ETF Sparplan im Börsencrash: Pausieren, erhöhen oder einfach weiterlaufen lassen?

6. Oktober 2026 in Investmentfonds, Vermögensanlage

Wenn die Börsenkurse deutlich fallen, wirkt ein laufender ETF Sparplan plötzlich wie eine schlechte Idee. Der Depotwert sinkt, die Nachrichten werden düster und jede weitere Ausführung scheint neues Kapital einem unsicheren Markt auszusetzen.

Ob Sie einen ETF Sparplan im Börsencrash weiterlaufen lassen sollten, hängt jedoch nicht von der nächsten Kursprognose ab. Entscheidend sind Anlageziel, Zeitraum, Liquiditätsreserve und die Frage, ob die gewählte Aktienquote noch zu Ihrer persönlichen Situation passt.

Warum fallende Kurse beim Sparplan anders wirken

Ein ETF Sparplan investiert regelmäßig einen festen Betrag. Bei hohen Kursen werden weniger Fondsanteile gekauft, bei niedrigeren Kursen entsprechend mehr.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Monat Sparrate Preis je Anteil Gekaufte Anteile
Januar 300 Euro 100 Euro 3,00
Februar 300 Euro 75 Euro 4,00
März 300 Euro 60 Euro 5,00
April 300 Euro 80 Euro 3,75
Gesamt 1.200 Euro 15,75

Der durchschnittliche Kaufpreis beträgt in diesem Beispiel rund 76,19 Euro je Anteil.

Die amerikanische Anlegerbehörde Investor.gov beschreibt dieses Vorgehen als regelmäßiges Investieren gleicher Beträge unabhängig von den Schwankungen des Marktes. Investor.gov

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Sparplan Verluste verhindert. Wenn der Kurs weiter fällt, liegt auch der durchschnittliche Einstandspreis zunächst über dem aktuellen Marktwert.

ETF Sparplan im Börsencrash: Der Durchschnittspreis ist keine Garantie

Der sogenannte Durchschnittskosteneffekt wird häufig überschätzt.

Er sorgt dafür, dass zu unterschiedlichen Kursen gekauft wird. Er garantiert aber weder:

  • einen Gewinn
  • eine schnelle Erholung
  • einen besonders günstigen Durchschnittspreis
  • Schutz vor einem jahrelangen Kursrückgang
  • die Eignung des ausgewählten ETF
  • einen ausreichenden Anlagezeitraum

Wer über viele Jahre regelmäßig investiert, muss keinen einzelnen Einstiegszeitpunkt festlegen. Das kann das Risiko reduzieren, das gesamte Kapital unmittelbar vor einem deutlichen Rückgang anzulegen.

Ob der Sparplan am Ende erfolgreich ist, hängt aber weiterhin von der Wertentwicklung der enthaltenen Anlagen ab.

Fakt ist: Bei fallenden Kursen kauft eine unveränderte Sparrate mehr ETF Anteile.

Einordnung: Mehr Anteile sind nur dann vorteilhaft, wenn sich ihr Wert später ausreichend entwickelt.

Mögliche Schlussfolgerung: Ein Kursrückgang ist kein automatisches Kaufsignal. Er ist zunächst ein Test dafür, ob Anlageziel, Zeitraum und Risikobereitschaft tatsächlich zusammenpassen.

Warum das Depot trotz weiterer Käufe fallen kann

Während eines starken Kursrückgangs ist der bereits aufgebaute Depotbestand häufig deutlich größer als die monatliche Sparrate.

Ein Beispiel:

  • vorhandener Depotwert vor dem Rückgang: 60.000 Euro
  • monatliche Sparrate: 500 Euro
  • Kursverlust: 25 Prozent
  • rechnerischer Rückgang des bisherigen Bestands: 15.000 Euro

Die nächste Sparrate von 500 Euro kauft zwar günstiger ein. Sie kann den Verlust des vorhandenen Depots aber nicht annähernd ausgleichen.

Das erklärt, warum Anleger trotz konsequentem Weiterinvestieren zunächst immer höhere Verluste sehen können. Der günstige Kauf weiterer Anteile und der sinkende Wert des Altbestands wirken gleichzeitig.

Je größer das Depot im Verhältnis zur Sparrate ist, desto geringer ist der kurzfristige Einfluss einer einzelnen Sparplanausführung.

Wann das Weiterlaufen grundsätzlich nachvollziehbar ist

Ein bestehender ETF Sparplan kann trotz fallender Kurse weiter zur ursprünglichen Strategie passen, wenn:

  • das Kapital langfristig angelegt werden soll
  • das Anlageziel unverändert besteht
  • eine ausreichende Liquiditätsreserve vorhanden ist
  • kurzfristig keine größere Auszahlung geplant ist
  • die Sparrate dauerhaft tragbar bleibt
  • der ETF breit gestreut und sachgerecht ausgewählt wurde
  • die Aktienquote zur persönlichen Risikofähigkeit passt
  • die Kursschwankung bereits bei der Planung berücksichtigt wurde

Ein Börsenrückgang verändert nicht automatisch die Qualität einer langfristigen Strategie.

Er kann aber sichtbar machen, dass das persönliche Verlustrisiko vorher unterschätzt wurde.

Wann eine Pause sinnvoll sein kann

Einen Sparplan zu pausieren, ist nicht grundsätzlich falsch. Entscheidend ist der Grund.

Eine Pause kann sachlich begründet sein, wenn:

  • das Einkommen wegfällt oder unsicher wird
  • die Liquiditätsreserve zu klein ist
  • eine größere Ausgabe bevorsteht
  • Kredite mit hoher Verzinsung zurückgezahlt werden müssen
  • der Anlagezeitraum deutlich kürzer geworden ist
  • sich die persönliche Lebenssituation verändert hat
  • die bisherige Sparrate dauerhaft zu hoch angesetzt wurde
  • die gesamte Vermögensaufteilung neu geplant werden muss

In diesen Fällen geht es nicht um die Frage, ob der Markt morgen steigt oder fällt. Es geht um die eigene finanzielle Stabilität.

Eine Sparrate sollte nie dazu führen, dass notwendige Ausgaben über den Dispokredit oder andere teure Kredite finanziert werden müssen.

Marktangst ist ein anderer Pausengrund

Viele Anleger stoppen ihren Sparplan nicht wegen einer finanziellen Notlage, sondern aus Angst vor weiteren Verlusten.

Das Problem: Der Wiedereinstieg erfordert eine zweite Entscheidung.

Dann müssen zwei Zeitpunkte richtig gewählt werden:

  1. Wann soll der Sparplan gestoppt werden?
  2. Wann soll er wieder beginnen?

Wer erst nach starken Verlusten pausiert, hat einen Teil des Kursrückgangs bereits erlebt. Wer anschließend auf eindeutige Entwarnung wartet, steigt möglicherweise erst wieder ein, nachdem sich die Kurse deutlich erholt haben.

Eine Pause aus Angst kann dadurch zu folgendem Muster führen:

  • bei hohen Kursen kaufen
  • nach starken Verlusten stoppen
  • niedrige Kurse auslassen
  • nach einer Erholung wieder beginnen

Damit wird der regelmäßige Sparplan ungewollt zu einer Form der Marktprognose.

Wie teuer eine verpasste Erholung werden kann

Starke Kursanstiege können unmittelbar auf starke Rückgänge folgen. Ob und wann das geschieht, ist nicht vorhersehbar.

Ein vereinfachtes Beispiel:

  • ETF Kurs fällt von 100 auf 70 Euro
  • Anleger stoppt bei 70 Euro den Sparplan
  • der Kurs steigt später auf 85 Euro
  • Anleger beginnt erst nach dieser Erholung wieder zu investieren

Während der Pause hätte die Sparrate bei 70 Euro mehr Anteile gekauft als nach dem Wiedereinstieg bei 85 Euro.

Das bedeutet nicht, dass jeder Kursrückgang schnell aufgeholt wird. Märkte können über längere Zeit schwach bleiben oder weiter fallen. Das Beispiel zeigt lediglich, dass eine erfolgreiche Pause nicht nur den Ausstieg, sondern auch einen rechtzeitigen Wiedereinstieg verlangt.

Sollte die Sparrate im Börsencrash erhöht werden?

Eine Erhöhung kann sinnvoll erscheinen, weil dieselbe Summe mehr Anteile kauft. Sie ist jedoch nur vertretbar, wenn das zusätzliche Kapital tatsächlich langfristig entbehrlich ist.

Vor einer Erhöhung sollten diese Fragen beantwortet werden:

  • Ist die Liquiditätsreserve vollständig aufgebaut?
  • Sind geplante Ausgaben der nächsten Jahre abgesichert?
  • Bestehen teure Verbindlichkeiten?
  • Bleibt die höhere Sparrate auch bei weiteren Kursverlusten tragbar?
  • Passt die dadurch steigende Aktienquote zur Gesamtplanung?
  • Würde die Entscheidung auch ohne aktuelle Schlagzeilen getroffen?
  • Handelt es sich um eine strategische Anpassung oder um eine spontane Wette?

Ein Kursrückgang von 20 Prozent schließt einen weiteren Rückgang nicht aus.

Wer seine Sparrate stark erhöht, weil der Tiefpunkt vermeintlich erreicht ist, trifft eine Prognose. Fällt der Markt anschließend weiter, muss die Entscheidung finanziell und emotional ausgehalten werden.

Warum eine Verdoppelung der Sparrate das Risiko erhöht

Eine höhere Sparrate bedeutet nicht nur mehr Renditechance. Sie erhöht auch das investierte Kapital und damit den möglichen Verlust.

Ein Beispiel:

Variante Monatliche Sparrate Investition in 12 Monaten
unverändert 400 Euro 4.800 Euro
erhöht 800 Euro 9.600 Euro
zusätzlich einmalig 400 Euro plus 5.000 Euro 9.800 Euro

Alle drei Varianten können bei steigenden Kursen profitieren. Fallen die Kurse weiter, wird aber auch mehr Kapital von der negativen Entwicklung betroffen.

Die Entscheidung sollte deshalb nicht allein mit dem Satz „Aktien sind jetzt günstiger“ begründet werden.

Günstiger als gestern bedeutet nicht automatisch günstig bewertet oder risikolos.

Der Notgroschen gehört nicht in den ETF Sparplan

Vor einer langfristigen Aktienanlage sollte eine ausreichende Liquiditätsreserve vorhanden sein.

Sie dient unter anderem für:

  • unerwartete Reparaturen
  • vorübergehenden Einkommensausfall
  • höhere Nebenkosten
  • medizinische Ausgaben
  • Versicherungsbeiträge
  • Selbstbehalte
  • kurzfristige familiäre Unterstützung
  • andere unvorhergesehene Belastungen

Wie hoch diese Reserve sein sollte, hängt von der persönlichen Situation ab. Arbeitnehmer mit sehr sicherem Einkommen benötigen möglicherweise eine andere Reserve als Selbstständige mit schwankenden Einnahmen.

Wird der Notgroschen in einem Börsencrash investiert, können zwei Risiken zusammentreffen:

  1. Die Kurse fallen weiter.
  2. Das Kapital wird gleichzeitig für eine ungeplante Ausgabe benötigt.

Dann müssen ETF Anteile möglicherweise mit Verlust verkauft werden.

Der Anlagezeitraum entscheidet

Ein Aktien ETF eignet sich grundsätzlich nicht für jede Sparfrist.

Je näher die geplante Verwendung des Kapitals rückt, desto wichtiger wird die Frage, ob ein erheblicher Kursverlust noch ausgesessen werden kann.

Ein langer Anlagezeitraum schafft Zeit. Er garantiert aber keine bestimmte Rendite.

Kritisch wird es besonders, wenn das Kapital benötigt wird für:

  • einen Immobilienkauf
  • die Ablösung eines Darlehens
  • eine größere Anschaffung
  • Ausbildungskosten
  • den Beginn des Ruhestands
  • regelmäßige Entnahmen
  • Pflege oder Unterstützung von Angehörigen

Wer das Geld in wenigen Jahren sicher benötigt, sollte nicht erst nach einem Kurssturz überlegen, wie viel davon überhaupt in Aktien investiert sein darf.

Sparphase und Entnahmephase unterscheiden

Während des Vermögensaufbaus werden regelmäßig neue Anteile gekauft. Fallende Kurse können dabei zu niedrigeren Kaufpreisen führen.

In der Entnahmephase ist die Situation umgekehrt. Werden bei fallenden Kursen Anteile verkauft, müssen für denselben Eurobetrag mehr Anteile abgegeben werden.

Ein Beispiel:

  • gewünschte Entnahme: 1.500 Euro
  • ETF Anteil kostet 100 Euro: Verkauf von 15 Anteilen
  • ETF Anteil kostet 60 Euro: Verkauf von 25 Anteilen

Die zusätzliche Veräußerung verringert das Kapital, das an einer späteren Erholung teilnehmen kann.

Vor dem Ruhestand sind deshalb insbesondere wichtig:

  • eine ausreichende Liquiditätsreserve
  • sichere laufende Einnahmen
  • die Höhe der geplanten Entnahmen
  • eine passende Aktienquote
  • eine sinnvolle Aufteilung der nächsten Ausgaben
  • Flexibilität bei freiwilligen Entnahmen

Ein Sparplan kann in der Aufbauphase sinnvoll sein, während dasselbe Risikoprofil kurz vor größeren Entnahmen nicht mehr passt.

Nicht jeder ETF ist für einen langfristigen Sparplan geeignet

Der Begriff ETF beschreibt zunächst die rechtliche und technische Konstruktion eines börsengehandelten Fonds. Er sagt wenig darüber aus, worin der Fonds investiert.

Ein ETF kann beispielsweise abbilden:

  • einen breit gestreuten Weltaktienindex
  • ein einzelnes Land
  • eine bestimmte Branche
  • wenige Technologieunternehmen
  • Rohstoffe
  • Anleihen
  • eine Faktorstrategie
  • einen gehebelten Index
  • eine inverse Strategie

Die Bundesbank weist darauf hin, dass ETF erhebliche Risiken besitzen können, wenn der Referenzindex eine besonders riskante Anlageklasse abbildet oder nur gering diversifiziert ist. Bei gehebelten ETF werden Kursbewegungen zusätzlich verstärkt. bundesbank.de

Ein regelmäßiger Sparplan macht aus einem stark konzentrierten oder ungeeigneten ETF kein ausgewogenes Anlageprodukt.

Breite Streuung reduziert nicht jedes Risiko

Ein weltweit investierender Aktien ETF kann das Kapital auf viele Unternehmen, Länder und Branchen verteilen. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen.

Das allgemeine Aktienmarktrisiko bleibt jedoch bestehen.

In einer weltweiten Krise können zahlreiche Märkte gleichzeitig fallen. Hinzu kommen mögliche:

  • Währungsrisiken
  • politische Risiken
  • Bewertungsrisiken
  • Branchenkonzentrationen
  • Liquiditätsrisiken
  • Indexänderungen
  • steuerliche Änderungen

Die amerikanische Anlegerbehörde nennt Diversifikation als wichtiges Mittel, um das Risiko einzelner Anlagen zu reduzieren. Sie ist aber keine Garantie gegen Verluste des gesamten Marktes. investor.gov

Der bisherige Verlust ist kein Entscheidungskriterium

Ein häufiger Gedanke lautet:

„Ich kann jetzt nicht verkaufen, weil ich bereits im Minus bin.“

Der bisherige Kaufpreis ist für die zukünftige Entwicklung des ETF jedoch nicht entscheidend.

Die bessere Frage lautet:

Würde ich diesen ETF mit meiner heutigen finanziellen Situation und den aktuellen Informationen weiterhin halten und besparen?

Es kann richtig sein, einen ungeeigneten ETF trotz Verlust zu ersetzen. Ebenso kann es falsch sein, einen passenden, breit gestreuten ETF allein wegen eines vorübergehenden Kursrückgangs aufzugeben.

Die Entscheidung sollte sich an der künftigen Eignung orientieren. Nicht daran, ob die Depotanzeige gerade rot oder grün ist.

Sparrate reduzieren statt vollständig stoppen

Zwischen unverändertem Sparplan und vollständiger Pause gibt es weitere Möglichkeiten:

  • Sparrate vorübergehend reduzieren
  • Ausführung von monatlich auf quartalsweise umstellen
  • mehrere Sparpläne unterschiedlich anpassen
  • neue Beiträge zunächst als Liquidität zurücklegen
  • Aktien und sichere Anlagen neu gewichten
  • freiwillige Zusatzeinzahlungen aussetzen
  • nach Wiederaufbau der Reserve schrittweise erhöhen

Eine reduzierte Sparrate kann sinnvoll sein, wenn die Liquidität geschont werden muss, die langfristige Strategie aber grundsätzlich bestehen bleibt.

Die Anpassung sollte mit einem klaren Kriterium verbunden sein. Beispielsweise:

  • Wiedererhöhung nach Aufbau einer festgelegten Reserve
  • Überprüfung nach Ende der Probezeit
  • Anpassung nach einer größeren Anschaffung
  • Neubewertung zu einem festgelegten Termin

Ohne solche Kriterien bleibt aus einer vorübergehenden Pause leicht ein dauerhafter Ausstieg.

Warum ein fester Entscheidungsplan hilft

In ruhigen Börsenphasen lassen sich Regeln leichter festlegen als mitten im Kurssturz.

Ein persönlicher Entscheidungsplan kann enthalten:

  • Ziel des Sparplans
  • geplanter Anlagezeitraum
  • gewünschte Aktienquote
  • Höhe der Liquiditätsreserve
  • normale Sparrate
  • Gründe für eine Reduzierung
  • Gründe für eine vollständige Pause
  • Voraussetzungen für eine Erhöhung
  • Zeitpunkt der regelmäßigen Überprüfung
  • Regeln für geplante Entnahmen

Damit wird nicht versucht, den Markt zu kontrollieren. Kontrolliert wird das eigene Verhalten.

Was bei einem Depotverlust geprüft werden sollte

Ein deutlicher Verlust ist ein guter Anlass für eine Bestandsaufnahme.

Hat sich das Anlageziel verändert?

Ein ursprünglich für die Altersvorsorge gedachtes Depot sollte nicht plötzlich für eine kurzfristige Ausgabe eingeplant werden.

Reicht die Liquiditätsreserve?

Fehlt sie, kann eine Reduzierung der Sparrate sinnvoller sein als ein späterer Verkauf mit Verlust.

Ist der ETF ausreichend breit gestreut?

Ein Branchen oder Themen ETF kann wesentlich stärker schwanken als ein breit gestreuter Welt ETF.

Passt die Aktienquote?

Wer wegen eines normalen Börsenrückgangs nicht mehr schlafen kann, hat möglicherweise mehr Aktienrisiko übernommen, als tatsächlich tragbar ist.

Bestehen Überschneidungen?

Mehrere ETF können dieselben Unternehmen enthalten und nur den Eindruck einer breiten Streuung erzeugen.

Wann wird das Kapital benötigt?

Ein naher Auszahlungstermin kann eine schrittweise Risikoreduzierung erforderlich machen.

Typische Fehler beim ETF Sparplan im Börsencrash

Den Sparplan aus Angst stoppen

Damit wird eine langfristige Strategie von kurzfristigen Nachrichten abhängig.

Auf den perfekten Wiedereinstieg warten

Der Tiefpunkt ist normalerweise erst im Rückblick erkennbar.

Die Sparrate spontan stark erhöhen

Mehr investiertes Kapital bedeutet auch mehr Verlustpotenzial.

Den Notgroschen investieren

Damit fehlt die Reserve möglicherweise genau dann, wenn Einkommen und Wirtschaft gleichzeitig unter Druck stehen.

Jeden ETF für langfristig geeignet halten

Ein konzentrierter Themen ETF bleibt auch bei regelmäßigen Käufen konzentriert.

Einen Verlust mit einem Fehler verwechseln

Ein vorübergehender Kursrückgang gehört zu einer Aktienanlage. Ein ungeeignetes Produkt ist dagegen ein strukturelles Problem.

Nur auf den Kaufpreis schauen

Entscheidend ist, ob die Anlage heute noch zum Ziel und zur Risikofähigkeit passt.

Die Entnahmephase vergessen

Kurz vor geplanten Auszahlungen gelten andere Anforderungen als am Beginn eines jahrzehntelangen Vermögensaufbaus.

Den Sparplan auf Kredit fortführen

Kreditkosten und Rückzahlungsverpflichtungen können die langfristige Anlage unnötig belasten.

Eine praktische Prüfung in zehn Schritten

Bevor Sie Ihren Sparplan verändern, sollten Sie diese Fragen beantworten:

  1. Welches konkrete Ziel finanziert der Sparplan?
  2. Wann wird das Kapital voraussichtlich benötigt?
  3. Ist eine ausreichende Liquiditätsreserve vorhanden?
  4. Bleibt die Sparrate auch bei Einkommensproblemen tragbar?
  5. Wie hoch ist die Aktienquote im gesamten Vermögen?
  6. Ist der ETF breit gestreut und für das Ziel geeignet?
  7. Kann ein weiterer deutlicher Kursverlust ausgehalten werden?
  8. Beruht die geplante Änderung auf der persönlichen Situation oder auf einer Marktprognose?
  9. Nach welchem Kriterium würde eine Pause beendet?
  10. Passt die Entscheidung auch zur späteren Entnahmeplanung?

Ein ETF Sparplan im Börsencrash muss nicht automatisch gestoppt oder erhöht werden. Wer langfristig investiert, eine ausreichende Reserve besitzt und einen passenden ETF gewählt hat, kann den Sparplan grundsätzlich unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen fortführen.

Fehlt dagegen Liquidität, steht eine größere Ausgabe bevor oder war die Aktienquote von Anfang an zu hoch, ist eine Anpassung sinnvoll. Entscheidend ist der Anlass: Die eigene finanzielle Situation ist ein guter Grund für eine Veränderung. Die Hoffnung, den nächsten Tiefpunkt vorherzusagen, ist es nicht.

Stand: 6. Oktober 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar.

Aktienquote im Ruhestand: Warum das Lebensalter allein nicht entscheidet

1. Oktober 2026 in Vermögensanlage

Mit dem Rentenbeginn endet der Anlagehorizont nicht. Ein Teil des Vermögens wird kurzfristig benötigt. Ein anderer Teil soll möglicherweise noch 15, 20 oder 30 Jahre reichen.

Die passende Aktienquote im Ruhestand lässt sich deshalb nicht mit einer einfachen Altersformel bestimmen. Entscheidend sind Liquiditätsbedarf, sichere Einkünfte, Entnahmehöhe, Risikotoleranz und die Frage, welche Ausgaben das Depot überhaupt finanzieren muss.

Was beschreibt die Aktienquote?

Die Aktienquote bezeichnet den Anteil des Anlagevermögens, der direkt oder über Fonds und ETF in Aktien investiert ist.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Vermögensbaustein Betrag
Aktien und Aktien ETF 300.000 Euro
Tagesgeld und Festgeld 120.000 Euro
Anleihen und defensive Fonds 80.000 Euro
Gesamt 500.000 Euro
Aktienquote 60 Prozent

Die selbst genutzte Immobilie wird in einer solchen Depotbetrachtung meist nicht zur Aktienquote gerechnet. Für die gesamte Ruhestandsplanung ist sie trotzdem wichtig, weil sie Wohnkosten, Instandhaltungsbedarf und mögliche spätere Verkaufserlöse beeinflusst.

Auch gesetzliche Rente, Pension und lebenslange private Renten gehören nicht zum Depot. Sie verändern aber, wie viel Risiko mit dem übrigen Vermögen getragen werden kann.

Aktienquote im Ruhestand: Warum Altersformeln zu kurz greifen

Bekannte Faustregeln lauten beispielsweise:

  • 100 minus Lebensalter
  • 110 minus Lebensalter
  • 120 minus Lebensalter

Nach der ersten Regel hätte ein 70 jähriger Anleger eine Aktienquote von 30 Prozent. Die Formel berücksichtigt aber weder Einkommen noch Vermögen, Ausgaben, Lebenserwartung oder persönliche Ziele.

Zwei Menschen gleichen Alters können völlig unterschiedliche Voraussetzungen haben.

Person A

  • hohe gesetzliche und betriebliche Rente
  • schuldenfreie Immobilie
  • geringe laufende Ausgaben
  • großes Wertpapiervermögen
  • Depotentnahmen hauptsächlich für Reisen und Schenkungen

Person B

  • geringe gesetzliche Rente
  • monatliche Versorgungslücke
  • Mietwohnung
  • kaum zusätzliche Reserven
  • regelmäßige Depotentnahmen für den Lebensunterhalt

Person A kann möglicherweise eine höhere Aktienquote tragen, obwohl beide gleich alt sind. Person B benötigt dagegen mehr kurzfristig verfügbare und schwankungsarme Mittel.

Das Alter liefert einen Hinweis auf den möglichen Zeitraum. Es beantwortet aber nicht, wie abhängig jemand von seinem Depot ist.

Der Rentenbeginn ist nicht das Ende der Anlage

Wer mit 67 Jahren in den Ruhestand geht, benötigt nicht am ersten Tag das gesamte Vermögen.

Ein Teil wird in den ersten Jahren verbraucht. Andere Beträge werden möglicherweise erst wesentlich später benötigt oder sollen vererbt werden.

Damit bestehen mehrere Anlagezeiträume gleichzeitig:

Verwendungszweck Möglicher Zeitraum
laufende Ausgaben sofort bis wenige Jahre
größere geplante Anschaffungen ein bis fünf Jahre
spätere Pflege oder Unterstützung ungewiss
regelmäßige Entnahmen über viele Jahre
Vermögen für Erben möglicherweise mehrere Jahrzehnte

Die Deutsche Börse beschreibt den Anlagehorizont als die zeitliche Planung einer Investition. Für den Ruhestand bedeutet das: Nicht das gesamte Vermögen besitzt denselben Anlagehorizont. live.deutsche-boerse.com

Geld, das in zwei Jahren für eine neue Heizung benötigt wird, gehört grundsätzlich nicht in denselben Risikobereich wie Vermögen, das voraussichtlich erst in 20 Jahren gebraucht wird.

Welche Rolle spielen sichere Einkünfte?

Für die Aktienquote ist entscheidend, welcher Anteil der laufenden Ausgaben bereits durch verlässliche Einnahmen gedeckt wird.

Dazu können gehören:

  • gesetzliche Rente
  • Pension
  • betriebliche Altersversorgung
  • private Rentenversicherung
  • Mieteinnahmen nach Kosten
  • sonstige dauerhaft planbare Einnahmen

Ein Beispiel:

Monatliche Planung Betrag
Lebenshaltung und regelmäßige Ausgaben 3.500 Euro
Gesetzliche und betriebliche Rente 3.200 Euro
Versorgungslücke 300 Euro

In diesem Haushalt muss das Depot monatlich nur eine vergleichsweise geringe Lücke schließen.

Anderes Beispiel:

Monatliche Planung Betrag
Lebenshaltung und regelmäßige Ausgaben 3.500 Euro
Sichere Renteneinkünfte 1.900 Euro
Versorgungslücke 1.600 Euro

Hier ist die Abhängigkeit vom Depot wesentlich höher. Ein starker Kursrückgang kann die Finanzierung des Lebensstandards unmittelbar beeinträchtigen.

Die Höhe des Vermögens allein genügt deshalb nicht. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen sicheren Einkünften, Ausgaben und notwendiger Entnahme.

Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit sind nicht dasselbe

Die Risikobereitschaft beschreibt, wie viel Schwankung eine Person emotional akzeptieren möchte.

Die Risikotragfähigkeit beschreibt, wie viel Verlust sie wirtschaftlich aushalten kann, ohne ihre Ziele oder ihren Lebensstandard zu gefährden.

Beides kann auseinanderfallen.

Ein vermögender Anleger kann wirtschaftlich eine hohe Aktienquote tragen, reagiert aber möglicherweise sehr belastet auf einen Kursverlust von 25 Prozent.

Umgekehrt kann sich jemand als risikofreudig einschätzen, obwohl das Depot jeden Monat zur Finanzierung notwendiger Ausgaben gebraucht wird.

Eine passende Aktienquote muss beide Grenzen beachten:

  • Was kann ich finanziell verkraften?
  • Was halte ich tatsächlich durch?

Eine Strategie, die beim ersten stärkeren Kursverlust aufgegeben wird, war zu riskant. Das gilt auch dann, wenn sie langfristig rechnerisch sinnvoll erschien.

Die BaFin weist darauf hin, dass Wertpapiere höhere Ertragschancen bieten können, zugleich aber mit einem höheren Kapitalverlustrisiko verbunden sind. Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit lassen sich nicht gleichzeitig maximieren. bafin.de

Ein Verlust wirkt in Euro anders als in Prozent

Eine Aktienquote sollte nicht nur abstrakt in Prozent betrachtet werden.

Angenommen, ein Depot besitzt einen Wert von 600.000 Euro.

Aktienquote Aktienanteil Rückgang der Aktien um 35 Prozent Vereinfachter Depotverlust
30 Prozent 180.000 Euro 63.000 Euro 10,5 Prozent
50 Prozent 300.000 Euro 105.000 Euro 17,5 Prozent
70 Prozent 420.000 Euro 147.000 Euro 24,5 Prozent
90 Prozent 540.000 Euro 189.000 Euro 31,5 Prozent

Die Rechnung unterstellt, dass sich die übrigen Vermögensbausteine nicht verändern. In der Realität können auch Anleihen, Immobilienfonds oder andere Anlagen schwanken.

Die Tabelle zeigt trotzdem eine wichtige Frage:

Könnten Sie bei einem vorübergehenden Depotverlust von 100.000 oder 150.000 Euro ruhig bleiben und Ihre Strategie fortführen?

Wer nur die erwartete Rendite betrachtet, unterschätzt häufig die psychologische Wirkung großer Eurobeträge.

Das Reihenfolgerisiko in den ersten Ruhestandsjahren

Für Menschen in der Entnahmephase zählt nicht nur die durchschnittliche Rendite. Wichtig ist auch, wann gute und schlechte Börsenjahre auftreten.

Fallen die Kurse kurz nach Rentenbeginn und müssen gleichzeitig Anteile verkauft werden, werden mehr Fondsanteile für dieselbe Entnahme benötigt. Diese verkauften Anteile können an einer späteren Erholung nicht mehr teilnehmen.

Dieses Problem wird als Reihenfolgerisiko bezeichnet.

Vereinfachtes Beispiel

Zwei Personen starten mit demselben Depot und erzielen über einen längeren Zeitraum rechnerisch dieselbe durchschnittliche Rendite.

  • Person A erlebt gute Börsenjahre zu Beginn und schwache Jahre später.
  • Person B erlebt den starken Kursrückgang direkt nach Rentenbeginn.

Ohne Entnahmen könnten beide am Ende ein ähnliches Ergebnis erzielen. Mit regelmäßigen Entnahmen kann das Depot von Person B deutlich früher erschöpft sein.

Das Risiko ist besonders relevant, wenn:

  • die Entnahmen im Verhältnis zum Vermögen hoch sind
  • kaum sichere Einkünfte bestehen
  • keine Liquiditätsreserve vorhanden ist
  • Ausgaben nicht reduziert werden können
  • das Depot einen hohen Aktienanteil besitzt
  • der Ruhestand kurz vor oder während eines Börsenrückgangs beginnt

Eine niedrigere Aktienquote beseitigt dieses Risiko nicht vollständig. Sie kann aber die Höhe kurzfristiger Schwankungen reduzieren.

Warum zu wenig Aktien ebenfalls ein Risiko sind

Eine sehr niedrige Aktienquote wirkt zunächst sicher. Langfristig entstehen jedoch andere Risiken.

Inflation

Auch bei niedriger Inflation verliert Geld über lange Zeit an Kaufkraft. Eine unveränderte nominale Entnahme kann real immer weniger finanzieren.

Langes Leben

Das Vermögen muss möglicherweise länger reichen als geplant. Wer zu defensiv anlegt, erzielt eventuell nicht genügend Wachstum.

Steigende Ausgaben

Gesundheit, Pflege, Wohnen und Unterstützung im Alltag können im höheren Alter zusätzliche Kosten verursachen.

Hoher Kapitalverbrauch

Bleibt die Rendite dauerhaft gering, muss ein größerer Teil der laufenden Entnahmen aus dem vorhandenen Kapital finanziert werden.

Erbschaftsziele

Wer Vermögen an Kinder, Enkel oder gemeinnützige Einrichtungen weitergeben möchte, besitzt für diesen Teil möglicherweise einen sehr langen Anlagehorizont.

Sicherheit bedeutet deshalb nicht nur geringe Kursschwankung. Sie bedeutet auch, Kaufkraft und finanzielle Handlungsfähigkeit über einen langen Zeitraum zu erhalten.

Eine Liquiditätsreserve kann wichtiger sein als eine pauschal niedrige Aktienquote

Die Aktienquote beantwortet nicht, ob kurzfristige Ausgaben gesichert sind.

Ein Haushalt mit 70 Prozent Aktien und einer ausreichend großen Liquiditätsreserve kann kurzfristig stabiler aufgestellt sein als ein Haushalt mit 40 Prozent Aktien, der dennoch bei jeder größeren Ausgabe Fondsanteile verkaufen muss.

Zur Reserve können gehören:

  • Tagesgeld
  • kurz laufendes Festgeld
  • planbare Fälligkeiten
  • sehr kurzfristige und bonitätsstarke Anlagen
  • bereits vorhandene Überschüsse auf dem Girokonto

Die Reserve sollte sich nicht allein an einer festen Zahl von Monatsausgaben orientieren.

Zu berücksichtigen sind:

  • regelmäßige Versorgungslücke
  • geplante Anschaffungen
  • Immobilienkosten
  • mögliche Unterstützung von Angehörigen
  • Höhe der sicheren Einkünfte
  • Flexibilität der Ausgaben
  • Umfang und Schwankung des Depots

Wer eine größere Reserve hält, akzeptiert dafür normalerweise eine geringere erwartete Rendite. Dafür sinkt der Druck, Aktien in einer ungünstigen Marktphase verkaufen zu müssen.

Ein vereinfachtes Drei Bereiche Modell

Eine Ruhestandsplanung kann das Vermögen nach Verwendungszeiträumen ordnen.

Bereich 1: Kurzfristige Ausgaben

Dieser Bereich deckt die absehbare Versorgungslücke und geplante größere Ausgaben der nächsten Jahre.

Geeignet können je nach Situation sein:

  • Tagesgeld
  • Festgeld mit passenden Fälligkeiten
  • andere kurzfristige und verständliche Lösungen

Ziel ist Verfügbarkeit, nicht maximale Rendite.

Bereich 2: Mittelfristige Stabilität

Dieser Bereich soll spätere Entnahmen vorbereiten und Schwankungen begrenzen.

Je nach Risikoprofil können dafür unterschiedliche defensive Anlagen infrage kommen. Auch diese sind nicht risikofrei. Zinsänderungen, Bonität, Inflation und Kosten müssen geprüft werden.

Bereich 3: Langfristiges Wachstum

Dieser Teil wird voraussichtlich lange nicht benötigt. Er kann breit gestreut in Aktienfonds oder ETF investiert werden.

Das Modell bedeutet nicht, dass drei bestimmte Produkte gekauft werden müssen. Es ordnet Vermögen nach Aufgabe und Zeitraum.

Die Aktienquote ergibt sich anschließend aus der Gesamtplanung. Sie wird nicht vorher anhand des Geburtsjahres festgelegt.

Sollte die Aktienquote mit dem Alter immer sinken?

Eine sinkende Aktienquote wird häufig als selbstverständlich dargestellt. Sie ist aber nur eine mögliche Strategie.

Wissenschaftliche Untersuchungen kommen je nach Annahmen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Eine Studie von Wade Pfau und Michael Kitces untersuchte beispielsweise steigende Aktienquoten im Ruhestand. Die Grundidee: Zu Beginn der Entnahmephase wird das besonders gefährliche Reihenfolgerisiko durch eine niedrigere Aktienquote begrenzt. Später kann die Quote schrittweise steigen. papers.ssrn.com

Andere Untersuchungen sehen je nach Modell Vorteile bei gleichbleibenden oder fallenden Aktienquoten. Eine Auswertung unterschiedlicher Ansätze betont, dass das Ergebnis stark von Annahmen, Zielgrößen und Ausgangssituation abhängt. Financial Planning Association

Daraus folgt nicht, dass eine steigende Aktienquote allgemein richtig ist.

Es zeigt vielmehr:

Eine einzige Altersregel kann die unterschiedlichen Ziele und Risiken nicht angemessen abbilden.

Was eine steigende Aktienquote praktisch bedeuten kann

Eine steigende Aktienquote muss nicht durch fortlaufende Aktienkäufe umgesetzt werden.

Sie kann auch entstehen, wenn in den ersten Ruhestandsjahren bewusst schwankungsarme Anlagen verbraucht werden, während der langfristige Aktienbestand weitgehend unangetastet bleibt.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Zeitpunkt Aktien Defensive Anlagen Aktienquote
Rentenbeginn 300.000 Euro 300.000 Euro 50 Prozent
später, vereinfacht 300.000 Euro 200.000 Euro 60 Prozent

Die Aktienquote ist gestiegen, obwohl keine Aktien gekauft wurden.

Diese Entwicklung ist nicht automatisch sinnvoll. Sie muss mit der verbleibenden Entnahmedauer, den Ausgaben und der Risikotragfähigkeit vereinbar sein.

Was bei sehr hohen sicheren Renteneinkünften gilt

Sichere Renteneinkünfte können wirtschaftlich wie ein stabilisierender Vermögensbaustein wirken.

Wer seine notwendigen Ausgaben vollständig aus Renten und anderen verlässlichen Einnahmen decken kann, benötigt das Depot möglicherweise nicht für den laufenden Lebensunterhalt.

Dann kann eine höhere Aktienquote vertretbar sein, weil:

  • Entnahmen verschoben werden können
  • Kursrückgänge nicht unmittelbar den Lebensstandard gefährden
  • ein längerer Anlagehorizont besteht
  • Teile des Vermögens für Erben bestimmt sind

Trotzdem bleibt die persönliche Schwankungstoleranz wichtig. Eine rechnerisch tragbare Strategie ist ungeeignet, wenn sie emotional nicht durchgehalten wird.

Was bei einer hohen Versorgungslücke gilt

Muss ein großer Teil der monatlichen Ausgaben aus dem Depot finanziert werden, steigen die Anforderungen an Liquidität und Planung.

Dann sind besonders wichtig:

  • ausreichende kurzfristige Reserven
  • realistische Entnahmehöhe
  • flexible Ausgaben
  • klare Regeln für Verkäufe
  • regelmäßige Überprüfung
  • breite Streuung
  • Vermeidung unnötiger Kosten
  • Steuerplanung

Eine hohe Aktienquote kann langfristiges Wachstum ermöglichen. Gleichzeitig erhöht sie das Risiko, in einer schwachen Börsenphase verkaufen zu müssen.

Eine zu niedrige Aktienquote kann dagegen dazu führen, dass das Vermögen langfristig nicht ausreichend wächst.

Die Lösung liegt selten in einem Extrem.

Die selbst genutzte Immobilie richtig einordnen

Eine schuldenfreie Immobilie kann die laufenden Wohnkosten reduzieren. Sie ist aber keine jederzeit verfügbare Liquiditätsreserve.

Zu berücksichtigen sind:

  • Instandhaltung
  • Modernisierung
  • energetische Anforderungen
  • Grundsteuer und laufende Kosten
  • Barrierefreiheit
  • mögliche spätere Pflegekosten
  • Verkaufsmöglichkeiten
  • emotionale Bindung
  • Wohnrecht und familiäre Ziele

Wer nahezu das gesamte Vermögen in der eigenen Immobilie gebunden hat, besitzt möglicherweise wenig finanziellen Spielraum. Eine hohe Aktienquote im kleinen Wertpapierdepot kann dann riskanter sein, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Umgekehrt kann eine verkleinerte oder vermietete Immobilie zusätzliche Liquidität oder Einnahmen schaffen.

Die Aktienquote sollte daher im Zusammenhang mit dem gesamten Vermögen betrachtet werden, nicht isoliert im Depot.

Ein Rechenweg zur ersten Orientierung

Schritt 1: Notwendige Jahresausgaben feststellen

Welche Ausgaben müssen zuverlässig finanziert werden?

Schritt 2: Sichere Nettoeinkünfte abziehen

Dazu zählen nur realistisch verfügbare Beträge nach Steuern, Krankenversicherung und laufenden Kosten.

Schritt 3: Jährliche Versorgungslücke berechnen

Beispiel:

  • notwendige Jahresausgaben: 42.000 Euro
  • sichere Nettoeinkünfte: 30.000 Euro
  • jährliche Versorgungslücke: 12.000 Euro

Schritt 4: Größere Ausgaben ergänzen

Geplante Fahrzeuge, Renovierungen, Reisen oder familiäre Unterstützung gehören zusätzlich in die Planung.

Schritt 5: Liquiditätsreserve bestimmen

Soll beispielsweise eine Versorgungslücke von drei Jahren abgesichert werden, wären im vereinfachten Beispiel 36.000 Euro zuzüglich geplanter Sonderausgaben erforderlich.

Schritt 6: Langfristig verfügbares Kapital bestimmen

Erst der danach verbleibende Teil kann mit einem längeren Anlagehorizont betrachtet werden.

Schritt 7: Verlust in Euro testen

Wie würde sich ein Rückgang der Aktienmärkte um 30 oder 40 Prozent auf das Gesamtvermögen und auf die geplanten Entnahmen auswirken?

Dieser Stresstest ist aussagekräftiger als eine Altersformel.

Typische Fehler bei der Aktienquote im Ruhestand

Die Quote nur am Lebensalter ausrichten

Alter sagt wenig über sichere Einkünfte, Vermögen und Versorgungslücke aus.

Das gesamte Depot als kurzfristig verfügbar betrachten

Aktien können gerade dann niedrig stehen, wenn Geld benötigt wird.

Nur auf Durchschnittsrenditen schauen

Die Reihenfolge der Renditen ist während der Entnahme wichtig.

Zu viel Liquidität dauerhaft halten

Eine übergroße Reserve kann langfristig Kaufkraft und Rendite kosten.

Zu wenig Liquidität halten

Ohne Reserve können Verkäufe in schwachen Marktphasen notwendig werden.

Die gesetzliche Rente nicht berücksichtigen

Sichere Einkünfte beeinflussen die wirtschaftliche Risikotragfähigkeit.

Die Immobilie mit Tagesgeld gleichsetzen

Immobilienvermögen ist nicht kurzfristig und nicht ohne Kosten verfügbar.

Das Depot nach einem Börsenrückgang umstellen

Wer erst nach Verlusten die Aktienquote senkt, macht den Rückgang möglicherweise dauerhaft.

Eine theoretisch optimale Strategie wählen

Die beste Berechnung hilft nicht, wenn die Schwankungen emotional nicht ausgehalten werden.

Steuern und Kosten ignorieren

Umschichtungen, Verkäufe und laufende Produktkosten beeinflussen das Ergebnis.

Prüfliste für die persönliche Aktienquote

Folgende Fragen sollten beantwortet sein:

  1. Wie hoch sind meine notwendigen Jahresausgaben?
  2. Welche sicheren Nettoeinkünfte stehen dauerhaft zur Verfügung?
  3. Wie groß ist die jährliche Versorgungslücke?
  4. Welche größeren Ausgaben sind absehbar?
  5. Wie viele Jahre sollen ohne Aktienverkäufe finanzierbar sein?
  6. Welcher Teil des Vermögens wird voraussichtlich lange nicht benötigt?
  7. Wie hoch wäre ein realistischer Verlust in Euro?
  8. Könnte ich diesen Verlust finanziell tragen?
  9. Würde ich die Strategie auch emotional durchhalten?
  10. Können Ausgaben in schwachen Börsenjahren reduziert werden?
  11. Soll Vermögen vererbt oder zu Lebzeiten übertragen werden?
  12. Wann wird die Aufteilung überprüft und angepasst?

Fakt ist: Aktien bieten langfristige Ertragschancen, können aber deutlich schwanken und zeitweise erheblich an Wert verlieren.

Einordnung: Im Ruhestand bestehen meist mehrere Anlagezeiträume gleichzeitig. Kurzfristige Ausgaben benötigen andere Lösungen als Vermögen, das erst in vielen Jahren gebraucht oder vererbt werden soll.

Mögliche Schlussfolgerung: Die Aktienquote sollte aus Versorgungslücke, Liquiditätsreserve, sicheren Einkünften und persönlicher Verlusttoleranz abgeleitet werden. Das Lebensalter ist dabei nur einer von mehreren Faktoren.

Die richtige Aktienquote im Ruhestand ist keine möglichst hohe und keine möglichst niedrige Zahl. Sie muss genügend Stabilität für die nächsten Jahre bieten und zugleich langfristiges Wachstum ermöglichen. Entscheidend ist nicht, welche Quote allgemein empfohlen wird. Entscheidend ist, welche Quote zum eigenen Zahlungsplan passt und auch in schwierigen Börsenphasen durchgehalten werden kann.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar.

Rebalancing im ETF Depot: Wie Sie Ihr Risiko im Gleichgewicht halten

14. September 2026 in Investmentfonds, Vermögensanlage

Ein ETF Depot verändert sich mit den Börsenkursen. Steigen Aktien stärker als andere Bestandteile, wächst ihr Anteil am Gesamtvermögen. Aus einer ursprünglich ausgewogenen Aufteilung kann so unbemerkt ein deutlich riskanteres Depot werden.

Mit Rebalancing im ETF Depot wird die tatsächliche Aufteilung wieder an die geplante Anlagestruktur angepasst. Dabei geht es nicht darum, die Börse vorherzusagen. Es geht darum, das Risiko zu kontrollieren.

Was bedeutet Rebalancing im ETF Depot?

Rebalancing bedeutet, ein Depot wieder auf seine ursprünglich festgelegte Aufteilung zurückzuführen.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Eine Anlegerin entscheidet sich für folgende Struktur:

  • 70 Prozent Aktien ETF
  • 20 Prozent sichere Zinsanlagen
  • 10 Prozent Liquidität

Nach einem starken Börsenjahr beträgt der Aktienanteil 80 Prozent. Die sicheren Anlagen und die Liquidität machen zusammen nur noch 20 Prozent aus.

Das Depot ist gewachsen. Gleichzeitig ist es riskanter geworden.

Beim Rebalancing wird der Aktienanteil wieder auf 70 Prozent reduziert. Das kann durch Verkäufe, zusätzliche Einzahlungen in die übrigen Anlagebereiche oder eine veränderte Verteilung der Sparrate erfolgen.

Warum sich die Depotstruktur von selbst verändert

Die einzelnen Anlagen entwickeln sich nicht gleich.

Aktien können innerhalb eines Jahres deutlich steigen, während Anleihen kaum zulegen. Auch unterschiedliche Aktienregionen, Branchen oder Unternehmensgrößen entwickeln sich zeitweise sehr verschieden.

Diese Abweichungen werden als Übergewichtung und Untergewichtung bezeichnet.

Eine Übergewichtung liegt vor, wenn eine Anlage einen größeren Anteil am Depot besitzt als vorgesehen. Bei einer Untergewichtung ist der Anteil kleiner.

Das ist zunächst kein Fehler. Es ist eine normale Folge unterschiedlicher Kursentwicklungen. Problematisch wird es, wenn das Depot dadurch nicht mehr zum Anlageziel, zum Zeitraum oder zur persönlichen Risikobereitschaft passt.

Rebalancing ist keine Renditeprognose

Beim Rebalancing werden häufig Anteile der zuletzt besonders gut gelaufenen Anlagen reduziert. Das Geld fließt anschließend in Bereiche, die sich schwächer entwickelt haben.

Das kann sich unangenehm anfühlen. Schließlich wird ein Teil der Gewinner verkauft und in die bisherigen Nachzügler investiert.

Daraus folgt jedoch keine Garantie, dass diese Anlagen anschließend aufholen. Eine bereits teure Anlage kann weiter steigen. Eine schwache Anlage kann weiter fallen.

Fakt ist: Rebalancing stellt eine festgelegte Vermögensaufteilung wieder her.

Einordnung: Damit kann verhindert werden, dass einzelne Anlagen nach starken Kursbewegungen das Depot und sein Risiko immer stärker bestimmen.

Mögliche Schlussfolgerung: Rebalancing sollte als Instrument der Risikosteuerung verstanden werden, nicht als Methode zur kurzfristigen Steigerung der Rendite.

Warum die ursprüngliche Aufteilung entscheidend ist

Ohne eine geplante Zielstruktur gibt es nichts, worauf das Depot zurückgeführt werden könnte.

Vor dem ersten ETF Kauf sollte deshalb geklärt werden:

  • Welches Ziel soll mit dem Vermögen erreicht werden?
  • Wann wird das Geld voraussichtlich benötigt?
  • Welche zwischenzeitlichen Verluste wären finanziell tragbar?
  • Welche Kursschwankungen werden tatsächlich ausgehalten?
  • Welche Beträge müssen jederzeit verfügbar bleiben?
  • Welche sicheren Einkünfte und weiteren Vermögenswerte bestehen?

Eine pauschale Aktienquote passt nicht zu jedem Menschen.

Wer noch mehrere Jahrzehnte bis zur geplanten Verwendung des Geldes hat, kann Kursschwankungen möglicherweise länger aussitzen. Wer in wenigen Jahren regelmäßig Geld aus dem Depot entnehmen möchte, benötigt häufig eine andere Struktur.

Rebalancing kann nur eine sinnvolle Aufteilung erhalten. Es kann keine ungeeignete Anlagestruktur reparieren.

Wie oft sollte ein ETF Depot neu ausgerichtet werden?

Es gibt keinen allgemein richtigen Termin. Zwei Verfahren sind besonders verbreitet.

Rebalancing nach einem festen Termin

Das Depot wird beispielsweise einmal im Jahr überprüft. Nur wenn eine relevante Abweichung vorliegt, wird gehandelt.

Der Vorteil liegt in der Einfachheit. Ein fester Termin verhindert, dass das Depot ständig beobachtet wird.

Der Nachteil: Größere Abweichungen können zwischen zwei Terminen längere Zeit bestehen bleiben.

Rebalancing nach festen Grenzen

Hier wird erst gehandelt, wenn eine zuvor festgelegte Abweichung überschritten wurde.

Ein Beispiel:

Die Zielquote für Aktien beträgt 70 Prozent. Eine Anpassung erfolgt erst, wenn der tatsächliche Anteil unter 65 oder über 75 Prozent liegt.

Diese Grenzen sind keine allgemeine Empfehlung. Sie müssen zur Depotstruktur, zu den Kosten und zur persönlichen Risikoplanung passen.

Der Vorteil: Kleine Kursbewegungen lösen nicht sofort Käufe und Verkäufe aus.

Der Nachteil: Die Entwicklung muss regelmäßig kontrolliert werden. Wer täglich nachsieht, läuft Gefahr, aus einer langfristigen Regel doch wieder kurzfristigen Aktionismus zu machen.

Warum zu häufiges Rebalancing schaden kann

Eine tägliche oder monatliche Anpassung führt nicht automatisch zu einem besseren Ergebnis.

Häufiges Handeln kann verursachen:

  • Kauf und Verkaufskosten
  • Geld Brief Spannen beim Börsenhandel
  • steuerpflichtige realisierte Gewinne
  • höheren Verwaltungsaufwand
  • unnötige Eingriffe bei kleinen Abweichungen
  • emotionale Fehlentscheidungen

Die US Börsenaufsicht SEC weist darauf hin, dass Rebalancing sowohl nach festen Zeiträumen als auch beim Überschreiten definierter Grenzen erfolgen kann. Es funktioniere in der Regel besser, wenn es nicht zu häufig vorgenommen werde.

Auch die Bundesbank empfiehlt privaten Anlegern einen langfristigen und wenig aktivistischen Ansatz. Zudem sollten die Kosten des Anlageprozesses beachtet werden.

Rebalancing ohne Verkäufe

Ein Verkauf ist nicht immer erforderlich.

Bestehen regelmäßige Sparraten, können neue Beiträge gezielt in die untergewichteten Anlagen fließen. Auch Einmalzahlungen, Ausschüttungen oder frei werdende Festgelder können dafür genutzt werden.

Ein Beispiel:

  • Aktien ETF Ziel: 70 Prozent
  • Aktien ETF aktuell: 75 Prozent
  • sicherer Depotanteil Ziel: 30 Prozent
  • sicherer Depotanteil aktuell: 25 Prozent

Statt Aktien zu verkaufen, wird die nächste Sparrate vollständig in den sicheren Anteil investiert. Dadurch nähert sich das Depot schrittweise der Zielstruktur.

Dieses Vorgehen kann Handelskosten und mögliche Steuerfolgen vermeiden. Bei großen Depots oder erheblichen Abweichungen reicht die Sparrate möglicherweise nicht aus. Dann kann die Anpassung sehr lange dauern.

Welche Steuern eine Rolle spielen können

Wer ETF Anteile mit Gewinn verkauft, realisiert grundsätzlich einen Kapitalertrag. Ob darauf tatsächlich Steuern anfallen, hängt unter anderem vom vorhandenen Freistellungsauftrag, der Höhe bereits erzielter Kapitalerträge, möglichen Verlusten und den steuerlichen Eigenschaften des Fonds ab.

Auch die Teilfreistellung bei bestimmten Fonds kann eine Rolle spielen.

Steuern sollten deshalb vor einer größeren Umschichtung berücksichtigt werden. Sie sind jedoch nicht der einzige Maßstab. Ein dauerhaft deutlich zu hohes Risiko kann schwerer wiegen als eine sofortige Steuerbelastung.

Dieser Beitrag kann eine steuerliche Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen.

Was bei mehreren Depots leicht übersehen wird

Viele Anleger betrachten jedes Konto und jedes Depot einzeln.

Für die tatsächliche Vermögensaufteilung sollten jedoch alle relevanten Anlagen gemeinsam erfasst werden:

  • Wertpapierdepots
  • Tagesgeld und Festgeld
  • fondsgebundene Versicherungen
  • betriebliche Anlagen
  • größere Einzelaktien
  • Beteiligungen
  • geplante Ausgaben
  • Kredite und Immobilienfinanzierungen

Wer im ETF Depot eine Aktienquote von 60 Prozent sieht, kann insgesamt trotzdem deutlich offensiver oder defensiver aufgestellt sein.

Auch ein einzelner ETF ist nicht automatisch ausreichend gestreut. Branchen ETF, Themen ETF oder Fonds für einzelne Länder können erhebliche Konzentrationen enthalten. Die Bundesbank weist darauf hin, dass ETF zwar eine kostengünstige Streuung ermöglichen, aber weiterhin den üblichen Marktrisiken und deutlichen Kursschwankungen unterliegen.

Rebalancing vor und im Ruhestand

Je näher die geplante Entnahme rückt, desto wichtiger wird die Verbindung zwischen Depotstruktur und Liquiditätsplanung.

Ein Depot kann rechnerisch korrekt aufgeteilt sein und trotzdem nicht zum Ruhestand passen. Das gilt beispielsweise, wenn in den ersten Jahren hohe Entnahmen geplant sind, aber kaum schwankungsarme Reserven vorhanden sind.

Vor dem Ruhestand sollten deshalb zusätzlich geprüft werden:

  • Welche regelmäßigen Einnahmen sind sicher?
  • Wie hoch ist die monatliche Versorgungslücke?
  • Welche größeren Ausgaben sind absehbar?
  • Für welchen Zeitraum soll Liquidität bereitstehen?
  • Welche Depotanteile könnten bei schlechten Börsenkursen verkauft werden müssen?
  • Muss die Zielstruktur schrittweise verändert werden?

Eine solche Veränderung ist nicht dasselbe wie Rebalancing.

Beim Rebalancing wird die bestehende Zielstruktur wiederhergestellt. Bei einer strategischen Anpassung wird die Zielstruktur selbst verändert, weil sich Zeitraum, Bedarf oder finanzielle Situation geändert haben.

Typische Fehler beim Rebalancing im ETF Depot

Gewinner einfach weiterlaufen lassen

Nach starken Kurssteigerungen erscheint es unattraktiv, erfolgreiche Anlagen zu reduzieren. Dadurch kann das Risiko jedoch erheblich steigen.

Nach jeder kleinen Abweichung handeln

Nicht jede Veränderung verlangt eine Transaktion. Kleine Schwankungen gehören zur Geldanlage.

Die Zielquote an die Börsenstimmung anpassen

Wer nach Kurssteigerungen mehr Aktien und nach Kursverlusten weniger Aktien halten möchte, handelt häufig der eigenen langfristigen Planung entgegen.

Nur das Wertpapierdepot betrachten

Tagesgeld, Versicherungen, weitere Depots und geplante Ausgaben gehören zur Gesamtbetrachtung.

Steuern und Kosten ignorieren

Ein theoretisch perfekt ausgerichtetes Depot kann wirtschaftlich schlechter sein, wenn dafür unnötig viele Transaktionen erforderlich sind.

Sparraten unverändert lassen

Neue Einzahlungen sind oft der einfachste Weg, Untergewichtungen auszugleichen.

Rebalancing mit einer neuen Strategie verwechseln

Verändert sich der Anlagezeitraum oder beginnt die Entnahmephase, kann eine neue Zielstruktur notwendig sein. Dann reicht die Rückkehr zur alten Quote möglicherweise nicht aus.

Eine praktische Jahreskontrolle

Für eine strukturierte Überprüfung genügen zunächst sieben Fragen:

  1. Welche Zielaufteilung wurde festgelegt?
  2. Wie sieht die tatsächliche Aufteilung heute aus?
  3. Welche Abweichungen sind entstanden?
  4. Hat sich das Anlageziel verändert?
  5. Hat sich der Zeitraum bis zur Verwendung verkürzt?
  6. Können Sparraten oder Ausschüttungen für die Anpassung genutzt werden?
  7. Welche Kosten und steuerlichen Folgen würden Verkäufe auslösen?

Erst danach sollte entschieden werden, ob überhaupt gehandelt werden muss.

Rebalancing im ETF Depot ist bewusst unspektakulär. Es ersetzt keine gute Anlagestrategie und schützt nicht vor Verlusten. Es verhindert aber, dass eine ursprünglich passende Vermögensaufteilung durch Kursbewegungen unbemerkt zu einem ganz anderen Depot wird.

Eine klare Regel nimmt Emotionen aus der Entscheidung. Sie sorgt dafür, dass nicht die zuletzt erfolgreichste Anlage das Risiko bestimmt, sondern der eigene Finanzplan.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage, Rechts oder Steuerberatung dar.