufzeit an.
Mögliche Risiken sind:
- steigende Marktzinsen
- hohe Inflation
- Verschlechterung der Kreditwürdigkeit
- Umschuldungen
- politische Eingriffe
- Wechselkursverluste
- geringe Marktliquidität
- Konzentration auf ein Land
Auch ein ETF mit dem Begriff „Staatsanleihen“ kann deutlich schwanken, wenn er lang laufende Papiere hält. Eine gute Bonität schützt nicht vor Kursverlusten infolge steigender Zinsen.
Unternehmensanleihen enthalten mehrere Risikobausteine
Bei Unternehmensanleihen wirkt nicht nur der allgemeine Marktzins.
Hinzu kommt der Kreditaufschlag. Er beschreibt vereinfacht die zusätzliche Rendite, die Anleger gegenüber einer als besonders sicher betrachteten Vergleichsanlage verlangen.
Verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens oder steigt die allgemeine Risikoaversion, können diese Aufschläge zunehmen. Der Anleihekurs kann dann fallen, selbst wenn sich der Leitzins kaum verändert.
Anleger tragen somit mindestens:
- Zinsänderungsrisiko
- Bonitätsrisiko
- Ausfallrisiko
- Liquiditätsrisiko
- gegebenenfalls Währungsrisiko
Bei Hochzinsanleihen sind Kredit und Ausfallrisiken besonders wichtig. Die höhere laufende Rendite ist kein Geschenk, sondern steht regelmäßig einem höheren Risiko gegenüber. Investor.gov weist darauf hin, dass Unternehmen Zins oder Kapital möglicherweise nicht termingerecht zahlen können. Investor.gov
Was ein Laufzeiten ETF leistet
Ein ETF mit einem bestimmten Laufzeitenbereich hält beispielsweise Anleihen mit:
- null bis drei Jahren Restlaufzeit
- drei bis fünf Jahren Restlaufzeit
- sieben bis zehn Jahren Restlaufzeit
- mehr als 15 Jahren Restlaufzeit
Diese Angaben beschreiben die Anleihen im Portfolio. Sie bestimmen nicht die Laufzeit des ETF selbst.
Ein ETF auf Anleihen mit sieben bis zehn Jahren Restlaufzeit verkauft normalerweise Papiere, sobald sie die Untergrenze des Indexbereichs erreichen. Danach werden länger laufende Anleihen aufgenommen.
Der Fonds nähert sich deshalb nicht gemeinsam einem festen Rückzahlungstermin. Seine Laufzeitenstruktur wird laufend erneuert.
Genau hier liegt der Unterschied zu einer einzelnen Anleihe, deren verbleibende Laufzeit mit jedem Tag abnimmt.
Eine Anleihenleiter als Alternative
Wer zu verschiedenen Terminen Kapital benötigt, kann einzelne Anleihen mit gestaffelten Fälligkeiten kombinieren. Diese Struktur wird als Anleihenleiter bezeichnet.
Ein vereinfachtes Beispiel:
| Fälligkeit | Geplanter Rückzahlungsbetrag |
|---|---|
| Jahr 1 | 10.000 Euro |
| Jahr 2 | 10.000 Euro |
| Jahr 3 | 10.000 Euro |
| Jahr 4 | 10.000 Euro |
| Jahr 5 | 10.000 Euro |
Die Rückzahlungen können für geplante Ausgaben genutzt oder erneut angelegt werden.
Mögliche Vorteile:
- bekannte Fälligkeitstermine
- planbare nominale Rückzahlungen
- weniger Abhängigkeit von einem einzigen Wiederanlagezeitpunkt
- Abstimmung auf konkrete Ausgaben
Mögliche Nachteile:
- höherer Auswahl und Verwaltungsaufwand
- ausreichende Streuung benötigt mehr Kapital
- Transaktionskosten und Geld Brief Spannen
- Prüfung der Emittenten erforderlich
- Wiederanlagerisiko nach jeder Fälligkeit
- keine Garantie bei Zahlungsausfall
Eine Anleihenleiter ist daher kein Selbstläufer. Sie muss zu Zahlungsplan, Vermögen und Risikotragfähigkeit passen.
Laufzeit ETF mit festem Endjahr
Neben klassischen Anleihen ETF gibt es Produkte mit einem vorgesehenen Endjahr. Sie werden teilweise als Laufzeit ETF oder Target Maturity ETF bezeichnet.
Ein solcher Fonds investiert überwiegend in Anleihen, die in einem bestimmten Zeitraum fällig werden. Zum vorgesehenen Ende wird der Fonds nach den Produktbedingungen abgewickelt und das verbleibende Vermögen an die Anleger ausgezahlt.
Damit nähert sich die Konstruktion eher einer Anleihenleiter an. Sie verbindet Streuung mit einem geplanten Endzeitpunkt.
Trotzdem besteht keine Garantie für einen bestimmten Rückzahlungsbetrag. Das Ergebnis hängt unter anderem ab von:
- Ausfällen
- Verkaufspreisen während der Abwicklung
- Fondskosten
- Wiederanlage zwischenzeitlicher Zahlungen
- Wechselkursen
- Zusammensetzung des Fonds
- konkreten Abwicklungsbedingungen
Das Endjahr allein macht aus dem ETF kein Festgeld.
Ausschüttend oder thesaurierend löst die Fälligkeitsfrage nicht
Ein ausschüttender Anleihen ETF zahlt Erträge regelmäßig an die Anleger aus. Ein thesaurierender ETF legt sie innerhalb des Fonds wieder an.
Diese Entscheidung betrifft die Verwendung der Erträge. Sie ändert nicht das grundlegende Laufzeitenrisiko.
Auch ein ausschüttender Anleihen ETF hat normalerweise keinen festen Rückzahlungstermin. Und auch ein thesaurierender ETF kann verkauft werden, wenn Kapital benötigt wird.
Für die Risikobeurteilung sind daher andere Fragen wichtiger:
- Welche Anleihen enthält der Fonds?
- Wie hoch ist die Duration?
- Welche Bonitäten sind vertreten?
- Welche Währungen bestehen?
- Wie breit ist das Portfolio gestreut?
- Wann wird das Kapital benötigt?
Welche Lösung passt zu einem festen Zahlungstermin?
Wer in drei Jahren sicher einen bestimmten Eurobetrag benötigt, sollte das Anlageziel von diesem Termin aus betrachten.
Ein breit gestreuter Anleihen ETF kann in drei Jahren höher oder niedriger stehen. Je länger seine Duration, desto stärker kann das Ergebnis von zwischenzeitlichen Zinsbewegungen beeinflusst werden.
Prüfbare Alternativen können je nach Situation sein:
- eine passende einzelne Anleihe
- mehrere gestaffelte Anleihen
- ein Laufzeit ETF mit geeignetem Endjahr
- Festgeld mit passender Fälligkeit
- kurzfristige, bonitätsstarke Anlagen
- eine Kombination verschiedener Lösungen
Dabei sind Einlagensicherung, Emittentenrisiko, Kosten, Steuern und Verfügbarkeit getrennt zu prüfen.
Welche Lösung passt für einen dauerhaften Depotbaustein?
Soll ein Anleihenanteil dauerhaft das Gesamtdepot stabilisieren, kann ein klassischer Anleihen ETF praktische Vorteile bieten:
- breite Streuung
- laufende Wiederanlage
- geringer Verwaltungsaufwand
- einfache Handelbarkeit
- transparente Indexregeln
- kleine Anlagebeträge möglich
Entscheidend ist dann, welche Aufgabe der Fonds erfüllen soll.
Ein defensiver Depotbaustein benötigt möglicherweise:
- kurze oder mittlere Laufzeiten
- hohe durchschnittliche Bonität
- eine zum Anleger passende Währung
- begrenzte Kursschwankungen
- nachvollziehbare Indexregeln
- angemessene Kosten
Ein Fonds mit langen Laufzeiten oder niedriger Bonität kann zwar höhere Renditechancen bieten, aber gerade die gewünschte Stabilisierungsfunktion beeinträchtigen.
Typische Fehler bei Anleihen ETF und einzelnen Anleihen
Einen ETF wie eine fällige Anleihe behandeln
Ein klassischer Anleihen ETF zahlt nicht zu einem festen Termin automatisch den ursprünglichen Anlagebetrag zurück.
Nur auf die Ausschüttungsrendite schauen
Eine hohe Ausschüttung kann mit Kursverlusten, hohem Kreditrisiko oder langen Laufzeiten verbunden sein.
Duration und Laufzeit verwechseln
Die durchschnittliche Restlaufzeit und die Zinssensitivität sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.
Staatsanleihen mit Wertstabilität gleichsetzen
Auch hochwertige Staatsanleihen können bei steigenden Zinsen deutlich im Kurs fallen.
Die Rendite bis zur Fälligkeit als Garantie lesen
Bei einem ETF ist sie eine Portfoliokennzahl, keine zugesagte persönliche Rendite.
Nur eine Unternehmensanleihe kaufen
Eine einzelne Insolvenz kann einen großen Teil des eingesetzten Kapitals gefährden.
Fremdwährungen übersehen
Eine hohe Verzinsung kann durch einen ungünstigen Wechselkurs mehr als aufgezehrt werden.
Geld für einen festen Termin zu lange anlegen
Lange Duration und kurzer persönlicher Anlagezeitraum passen häufig nicht zusammen.
Anleihen grundsätzlich für sicher halten
Zins, Kredit, Liquiditäts und Währungsrisiken bleiben bestehen.
Eine praktische Prüfung in zehn Schritten
Vor dem Kauf sollten Sie folgende Fragen beantworten können:
- Wann wird das Kapital voraussichtlich benötigt?
- Ist ein bestimmter Rückzahlungsbetrag zu einem festen Termin erforderlich?
- Welche Duration besitzt die Anlage?
- Wie würde sie auf einen Zinsanstieg um einen Prozentpunkt reagieren?
- Welche Staaten oder Unternehmen schulden das Kapital?
- Wie hoch ist deren Bonität?
- Wie breit ist das Ausfallrisiko verteilt?
- Besteht ein Währungsrisiko?
- Welche Kosten entstehen bei Kauf, Haltung und Verkauf?
- Welche Aufgabe soll die Anlage im Gesamtvermögen erfüllen?
Die Entscheidung zwischen Anleihen ETF oder einzelnen Anleihen ist keine reine Kostenfrage.
Eine einzelne Anleihe kann einen konkreten Zahlungstermin besser abbilden. Dafür trägt der Anleger ein konzentrierteres Emittentenrisiko und muss Auswahl, Kauf und Fälligkeit selbst organisieren. Ein Anleihen ETF bietet eine breite Streuung und laufende Verwaltung, besitzt aber normalerweise keinen festen Rückzahlungstermin.
Entscheidend ist deshalb nicht, welche Variante allgemein besser ist. Entscheidend ist, ob die Laufzeitenstruktur zum persönlichen Zahlungsplan passt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar.