ETF gelten vielen Anlegern als einfache und kostengünstige Indexfonds. Doch inzwischen werden zunehmend Produkte angeboten, bei denen ein Fondsmanagement die Wertpapiere aktiv auswählt.
Aktive ETFs verbinden die Handelbarkeit eines ETF mit einer aktiven Anlagestrategie. Das eröffnet neue Möglichkeiten, verlangt aber eine genauere Prüfung. Denn ein börsengehandelter Fonds ist nicht automatisch passiv, preiswert oder breit gestreut.
ETF beschreibt zunächst die Fondsstruktur
ETF steht für Exchange Traded Fund, also börsengehandelter Fonds.
Anleger können die Anteile während der Börsenzeiten kaufen und verkaufen. Der Börsenkurs entsteht dabei aus Angebot, Nachfrage und dem Wert der im Fonds enthaltenen Anlagen.
Ein passiver ETF versucht, einen Index möglichst genau abzubilden. Welche Wertpapiere gekauft werden, bestimmen die Regeln des Index.
Bei einem aktiven ETF erhält das Fondsmanagement dagegen einen Entscheidungsspielraum. Es kann einzelne Wertpapiere auswählen, deren Gewicht verändern oder bestimmte Anlagen vollständig meiden.
Die Europäische Wertpapieraufsicht ESMA definiert einen aktiv verwalteten Fonds entsprechend als Fonds, bei dem das Management innerhalb der festgelegten Anlageziele über die Zusammensetzung entscheiden kann. Ein Referenzindex darf trotzdem verwendet werden. esma.europa.eu
Aktive ETFs und passive ETFs im Vergleich
| Merkmal | Passiver ETF | Aktiver ETF |
|---|---|---|
| Anlageentscheidung | folgt festen Indexregeln | Fondsmanagement entscheidet |
| Anlageziel | Index möglichst genau abbilden | Benchmark übertreffen oder anderes Anlageziel erreichen |
| Abweichung vom Vergleichsindex | normalerweise gering | je nach Strategie gering bis deutlich |
| Managementrisiko | vor allem Index und Umsetzungsrisiko | zusätzlich Risiko falscher Managemententscheidungen |
| Kosten | häufig vergleichsweise niedrig | häufig höher, aber vom Produkt abhängig |
| Börsenhandel | während der Handelszeiten | während der Handelszeiten |
| Erfolgskriterium | möglichst geringe Abweichung vom Index | Ergebnis nach Kosten und im Verhältnis zum Risiko |
Die Deutsche Börse beschreibt aktive ETF als börsengehandelte Fonds mit aktiver Strategie. Diese kann beispielsweise darauf ausgerichtet sein, einen Referenzindex zu übertreffen oder nur mit einer veränderlichen Beteiligung an dessen Entwicklung teilzunehmen. cashmarket.deutsche-boerse.com
Nicht jeder komplizierte Index ist aktiv
Die Grenze zwischen aktiv und passiv wirkt auf den ersten Blick eindeutig. In der Praxis kann sie verwischen.
Ein sogenannter Faktor ETF kann Unternehmen nach Merkmalen wie Bewertung, Unternehmensgröße, Qualität oder Kursdynamik auswählen. Solange der ETF dabei einen vorab festgelegten Index nachbildet, wird er grundsätzlich passiv verwaltet.
Das gilt auch dann, wenn die Indexregeln sehr komplex sind.
Umgekehrt kann ein aktiver ETF eng an einem Vergleichsindex ausgerichtet sein. Das Fondsmanagement darf dann Entscheidungen treffen, weicht aber möglicherweise nur begrenzt vom Index ab.
Der Produktname allein zeigt deshalb nicht, wie stark tatsächlich ausgewählt wird.
Wie aktiv ist ein aktiver ETF wirklich?
Die ESMA verlangt bei aktiv verwalteten Fonds mit Benchmark eine Beschreibung, wie groß der Handlungsspielraum gegenüber dieser Benchmark ist. Dabei können unter anderem das Anlageuniversum, zulässige Abweichungen und Risikogrenzen eine Rolle spielen. Eine exakte Kennzahl ist allerdings nicht immer vorgeschrieben. esma.europa.eu
Zwei Begriffe können bei der Beurteilung helfen.
Tracking Error
Der Tracking Error beschreibt, wie stark die Wertentwicklung des Fonds normalerweise von seiner Benchmark abweicht.
Ein niedriger Wert deutet auf eine enge Orientierung hin. Ein höherer Wert spricht für größere Abweichungsmöglichkeiten.
Die Kennzahl sagt jedoch nicht, ob diese Abweichungen erfolgreich sein werden.
Active Share
Der Active Share soll zeigen, wie stark sich die Zusammensetzung eines Fonds von seinem Vergleichsindex unterscheidet.
Ein hoher Wert bedeutet, dass das Portfolio deutlich anders aufgebaut ist. Auch daraus ergibt sich keine Garantie für eine bessere Rendite. Er zeigt zunächst nur, dass das Management tatsächlich andere Positionen oder Gewichtungen gewählt hat.
Fehlen beide Kennzahlen, sollte die Beschreibung der Anlagestrategie besonders sorgfältig gelesen werden.
Welche Chancen aktive ETFs bieten können
Ein aktives Management ist nicht automatisch besser. Es kann aber Möglichkeiten nutzen, die ein starrer Index nicht besitzt.
Schwache Unternehmen meiden
Ein Index nimmt Wertpapiere nach seinen festgelegten Regeln auf. Ein aktives Management kann dagegen Unternehmen ausschließen, wenn es deren Geschäftsmodell, Verschuldung oder Bewertung kritisch beurteilt.
Ob diese Einschätzung richtig ist, zeigt sich allerdings erst später.
Auf besondere Marktsegmente reagieren
In weniger transparenten Märkten kann eine eingehende Analyse möglicherweise einen größeren Unterschied machen als bei sehr bekannten Großunternehmen.
Das kann beispielsweise für bestimmte Anleihemärkte, kleinere Unternehmen oder spezialisierte Branchen gelten.
Risiken gezielt steuern
Ein aktiver ETF kann versuchen, einzelne Branchen, Emittenten oder besonders stark gewichtete Unternehmen zu begrenzen.
Damit lässt sich ein Konzentrationsrisiko reduzieren. Gleichzeitig entsteht das Risiko, dass gerade die gemiedenen Anlagen besonders gut abschneiden.
Neue Informationen berücksichtigen
Ein Index wird nach seinen festen Regeln und Anpassungsterminen verändert. Ein Fondsmanagement kann grundsätzlich schneller auf Unternehmensnachrichten, veränderte Kreditrisiken oder neue Marktbedingungen reagieren.
Schnelleres Handeln bedeutet aber nicht zwangsläufig eine bessere Entscheidung.
Die entscheidende Hürde sind die Kosten
Jede zusätzliche Analyse, Auswahl und Umschichtung verursacht Aufwand.
Zu prüfen sind insbesondere:
- laufende Fondskosten
- Transaktionskosten im Fonds
- mögliche erfolgsabhängige Vergütungen
- Geld Brief Spanne beim Börsenhandel
- Kosten des Depots und der Order
- mögliche steuerliche Folgen von Umschichtungen
Die laufenden Kosten eines aktiven ETF können niedriger sein als bei einem klassischen aktiven Publikumsfonds. Sie können aber deutlich über den Kosten eines einfachen Index ETF liegen.
Entscheidend ist nicht, welcher Fonds die niedrigste ausgewiesene Kostenquote besitzt. Die Strategie muss nach sämtlichen Kosten einen ausreichenden Mehrwert erzielen.
Die ESMA weist in ihrem im März 2026 veröffentlichten Bericht erneut darauf hin, dass Kosten und Produktauswahl die Ergebnisse privater Anleger wesentlich beeinflussen. Kostenrückgänge bei europäischen Publikumsfonds wurden zuletzt vor allem durch neu aufgelegte, günstigere Fonds getragen. esma.europa.eu
Fakt ist: Aktives Management verursacht einen zusätzlichen Entscheidungs und Analyseaufwand.
Einordnung: Höhere Kosten können gerechtfertigt sein, wenn die Strategie nach Kosten einen nachvollziehbaren Mehrwert liefert.
Mögliche Schlussfolgerung: Ein aktiver ETF sollte nicht nur mit anderen aktiven Produkten, sondern auch mit einer einfachen passiven Alternative verglichen werden.
Vergleichen Sie die richtige Benchmark
Ein Fonds kann eine positive Rendite erzielen und trotzdem sein Anlageziel verfehlen.
Steigt ein aktiver Aktien ETF innerhalb eines Jahres um acht Prozent, klingt das zunächst erfreulich. Hat ein sinnvoller Vergleichsindex im selben Zeitraum zwölf Prozent erreicht, blieb der Fonds jedoch zurück.
Ein fairer Vergleich benötigt:
- dieselbe Anlageklasse
- eine vergleichbare Region
- ein ähnliches Risikoprofil
- dieselbe Währungsperspektive
- einen vergleichbaren Zeitraum
- Wertentwicklungen nach Kosten
- eine Benchmark mit wiederangelegten Erträgen
Ein Kursindex ohne Dividenden ist kein geeigneter Vergleich für einen Fonds, der Dividendenerträge wieder anlegt.
Auch ein einzelnes gutes Jahr sagt wenig aus. Eine aktive Strategie sollte möglichst über unterschiedliche Marktphasen betrachtet werden.
Vergangene Erfolge sind schwer fortzuschreiben
Eine gute bisherige Wertentwicklung kann auf mehreren Ursachen beruhen:
- erfolgreiche Wertpapierauswahl
- günstige Branchengewichtung
- höhere Risiken
- ein bestimmter Anlagestil
- Währungseffekte
- wenige besonders erfolgreiche Positionen
- Zufall
Zudem kann sich das Fondsmanagement ändern. Die beworbene bisherige Leistung stammt dann möglicherweise ganz oder teilweise von anderen Personen.
Bei einem neu aufgelegten aktiven ETF fehlt häufig eine aussagekräftige Produkthistorie. Eine ältere Strategie desselben Anbieters kann Hinweise geben, ist aber kein Beleg dafür, dass der neue Fonds identische Ergebnisse erzielt.
Aktive ETFs können eigene Risiken mitbringen
Managementrisiko
Das Fondsmanagement kann Entwicklungen falsch einschätzen, zu früh verkaufen oder an schwachen Positionen festhalten.
Konzentrationsrisiko
Ein Fonds mit wenigen ausgewählten Unternehmen kann stärker schwanken als ein breit gestreuter Marktindex.
Stilrisiko
Eine Strategie kann über Jahre schlechter als der Gesamtmarkt abschneiden. Das gilt beispielsweise, wenn bevorzugte Unternehmensarten zeitweise wenig gefragt sind.
Personenrisiko
Verlässt ein prägender Fondsmanager das Unternehmen, kann sich die Umsetzung der Strategie verändern.
Umschichtungsrisiko
Häufiges Kaufen und Verkaufen verursacht Kosten und kann die Strategie anfälliger für kurzfristige Fehlentscheidungen machen.
Schließungsrisiko
Bleibt das Fondsvolumen klein, kann der Anbieter den ETF später verschmelzen oder schließen. Das bedeutet nicht automatisch einen Vermögensverlust, kann aber einen ungeplanten Verkauf und eine notwendige Wiederanlage auslösen.
Liquiditätsrisiko
Ein kleiner oder wenig gehandelter ETF kann an der Börse eine größere Geld Brief Spanne aufweisen. Für Anleger wird der Kauf oder Verkauf dadurch möglicherweise teurer.
Ein aktiver ETF ist kein Schutz vor Kursverlusten
Das Fondsmanagement kann Risiken steuern, aber Verluste nicht ausschließen.
Ein aktiv verwalteter Aktien ETF bleibt eine Aktienanlage. Fallen die Kurse der enthaltenen Unternehmen, kann auch der Fonds deutlich an Wert verlieren.
Selbst wenn der Fonds seinen Vergleichsindex übertrifft, kann das Ergebnis negativ sein. Ein Verlust von zehn Prozent ist besser als ein Indexverlust von fünfzehn Prozent, bleibt für den Anleger aber ein Verlust.
Auch die Handelbarkeit über die Börse ändert daran nichts.
Was im Basisinformationsblatt stehen muss
Das Basisinformationsblatt soll Privatanlegern wesentliche Angaben zu Funktionsweise, Risiken, Kosten, möglichen Ergebnissen und empfohlener Haltedauer liefern. Die europäische PRIIPs Verordnung verlangt dabei unter anderem eine zusammengefasste Darstellung der direkten und indirekten Kosten. EUR-Lex
Bei einem aktiven ETF sollten Sie zusätzlich im Verkaufsprospekt und in den Fondsinformationen nach folgenden Angaben suchen:
- Welches Anlageziel verfolgt der Fonds?
- Nutzt er einen Vergleichsindex?
- Wie stark darf er davon abweichen?
- Welche Wertpapiere darf das Management kaufen?
- Gibt es Grenzen für Länder, Branchen oder einzelne Emittenten?
- Können Derivate eingesetzt werden?
- Wie hoch sind laufende und erfolgsabhängige Kosten?
- Wie häufig wird das Portfolio umgeschichtet?
- Wer trifft die Anlageentscheidungen?
- Wie wird der Erfolg der Strategie gemessen?
Wann aktive ETFs interessant sein können
Ein aktiver ETF kann als Ergänzung infrage kommen, wenn:
- die Strategie klar verständlich ist
- das Management einen nachvollziehbaren Ansatz verfolgt
- das Anlageuniversum Chancen für aktive Auswahl bietet
- die Kosten im Verhältnis zur Leistung stehen
- die Abweichung vom Vergleichsindex gewollt ist
- der Fonds in die bestehende Vermögensstruktur passt
- der Anleger längere Phasen schwächerer Ergebnisse aushalten kann
Für eine einfache, breit gestreute Basisanlage kann ein kostengünstiger passiver ETF weiterhin die verständlichere Lösung sein.
Ein aktiver ETF sollte nicht gekauft werden, nur weil sein Name modern klingt oder eine kurzfristig starke Wertentwicklung beworben wird.
Typische Fehler bei aktiven ETFs
ETF automatisch mit passiv gleichsetzen
Die Börsenhandelbarkeit sagt nichts darüber aus, wer die Wertpapiere auswählt.
Nur auf die Kostenquote schauen
Transaktionskosten, Spreads und mögliche erfolgsabhängige Vergütungen können zusätzlich relevant sein.
Eine positive Rendite mit Erfolg verwechseln
Entscheidend ist auch, wie sich der Fonds im Verhältnis zu einer passenden Benchmark und seinem Risiko entwickelt hat.
Einen kurzen Zeitraum überbewerten
Ein oder zwei gute Jahre reichen nicht aus, um die Qualität einer langfristigen Strategie einzuschätzen.
Den Fondsmanager ignorieren
Bei einer aktiven Strategie sind Personen, Prozesse und Vertretungsregelungen wichtiger als bei einer reinen Indexnachbildung.
Unbemerkt ähnliche Fonds kombinieren
Ein aktiver ETF und ein vorhandener Welt ETF können dieselben großen Unternehmen enthalten. Die vermeintliche Ergänzung erhöht dann möglicherweise nur bestehende Schwerpunkte.
Den Begriff „aktiv“ mit Krisenschutz verbinden
Auch ein aktives Management kann einen Kurseinbruch falsch einschätzen oder zu spät reagieren.
Eine praktische Prüfung in acht Schritten
Vor dem Kauf eines aktiven ETF sollten Sie diese Fragen beantworten können:
- Welche Aufgabe soll der Fonds im Depot übernehmen?
- Worin besteht die konkrete aktive Entscheidung?
- Welche Benchmark ist für den Vergleich geeignet?
- Wie stark darf der Fonds von ihr abweichen?
- Welche Gesamtkosten entstehen?
- Welche zusätzlichen Risiken geht die Strategie ein?
- Besitzt das Management einen nachvollziehbaren Prozess?
- Welche einfache passive Alternative steht zur Verfügung?
Aktive ETFs erweitern die Auswahl zwischen passiver Indexanlage und klassischem Fondsmanagement. Sie verbinden den Börsenhandel eines ETF mit den Entscheidungen eines Fondsmanagements.
Der Begriff allein ist jedoch kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend bleibt, was im Fonds tatsächlich geschieht, wie viel Freiheit das Management besitzt und ob ein möglicher Mehrwert nach Kosten und Risiken übrig bleibt. Wer diese Punkte nicht nachvollziehen kann, sollte sich nicht von der ETF Bezeichnung oder einer kurzen Erfolgsgeschichte überzeugen lassen.
Stand: 20. Oktober 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar.