Krankenkasse wechseln: Warum so wenige handeln, obwohl sich oft viel sparen lässt

3. Januar 2026 in GKV, Newsletter

Die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung steigen seit Jahren. Trotzdem bleibt das Verhalten vieler Menschen erstaunlich konstant: Nur ein kleiner Teil der gesetzlich Versicherten nutzt die Möglichkeit, die Krankenkasse zu wechseln. Dabei kann genau das spürbar entlasten, finanziell und manchmal auch im Alltag.

Wenn Sie direkt prüfen möchten, wie groß Ihr Einsparpotenzial sein kann, nutzen Sie den  Krankenkassenvergleich.

Nur wenige wechseln, obwohl viele sparen könnten

Eine aktuelle Umfrage zeigt ein klares Bild: Im Jahr 2025 hat nur etwa jeder zwanzigste gesetzlich Versicherte die Krankenkasse gewechselt. Das entspricht rund fünf Prozent. Gleichzeitig haben sehr viele ihre Kasse entweder noch nie gewechselt oder seit langer Zeit nicht mehr. Für die meisten ist die Krankenkasse damit eine Entscheidung, die einmal getroffen wurde und dann viele Jahre unverändert bleibt.

Das ist nachvollziehbar, denn Krankenversicherung wirkt komplex. Man vermutet schnell Aufwand, Papierkram oder Leistungsrisiken. Genau hier liegt jedoch ein verbreitetes Missverständnis: Ein Wechsel bedeutet in der Regel keinen Verlust an medizinischer Grundversorgung. Die gesetzlich festgelegten Pflichtleistungen bleiben gleich. Unterschiede entstehen vor allem bei Zusatzleistungen, beim Beitrag und beim Service.

Einen ersten Überblick bekommen Sie über den Krankenkassenvergleich.

Warum ein Wechsel sich oft lohnt

Je nach Einkommen und Beitragssatz können sich mehrere hundert Euro Ersparnis pro Jahr ergeben. Und das ohne, dass man beim Arzt oder im Krankenhaus weniger versorgt wird. Wer bisher nicht geprüft hat, ob die eigene Kasse noch gut zum eigenen Bedarf passt, verschenkt damit unter Umständen Jahr für Jahr Geld.

Dabei geht es nicht nur um den reinen Beitrag. Viele Kassen unterscheiden sich etwa bei Zusatzangeboten wie Budgets für bestimmte Vorsorgeleistungen, Reiseimpfungen, Zuschüssen zu ausgewählten Leistungen oder digitalen Services. Wer solche Bausteine nutzt, kann den tatsächlichen Gegenwert deutlich erhöhen.

Rechnen Sie es am besten einmal durch, zum Beispiel mit dem Krankenkassenvergleich.

Wechsel führt häufig zu mehr Zufriedenheit

Ein weiterer Punkt wird oft unterschätzt: Viele Menschen sind nach einem Wechsel zufriedener als vorher. Der Grund ist meist nicht nur der Beitrag, sondern das Gesamtpaket. Wenn Service schneller wird, digitale Prozesse funktionieren oder Zusatzleistungen besser passen, steigt die wahrgenommene Qualität.

Bemerkenswert ist auch: Nur ein sehr kleiner Anteil der Wechsler ist nach dem Wechsel unzufriedener. Das spricht dafür, dass ein sauber vorbereiteter Vergleich in der Praxis häufig zu einer Verbesserung führt.

 Wenn Versicherte die Kasse wechseln, dann meist aus drei Gründen:

  1. Der Beitrag sinkt, oder die Kostensteigerung bei der bisherigen Kasse wird besonders stark spürbar.
  2. Die Leistungen passen besser zum eigenen Bedarf, zum Beispiel bei Familien, bei Vorsorgethemen oder bei bestimmten Extras.
  3. Der Service überzeugt, etwa durch Erreichbarkeit, digitale Angebote, schnelle Prozesse oder klare Kommunikation.

Interessant ist: Empfehlungen und Bonusprogramme spielen zwar eine Rolle, sind aber deutlich weniger entscheidend als Beitrag, Leistung und Service. Viele suchen also nicht einfach die günstigste Kasse, sondern die beste Kombination aus Kosten und Nutzen.

Typische Gründe, warum viele trotzdem nicht wechseln

Aus der Praxis tauchen immer wieder ähnliche Bremsen auf:

  1. Man denkt, der Wechsel sei kompliziert.
  2. Man ist unsicher, ob Leistungen verloren gehen.
  3. Man schiebt das Thema auf, weil es nicht dringend wirkt.
  4. Man glaubt, die Unterschiede seien ohnehin gering.

In der Realität ist der Prozess meist überschaubar. Kündigungs- und Wechselwege sind inzwischen standardisiert. Viel wichtiger als der Wechsel selbst ist die Vorbereitung: Der Vergleich sollte zu den eigenen Prioritäten passen.

So gehen Sie sinnvoll vor, ohne sich zu verzetteln

Diese Schritte haben sich bewährt:

  1. Prüfen Sie Ihren aktuellen Zusatzbeitrag und den Gesamtbeitrag Ihrer Kasse.
  2. Definieren Sie Ihre wichtigsten Kriterien, zum Beispiel Zusatzleistungen, Service, digitale Funktionen oder Bonus.
  3. Vergleichen Sie mehrere Kassen anhand dieser Kriterien, idealerweise mit einem strukturierten Tool.
  4. Klären Sie, ob es eine Bindungsfrist gibt und ab wann Sie wechseln dürfen.
  5. Stellen Sie den Antrag bei der neuen Kasse. Diese übernimmt in der Regel den Wechselprozess.

Für Schritt 3 eignet sich der Krankenkassenvergleich sehr gut.

Kleine Entscheidung, großer Effekt

Dass 2025 nur ein kleiner Teil der gesetzlich Versicherten die Krankenkasse gewechselt hat, zeigt vor allem eines: Das Thema wird häufig unterschätzt. Dabei kann ein Wechsel nicht nur Geld sparen, sondern auch die Zufriedenheit erhöhen, wenn Beitrag, Leistung und Service besser zusammenpassen.

Für die schnelle Vorauswahl können Sie direkt den Krankenkassenvergleich nutzen.

1) In 2 Minuten Ihr Profil festlegen

Ordnen Sie sich in jede Zeile ein. Das reicht als Basis.

  1. Einkommen: unter Beitragsbemessungsgrenze oder darüber
  2. Familienstatus: allein oder Familie mit Kindern
  3. Nutzung: selten Arzt oder häufig Arzt bzw. regelmäßige Medikamente oder Therapien
  4. Wichtigste Extras: Vorsorge, Zähne, Reiseimpfungen, alternative Heilmethoden, Bonus
  5. Servicebedarf: digital genügt oder Sie möchten gute Erreichbarkeit und persönliche Beratung

2) Die 5 Kennzahlen, die fast immer entscheiden

Diese Kennzahlen geben Ihnen die größte Wirkung bei geringem Aufwand.

  1. Zusatzbeitrag und Gesamtbeitrag
    Das ist der schnelle Euro Hebel. Im Krankenkassenvergleich sehen Sie die Beitragssätze meist sofort.
  2. Leistungsbudget für Vorsorge und Prävention
    Achten Sie auf Budgets und Erstattungsbeträge, nicht auf Werbeformeln.
  3. Zuzahlungen und Erstattungen bei Zähnen
    Häufig relevant, weil hier zwischen Kassen spürbare Unterschiede liegen können.
  4. Bonusprogramm Logik
    Entscheidend ist nicht, dass es einen Bonus gibt, sondern ob Sie die Bedingungen realistisch erfüllen.
  5. Service und Prozesse
    Digitale App Funktionen, Erreichbarkeit, Bearbeitungszeiten, klare Kommunikation. Das ist ein Zufriedenheitsfaktor.

3) Die Kandidatenliste in 10 Minuten eingrenzen

Arbeiten Sie in drei Filtern. Sie brauchen dafür keine Detailanalyse.

Filter 1: Beitrag
Nehmen Sie die 10 bis 15 Kassen mit dem niedrigsten Gesamtbeitrag als Startmenge.
Der Krankenkassenvergleich hilft Ihnen dabei.

Filter 2: Muss Kriterien
Streichen Sie alle Kassen, die Ihre Top 2 Muss Kriterien nicht erfüllen, zum Beispiel Reiseimpfungen, Zahnleistungen, Präventionsbudget, alternative Leistungen oder ein bestimmtes Bonusmodell.

Filter 3: Service Check
Jetzt bleiben meist 3 bis 6 Kassen übrig. Prüfen Sie kurz, ob die Kasse zu Ihrem Service Stil passt: Digital stark oder eher klassische Betreuung. Das ist oft der Unterschied zwischen sparen und glücklich sein.

Rente per Einmalbetrag: Worauf es ankommt

24. Dezember 2025 in Altersvorsorge, Newsletter, Vermögensanlage

Viele Menschen stellen irgendwann fest, dass zwischen gesetzlicher Rente und gewünschtem Lebensstandard eine spürbare Lücke bleibt. Wer zu diesem Zeitpunkt Vermögen aufgebaut hat, etwa durch Immobilienverkauf, Abfindung, Unternehmensverkauf oder Erbe, sucht häufig nach einer Lösung, die zwei Dinge verbindet: planbare Auszahlungen und eine nachvollziehbare Strategie.

Eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag kann genau das leisten. Sie ist aber kein Selbstläufer. Ob sie passt, entscheidet sich nicht am Prospekt, sondern an Kosten, Vertragsmechanik, Rentenfaktor, Flexibilität und der Frage, ob Sie eher Rente oder Verfügbarkeit einkaufen wollen.

Das Grundprinzip

Sie zahlen einmalig einen größeren Betrag ein. Dieser wird bis zum Rentenbeginn angelegt. Ab Rentenstart haben Sie je nach Vertrag typischerweise zwei Optionen:

  • Lebenslange Rente: monatliche Auszahlung bis ans Lebensende
  • Kapitalauszahlung oder Teilentnahmen: Auszahlung des angesparten Kapitals, ganz oder in Teilen (sofern vertraglich vorgesehen)

Wichtig ist die Einordnung: Oft wird umgangssprachlich von „Sofortrente“ gesprochen, tatsächlich handelt es sich in vielen Fällen um eine aufgeschobene Lösung mit Einmalzahlung heute und Rentenbeginn später.

Zwei Produktwelten: klassisch oder fondsgebunden

Fondsgebunden: mehr Renditechance, mehr Schwankung

Hier fließt das Geld in Fonds oder ETFs, häufig mit frei wählbaren oder modellbasierten Strategien. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie

  • einen ausreichend langen Anlagehorizont haben
  • Schwankungen aushalten können
  • Wert auf reale Kaufkrafterhaltung legen

Die Kehrseite ist klar: Marktphasen wirken unmittelbar. Ohne geeignete Mechanismen zur Risikoreduktion vor Rentenbeginn kann ein ungünstiger Zeitpunkt die spätere Rente oder das verfügbare Kapital spürbar beeinträchtigen.

Klassisch: mehr Planbarkeit, häufig weniger Renditepotenzial

Bei klassischen Tarifen übernimmt der Versicherer die Anlage. Das wirkt beruhigend, weil Garantien und eine defensivere Anlagepolitik oft bessere Planbarkeit liefern. Dafür ist die erwartbare Rendite tendenziell niedriger.

Eine pragmatische Faustregel:

  • Renditeorientiert und entscheidungsfreudig: fondsgebunden
  • Sicherheitsorientiert und planungsfokussiert: klassisch

Kosten: Der häufigste Renditekiller

Der entscheidende Punkt wird gern unterschätzt: Nicht Ihr Bruttobeitrag arbeitet, sondern das, was nach Kosten tatsächlich investiert wird.

Typische Kostenfelder sind:

  • Abschluss und Vertriebskosten
  • laufende Verwaltungskosten
  • Kosten der Fonds oder ETFs
  • gegebenenfalls Kosten für Garantien oder Zusatzoptionen

Gerade bei langen Laufzeiten wirken laufende Kosten wie Sand im Getriebe. Schon kleine Unterschiede können über Jahre eine erhebliche Wirkung auf Kapital und spätere Rentenhöhe haben.

Rentenfaktor, Garantien und was wirklich zählt

Wenn Sie lebenslang verrenten möchten, müssen Sie zwei Größen verstehen:

  • Garantierter Rentenfaktor: Er bestimmt die Mindesthöhe der Rente je Verrentungskapital. Das ist Ihre Unterkante.
  • Garantien insgesamt: Sie definieren, wie viel Sicherheit Sie einkaufen und wie stark das Renditepotenzial dadurch eingeschränkt wird.

Achtung: Ein scheinbar guter Rentenfaktor nützt wenig, wenn das Vertragsgerüst teuer ist oder die Anlagekonstruktion schlecht passt. Umgekehrt kann ein flexibler, kosteneffizienter Tarif mit solider Rentenlogik langfristig überlegen sein.

Flexibilität: Was Sie vor Unterschrift klären sollten

Viele Verträge wirken in der Theorie flexibel, in der Praxis aber nur unter Bedingungen. Prüfen Sie insbesondere:

  • Todesfallregelungen: Was passiert mit dem Kapital vor Rentenbeginn oder kurz danach? Gibt es Kapitalrückgewähr oder Hinterbliebenenoptionen?
  • Teilentnahmen: Sind Entnahmen möglich, ohne die Vertragslogik zu zerstören? Zu welchen Kosten?
  • Rentenbeginn: Können Sie den Start vorziehen oder schieben? Welche Folgen hat das?
  • Risikosteuerung: Gibt es Mechanismen, die das Risiko zum Rentenstart hin reduzieren, etwa Umschichtungsmodelle?
  • Transparenz: Sind Annahmen, Kosten und Szenarien so dargestellt, dass Sie sie nachvollziehen können?

Wenn Unterlagen oder belastbare Modellrechnungen schwer zu bekommen sind, ist das ein Warnsignal.

Steuern: Rente und Kapital sind nicht dasselbe

Steuerlich kann eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag attraktiv sein, aber nur, wenn Sie die Auszahlungsform sauber einplanen.

Lebenslange Rente

Bei privaten Renten wird in der Regel nicht die volle Rente besteuert, sondern nur ein anteiliger Ertragsbestandteil. Das kann die Nettorente spürbar verbessern, besonders wenn der persönliche Steuersatz im Alter moderat ist.

Kapitalauszahlung

Bei Kapitalauszahlungen hängt die steuerliche Behandlung von Rahmenbedingungen wie Laufzeit und Alter ab. Je nach Konstellation kann die Besteuerung begünstigt sein, aber auch hier gilt: Steuer ist nur ein Teil der Gleichung. Kosten und Produktqualität müssen trotzdem stimmen.

Vergleich zum Depot

Ein ETF Depot bietet oft maximale Flexibilität, dafür fallen Steuern typischerweise laufend an (je nach Erträgen, Vorabpauschale, Umschichtungen). Ob das besser oder schlechter ist, hängt weniger von Ideologie ab als von Ihrem Ziel: lebenslange Rente oder frei verfügbares Vermögen.

Merksatz:

  • Rente und Langlebigkeitsabsicherung: Versicherung kann sinnvoll sein
  • Flexibilität und Verfügbarkeit: Depot ist häufig stärker
  • In der Praxis oft optimal: Kombination aus beidem

Häufig die beste Lösung: Teilverrentung statt Alles oder Nichts

Viele gute Konzepte folgen einem einfachen Muster:

  1. Basisbedarf im Alter definieren
  2. Einen Teil des Vermögens zur Stabilisierung dieses Bedarfs verrenten
  3. Den Rest flexibel und kosteneffizient anlegen, um Chancen auf Kaufkrafterhalt und Liquidität zu behalten

So sichern Sie sich planbare Zahlungen, ohne das gesamte Vermögen in eine starre Logik zu überführen.

Nachhaltige Varianten: Etikett genügt nicht

Nachhaltige Optionen gibt es, aber die Qualität hängt stark davon ab, was tatsächlich investierbar ist. Prüfen Sie:

  • ob breit diversifizierte nachhaltige Aktienbausteine verfügbar sind
  • wie stark das Portfolio eingeschränkt wird
  • ob Einschränkungen zu höheren Kosten oder schlechterer Streuung führen

Nachhaltigkeit ist ein legitimes Ziel. Sie sollte aber nicht dazu führen, dass Sie unbemerkt auf Diversifikation oder Kosteneffizienz verzichten.

Fazit

Eine Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag kann ein sehr gutes Werkzeug sein, wenn Sie bewusst Planbarkeit, Steuerlogik und die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos einkaufen möchten. Sie ist jedoch kein Standardprodukt, das man „einfach macht“. Entscheidend sind:

  • konsequent niedrige und transparente Kosten
  • ein nachvollziehbarer Rentenfaktor und eine saubere Verrentungslogik
  • echte Flexibilität bei Entnahmen und Rentenbeginn
  • eine Anlagekonstruktion, die zu Ihrem Risiko und Zeithorizont passt

Informationen zum geplanten Altersvorsorgedepot

21. Dezember 2025 in Altersvorsorge, Investmentfonds, Newsletter, Vermögensanlage

Das geplante Altersvorsorgedepot der Bundesregierung soll die private Altersvorsorge vereinfachen, renditestärker machen und die Riester-Rente schrittweise ablösen. Kernidee ist ein staatlich gefördertes Depot, in dem Bürgerinnen und Bürger breit gestreut vor allem in Fonds und andere Wertpapiere investieren, ohne starre Garantievorgaben.

Einordnung: Warum ein Altersvorsorgedepot?

Die Bundesregierung verfolgt mit der Reform das Ziel, alle drei Säulen der Altersvorsorge – gesetzlich, betrieblich und privat – zukunftsfester zu machen. Hintergrund sind demografischer Wandel, sinkendes Rentenniveau und die Schwächen der bisherigen Riester-Förderung, die für viele Menschen zu kompliziert, zu unflexibel und zu renditeschwach war.

Gleichzeitig soll die Förderung stärker auf kapitalmarktnahe Produkte ausgerichtet werden, damit langfristig höhere Renditechancen genutzt werden können. Das Altersvorsorgedepot ist dabei der zentrale Baustein der Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge.

Die Grundzüge des Altersvorsorgedepots

Das Altersvorsorgedepot wird als neue zertifizierte Produktkategorie eingeführt, die ohne starre Garantievorgaben auskommt. Anbieter können daneben weiterhin Produkte mit teilweisen oder vollen Kapitalgarantien anbieten, etwa mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie, für alle, die mehr Sicherheit wünschen.

Wesentliche Merkmale des geplanten Modells:

  • Freiwillige Teilnahme: Bürgerinnen und Bürger können sich entscheiden, ob sie ein Altersvorsorgedepot nutzen wollen; ein Zwang besteht nicht.
  • Zertifizierte Produkte: Es dürfen nur Produkte angeboten werden, die die gesetzlichen Kriterien erfüllen und entsprechend zugelassen sind.
  • Langfristige Ausrichtung: Die Struktur ist klar auf den Ruhestand ausgerichtet; vorzeitige Entnahmen sind in der Regel nur eingeschränkt möglich.

Geplant ist, dass das Altersvorsorgedepot die bisherige Riester-Förderung perspektivisch ersetzt und erstmals ab dem Jahr 2027 im breiten Markt zur Verfügung steht.

Förderung: Wie der Staat das Depot bezuschusst

Kern der Reform ist eine neu gestaltete staatliche Förderung, die sich pro eingezahltem Euro bemisst, statt über eine starre Grundzulage. Die heute bekannte Grundzulage von 175 Euro im Riester-System soll entfallen.

Nach jetzigem Stand sind insbesondere folgende Eckpunkte vorgesehen:

  • Förderfähige Einzahlungen: Eigenbeiträge von mindestens 120 Euro im Jahr (10 Euro im Monat) werden gefördert.
  • Förderquote bis 1.200 Euro: Für Einzahlungen bis 1.200 Euro pro Jahr ist eine Förderung von 30 Prozent vorgesehen, die ab 2029 auf 35 Prozent steigen soll.
  • Förderquote von 1.200 bis 1.800 Euro: Für den darüber hinausgehenden Teil bis 1.800 Euro pro Jahr soll eine Förderquote von 20 Prozent gelten.
  • Maximal geförderter Beitrag: Der maximal geförderte Eigenbeitrag liegt damit bei 1.800 Euro jährlich.

Die Förderung soll grundsätzlich allen inländisch gesetzlich Rentenversicherten offenstehen, was den Zugang breiter macht als manche bisherigen Modelle. Steuerlich ist eine nachgelagerte Besteuerung vorgesehen, ähnlich wie bei anderen geförderten Altersvorsorgeformen: Die Beiträge werden begünstigt, die Leistungen später versteuert.

Anlageuniversum: Was im Altersvorsorgedepot investiert werden darf

Das Altersvorsorgedepot soll bewusst auf ein breites, kapitalmarktnahes Anlageuniversum setzen, um langfristig höhere Renditechancen zu eröffnen. Das Gesetz denkt dabei nicht nur an klassische Aktienfonds, sondern an eine breitere Palette zulässiger Anlagen.

Geplant ist insbesondere eine Zulassung folgender Anlageklassen:

  • Anteile an offenen Publikumsfonds (OGAW-Sondervermögen nach Kapitalanlagegesetzbuch).
  • Anteile an offenen Publikums-AIF und an europäischen langfristigen Investmentfonds (ELTIF).
  • Bestimmte auf Euro lautende Schuldverschreibungen deutscher Gebietskörperschaften und Körperschaften öffentlichen Rechts sowie ausgewählte Emittenten anderer EU-Staaten und europäischer Institutionen (EIB, ESM usw.).

Im Unterschied zu frühen Konzepten, die sehr stark auf Aktien und ETFs fokussiert waren, erlaubt der aktuelle Entwurf also auch festverzinsliche Wertpapiere und Spezialfondsstrukturen. Entscheidend ist, dass die Produkte die Zertifizierungsvorgaben erfüllen, etwa hinsichtlich Kosten, Transparenz und Anlagegrundsätzen.

Wechsel, Umwandlung und Transparenz

Viele bestehende Riester-Verträge gelten als kompliziert und schwer vergleichbar; hier setzt die Reform ebenfalls an. Geplant ist, dass Vertragsinhaber ihre bestehenden Riester-Verträge zu einem späteren Zeitpunkt in ein Altersvorsorgedepot überführen können.

Vorgesehen sind im Kern:

  • Wechseloptionen: Riester-Vertragsinhaber sollen ab etwa 2027 die Möglichkeit erhalten, ihre bestehenden Verträge in das neue System zu überführen.
  • Erleichterter Anbieterwechsel: Ein Wechsel zwischen Anbietern des Altersvorsorgedepots soll erleichtert werden, um mehr Wettbewerb um Kosten und Leistung zu schaffen.
  • Vergleichsplattform: Eine zentrale Vergleichsmöglichkeit für zertifizierte Produkte ist geplant, damit Verbraucher Kosten, Performance und Konditionen einfacher gegenüberstellen können.

Diese Transparenzinstrumente sollen helfen, das Vertrauen in die private Altersvorsorge zu stärken und den Markt von teuren, intransparenten Produkten zu bereinigen.br+1

Frühstart-Rente und Kinder-Depot

Parallel zum Altersvorsorgedepot plant die Bundesregierung eine sogenannte Frühstart-Rente, die insbesondere Kinder und Jugendliche frühzeitig an kapitalgedeckte Vorsorge heranführen soll. Ziel ist, mit einem staatlich initiierten Startkapital und laufenden Zuschüssen den Zinseszinseffekt über einen sehr langen Zeitraum zu nutzen.

Die Eckpunkte sehen vor:

  • Altersgruppe: Kinder im Alter von etwa sechs bis 18 Jahren, die in Deutschland zur Schule gehen, sollen erfasst werden.
  • Staatlicher Beitrag: Pro Kind sind staatliche Zahlungen von monatlich rund zehn Euro vorgesehen, die in ein Kinder-Depot für die Altersvorsorge fließen.
  • Gestaltung: Eltern können ein eigenes Depot für das Kind eröffnen und zusätzliche private Beiträge leisten; werden sie nicht aktiv, wird das staatliche Geld zentral verwaltet, bis es zum 18. Geburtstag in einen Altersvorsorgevertrag überführt wird.

Dieses Instrument ergänzt das Altersvorsorgedepot, indem es gerade für Familien mit geringeren Einkommen einen frühzeitigen Einstieg in kapitalgedeckte Vorsorge ermöglicht.

Zusammenhang mit Aktienrente und Generationenkapital

Das Altersvorsorgedepot ist Teil der dritten Säule der Altersvorsorge, während die sogenannte Aktienrente beziehungsweise das Generationenkapital in der ersten Säule – der gesetzlichen Rentenversicherung – ansetzt. Beide Maßnahmen verfolgen das Ziel, die Rente stärker kapitalgedeckt zu flankieren, aber sie funktionieren unterschiedlich.

Wesentliche Unterschiede:

  • Beim Altersvorsorgedepot zahlen Bürgerinnen und Bürger eigenes Geld ein und erhalten eine direkte staatliche Förderung.
  • Beim Generationenkapital investiert der Staat Kreditmittel und Vermögenswerte am Kapitalmarkt, um langfristig Erträge zur Stabilisierung des Beitragssatzes in der gesetzlichen Rentenversicherung zu erzielen.

In der Praxis wird die künftige Altersvorsorge vieler Menschen sich aus allen drei Ebenen zusammensetzen: gesetzliche Rente, betriebliche Vorsorge und private Bausteine wie das Altersvorsorgedepot.

Chancen: Was spricht für das Altersvorsorgedepot?

Aus Sicht von Privatanlegern und der Finanzplanung ergeben sich einige klare Pluspunkte:

  • Höhere Renditechancen: Der Verzicht auf starre Garantien ermöglicht einen höheren Aktien- und Fondsanteil, was langfristig erfahrungsgemäß zu besseren Renditen führen kann.
  • Zielgenaue Förderung: Die pro-Euro-Förderung mit bis zu 30 beziehungsweise künftig 35 Prozent bis 1.200 Euro und 20 Prozent für darüber hinausgehende Beträge setzt starke Anreize zum regelmäßigen Sparen.
  • Niedrige Einstiegshürde: Bereits ab 120 Euro Jahresbeitrag besteht Förderanspruch, was auch Menschen mit kleineren Budgets den Einstieg erleichtert.
  • Bessere Vergleichbarkeit: Geplante Vergleichsplattformen und klarere Produktkriterien sollen Transparenz erhöhen und Kosten senken.

Gerade für langfristig orientierte Sparer, die breit gestreut investieren und Schwankungen aushalten können, kann das Altersvorsorgedepot zu einem zentralen Baustein der privaten Altersvorsorge werden.

Risiken und offene Punkte

Trotz der Chancen gibt es auch Kritikpunkte und offene Fragen, die in der politischen und fachlichen Diskussion eine Rolle spielen.

Wichtige Aspekte:

  • Marktrisiko: Höhere Renditechancen beruhen auf Kapitalmarktanlagen und gehen mit Kursschwankungen und Verlustrisiken einher, insbesondere bei kurzfristigen Betrachtungszeiträumen.
  • Detailfragen der Kosten: Noch ist offen, wie streng die Vorgaben zu Kostenobergrenzen und Vertriebsausgestaltung am Ende ausfallen und wie groß die Kostenspanne zwischen Anbietern sein wird.
  • Übergang von Riester: Die konkrete Ausgestaltung der Umwandlungsmöglichkeiten und die Behandlung bestehender Garantien und Altverträge werden für viele Sparer entscheidend sein.
  • Steuerliche Details: Die genaue Ausprägung der nachgelagerten Besteuerung im Zusammenspiel mit anderen Vorsorgeformen muss in der Praxis sorgfältig geprüft werden.

Fachkritik weist außerdem darauf hin, dass eine echte Reform auch eine konsequente Vereinfachung des Fördersystems und möglichst geringe Bürokratie erfordert – hier wird sich erst in der Praxis zeigen, wie konsequent das gelingt.

Was Anleger jetzt schon tun können

Auch wenn das Altersvorsorgedepot erst in den nächsten Jahren praktisch verfügbar sein wird, können sich Anleger heute strategisch vorbereiten.

Sinnvolle Schritte:

  • Bestehende Verträge prüfen: Riester-Verträge, ungeförderte Fondssparpläne und andere Vorsorgeprodukte sollten auf Kosten, Rendite und Flexibilität analysiert werden, um später fundiert entscheiden zu können, ob ein Wechsel sinnvoll ist.
  • Sparquote festlegen: Die geplanten Förderstufen (bis 1.200 und 1.800 Euro) können als Orientierung dienen, um die eigene Ziel-Sparrate für die künftige geförderte Vorsorge festzulegen.
  • Risikotoleranz klären: Wer frühzeitig klärt, welchen Aktienanteil er langfristig aushält, kann ein Altersvorsorgedepot später passgenau nutzen, statt sich im Nachhinein mit Schwankungen unwohl zu fühlen.
  • Liquiditätsreserve aufbauen: Eine separate, kurzfristige Reserve hilft, das Altersvorsorgedepot wirklich langfristig laufen zu lassen, ohne in schwachen Marktphasen verkaufen zu müssen.

Sobald die konkreten Produkte, Zertifizierungen und Kostenstrukturen feststehen, wird eine individuelle Finanzplanung wichtig, um das Altersvorsorgedepot sinnvoll in das gesamte Vorsorgekonzept einzubauen.

Stand dieser Information ist der 21.12.2025

Nachhaltig investieren ohne Selbstbetrug

14. Dezember 2025 in Altersvorsorge, Education, Investmentfonds, Newsletter, Vermögensanlage

Nachhaltige Geldanlage ist im Mainstream angekommen. Das ist grundsätzlich gut. Es hat jedoch eine Nebenwirkung, über die man offen sprechen muss: Je größer der Markt, desto lauter das Marketing. Und je lauter das Marketing, desto größer die Gefahr, dass Anleger am Ende vor allem eines kaufen: ein gutes Gefühl. Nicht unbedingt ein gutes Produkt.
Wenn auf einem Fonds oder ETF nachhaltig, ESG, SRI oder grün steht, ist das kein Beweis, sondern eine Behauptung. Die entscheidende Frage lautet nicht: Klingt das Produkt nachhaltig? Sondern: Welche Regeln gelten konkret, was passiert in Grenzfällen und was liegt tatsächlich im Portfolio?
Dieser Beitrag trennt sauber zwischen zwei Welten, die in der Praxis ständig vermischt werden: Negatives vermeiden und Positives fördern. Dazu kommt als dritter Weg die Transition: der Umbau bestehender Geschäftsmodelle. Wer diese Unterschiede nicht sauber versteht, wird zwangsläufig falsch investieren. Oder anders gesagt: Man kann sich sehr nachhaltig fühlen und gleichzeitig ziemlich konventionell anlegen.

1. Drei Nachhaltigkeiten, die gerne so tun, als wären sie eine
Bevor Sie über Produkte sprechen, müssen Sie über Logik sprechen. Denn unter dem Etikett nachhaltig werden drei völlig unterschiedliche Zielsysteme verkauft.
1.1 Werteorientierung
Hier geht es um No Go Regeln. Sie wollen bestimmte Branchen oder Praktiken nicht im Portfolio haben. Punkt. Das ist legitim. Es ist nur eben keine Wirkungsstrategie, sondern eine Vermeidungsstrategie.
1.2 ESG als Risikomanagement
Hier wird Nachhaltigkeit als zusätzlicher Blick auf Unternehmensqualität und Risiken genutzt. Das kann sinnvoll sein, weil schlechte Governance, Lieferkettenchaos oder Klimarisiken reale finanzielle Folgen haben. Nur sollte man es nicht als moralische Hochleistung verkaufen. ESG Integration ist häufig: besseres Risikomanagement, nicht automatisch bessere Welt.
1.3 Wirkung und Beitrag
Hier soll Kapital messbar zu Umwelt und Sozialzielen beitragen. Das klingt am attraktivsten, ist aber am anspruchsvollsten. Wirkung muss definiert, gemessen und berichtet werden. Wer Impact erwartet und ein beliebiges ESG Produkt kauft, wird enttäuscht. Wer Impact verspricht und nur oberflächlich filtert, betreibt Etikettenschwindel.
Merksatz: Sie bekommen nur das, was Sie ausdrücklich definieren. Alles andere ist Hoffnung als Anlagestrategie.

2. Negatives vermeiden versus Positives fördern: Der Unterschied, der alles entscheidet
2.1 Negatives vermeiden
Die Leitfrage lautet: Was darf nicht im Portfolio vorkommen?
Typische Ausschlüsse sind:
• Kontroverse Waffen und schwere Menschenrechtsverstöße
• Tabak
• Kohle und besonders klimaschädliche Fördermethoden
• schwere Korruption und systematische Governance Probleme
• gravierende Umweltverstöße
• Verstöße gegen internationale Normen wie UN Global Compact oder OECD Leitsätze
Das ist gut umsetzbar, oft auch kostengünstig über ETFs. Aber lassen Sie sich bitte nichts vormachen: Vermeidung ist nicht Förderung. Sie reduzieren potenziellen Schaden, Sie finanzieren dadurch aber nicht automatisch Lösungen.
2.2 Positives fördern
Die Leitfrage lautet: Wofür soll Ihr Geld arbeiten?
Typische Förderthemen:
• Energiewende, Netze, Speicher, Energieeffizienz
• Wasser und Infrastruktur
• Kreislaufwirtschaft, Recycling, Ressourceneffizienz
• Biodiversität und nachhaltige Landnutzung
• Bildung, Gesundheit, bezahlbarer Wohnraum
Hier beginnt die echte Arbeit. Denn diese Strategien bringen Nebenwirkungen mit:
• höhere Volatilität
• Klumpenrisiken
• Abhängigkeit von Politik und Regulierung
• Bewertungsblasen in Boomphasen
Wer das verschweigt, verkauft nicht Nachhaltigkeit, sondern eine Story.
2.3 Transition: Der Umbau ist nicht hübsch, aber oft notwendig
Es gibt einen doppelten Denkfehler im Markt: Entweder man verlangt Reinheit und blendet aus, dass die großen Emittenten transformieren müssen. Oder man behauptet Transition und liefert am Ende nur ein normales Portfolio mit grünem Anstrich.
Transition kann sinnvoll sein, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
• klare Transformationsstrategie und Investitionspläne
• transparente Ziele und messbarer Fortschritt
• aktives Engagement mit Stimmrechtsausübung und Eskalationslogik
Alles andere ist: Wir halten es, weil es im Index ist, und nennen es Transformation.

3. Die Strategien im Markt: Was sie leisten und wo sie gern täuschen
Nachhaltige Strategien sind kein Geheimwissen. Entscheidend ist, ob Anbieter sie sauber umsetzen oder nur behaupten.
3.1 Ausschlüsse
Stark für Werteorientierung. Schwach, wenn Schwellen weich sind. Wenn Kohle erst ab hohen Umsatzanteilen ausgeschlossen wird, bleibt Kohle im Portfolio. Nur eben versteckt.
3.2 Normbasiertes Screening
Solide Mindeststandards, aber oft reaktiv. Es greift, wenn ein Skandal schon öffentlich ist.
3.3 Best in Class
Konzeptionell sauber, weil es innerhalb einer Branche die besseren Akteure bevorzugt. Gleichzeitig moralisch für manche Anleger unpassend, weil auch problematische Branchen vorkommen können. Wer Best in Class kauft und erwartet, dass alles rein ist, hat das Prinzip nicht verstanden.
3.4 ESG Integration
Oft vernünftiges Risikomanagement. Aber als Anleger sollten Sie wissen: Das Ergebnis kann sehr nah am Standardmarkt bleiben. ESG Integration ist häufig “weniger schlecht”, nicht “grundsätzlich anders”.
3.5 Themenfonds und Lösungen
Das ist Förderung. Gleichzeitig ist es oft ein konzentriertes Wagnis. Clean Energy klingt großartig, kann aber in der Praxis ein sehr enges, politisch getriebenes Segment sein.
3.6 Engagement und Stewardship
Das ist die Königsdisziplin, wenn es ernst gemeint ist. Aber auch die bequemste Ausrede, wenn es nicht ernst gemeint ist. Ohne Abstimmungsberichte, Engagement Ziele und Eskalation ist es Marketing.
3.7 Impact
Hoher Anspruch, potenziell hoher Nutzen, aber nicht automatisch “besser”. Wirkungslogik und Messbarkeit müssen belastbar sein. Ansonsten bleibt Impact ein Wort, das man gut auf Broschüren drucken kann.

4. Regulierung hilft, aber sie nimmt Ihnen das Denken nicht ab
Die EU hat Leitplanken gesetzt: Nachhaltigkeitspräferenzen müssen abgefragt und berücksichtigt werden, wenn Kunden sie wünschen. Das schafft Ordnung. Es schafft aber keine automatische Qualität.
Praxisrelevant sind drei Stellhebel, über die Nachhaltigkeitspräferenzen investierbar gemacht werden:
1. Mindestanteil Taxonomie konformer Investitionen
Das ist streng, aber das Angebot ist in der Praxis häufig noch begrenzt. Wer hier hohe Quoten fordert, muss akzeptieren, dass das investierbare Universum enger wird.
2. Mindestanteil nachhaltiger Investitionen im Sinne der Offenlegungslogik
Hier zählt, wie “nachhaltige Investition” konkret definiert und nachgewiesen wird. Es gibt Interpretationsspielräume. Genau deshalb ist Dokumentenprüfung wichtig.
3. Berücksichtigung wesentlicher nachteiliger Auswirkungen
Das ist oft der pragmatischste Hebel: Sie definieren, welche negativen Effekte vermieden oder reduziert werden sollen, und prüfen, ob der Fonds dazu Regeln und Reporting hat.
Ein wichtiger Punkt für die Praxis: Artikel 8 oder Artikel 9 wird gern als hellgrün oder dunkelgrün verkauft. Beides kann sinnvoll sein. Beides kann auch enttäuschen. Entscheidend ist nicht die Schublade, sondern der Inhalt.

5. Greenwashing erkennen: Die Muster sind erstaunlich banal
Greenwashing hat meistens keine spektakulären Tricks. Es hat Routine.
5.1 ESG im Namen, Standardmarkt im Portfolio
Wenn die Top Positionen aussehen wie ein normaler Weltindex, ist das kein Skandal. Es ist nur nicht das, was viele Anleger erwarten.
5.2 Weiche Schwellen und Ausnahmen
Ausschlüsse, die erst bei extrem hohen Umsatzanteilen greifen, sind keine echten Ausschlüsse. Sie sind ein Feigenblatt.
5.3 Best in Class wird als Reinheit verkauft
Das ist intellektuell unredlich. Best in Class ist relativer Fortschritt, keine moralische Vollkommenheit.
5.4 Themenfonds werden als “sicher nachhaltig” verkauft
Themenfonds sind oft konzentriert und volatil. Wer sie als Allwetterlösung verkauft, setzt Anleger unnötig Risiken aus.
5.5 Engagement ohne Belege
Wenn ein Anbieter Engagement behauptet, aber kaum dokumentiert, wie abgestimmt wurde und welche Ziele verfolgt wurden, ist es kein Engagement. Es ist PR.

6. Konkrete Empfehlungen zu Anlageinstrumenten, ohne Produktromantik
Ich empfehle Ihnen, nachhaltig nicht als Sonderwelt zu betrachten, sondern als präzises Lastenheft. Danach wählen Sie Instrumente. Und zwar getrennt nach Zielsystem.
6.1 Basislösung für Vermeidung: ESG oder SRI ETFs als Kern
Wenn Sie breit diversifizieren wollen, sind ETFs oft der effizienteste Startpunkt.
Geeignete Instrumente
• breit gestreute ESG ETFs auf Welt, USA, Europa, Emerging Markets
• strengere SRI ETFs, wenn Sie härtere Filter wollen
• Klima Benchmarks, wenn Sie explizit Dekarbonisierungskriterien wünschen
Konkrete Auswahlkriterien
• harte Ausschlüsse für kontroverse Waffen und schwere Normverstöße
• klare Regeln zu Kohle, idealerweise mit definierten Umsatzschwellen
• transparente Indexmethodik, nachvollziehbares Rebalancing
• Blick in die Top Positionen und Sektor Gewichte, um Etikettenfallen zu vermeiden
• ein Konsistenzcheck: Name, Strategie, Portfolio müssen zusammenpassen
Mein klarer Rat
Wenn Sie Nachhaltigkeit wollen, aber keine Lust auf Storytelling, bauen Sie den Kern so. Das ist nicht spektakulär, aber robust.
6.2 Streng werteorientiert: SRI plus harte No Go Listen
Wenn Sie klare moralische Grenzen setzen, brauchen Sie konsequente Regeln.
Geeignete Instrumente
• SRI ETFs mit strengeren Ausschlüssen
• aktive Fonds mit dokumentierten Ausschlusskatalogen und sauberem Reporting
• Fonds, die negative Auswirkungen systematisch berücksichtigen und darüber berichten
Was Sie akzeptieren müssen
• höherer Tracking Error gegenüber Standardindizes
• potenziell höhere Konzentration
• mitunter höhere Kosten, weil strengere Prozesse aufwendiger sind
Wer strenge Werte will, muss Abweichung vom Mainstream wollen. Alles andere ist Selbstbetrug.
6.3 Positives fördern: Themen und Impact als Satelliten, nicht als gesamtes Fundament
Förderthemen sind sinnvoll, aber sie sind selten die stabile Mitte eines Portfolios.
Geeignete Instrumente
• Themenfonds oder ETFs für konkrete Lösungen
• aktive Impact Fonds mit klarer Wirkungslogik und Kennzahlen
• Transition Fonds, wenn Engagement und Fortschritt nachweisbar sind
Die saubere Umsetzung: Core Satellite
• Core: breit gestreuter ESG oder SRI Kern
• Satelliten: ein bis drei Förderthemen in begrenzter Quote, passend zum Risiko
So bekommen Sie Wirkungskomponente, ohne dass Ihr gesamtes Portfolio vom nächsten Themenzyklus abhängig wird.
6.4 Nachhaltige Anleihen: Green Bonds und Social Bonds mit Dokumentenpflicht
Anleihen sind im Nachhaltigkeitskontext sinnvoll, aber nur mit genauer Prüfung.
Geeignete Instrumente
• Green Bond Fonds und ETFs, wenn Mittelverwendung und Reporting solide sind
• Social Bonds, wenn soziale Ziele explizit gewünscht sind
• Sustainability Linked Bonds nur selektiv, weil KPI Qualität stark schwankt
Wichtig: Ein grüner Bond sagt etwas über die Mittelverwendung aus, nicht automatisch über die Gesamtbilanz des Emittenten. Das ist kein Ausschlussgrund. Es ist ein Hinweis, dass Sie Reinheit und Transition nicht durcheinanderwerfen dürfen.

7. Die Checkliste, die Marketing zuverlässig entwaffnet
Wenn ein Produkt nachhaltig behauptet, muss es diese Fragen beantworten:
1. Welche Strategie ist es konkret: Ausschluss, Best in Class, Themen, Engagement, Impact, Integration
2. Welche No Go Regeln gelten, inklusive Umsatzschwellen
3. Wie werden Normverstöße und Kontroversen behandelt
4. Welche Governance Mindeststandards gelten
5. Wie wird nachhaltige Investition definiert und überprüft
6. Gibt es Angaben zur Taxonomie Orientierung und Datenbasis
7. Welche negativen Auswirkungen werden berücksichtigt und wie gemessen
8. Wie sieht das Reporting aus, regelmäßig, nachvollziehbar, konsistent
9. Stimmen Fondsname, Strategie und tatsächliche Positionen überein
10. Wie konzentriert ist das Portfolio: Titelanzahl, Top Positionen, Sektor und Länder
11. Wie hoch ist der Tracking Error und ist er gewollt
12. Welche Kosten fallen an und sind sie angemessen
13. Wie wird abgestimmt, welche Engagement Ziele gibt es
14. Welche Risiken entstehen aus Themenfokus, Politik, Bewertungen
15. Passt das Produkt zu Ihrer Logik: vermeiden, fördern oder Transition
Wenn Anbieter darauf ausweichen oder nur mit schönen Worten antworten, haben Sie Ihre Antwort bereits.

8. Drei Portfoliologiken, die in der Praxis funktionieren
8.1 Grün und pragmatisch
Ziel: solide Mindeststandards, breite Diversifikation
• ESG Kern weltweit
• Anleihenanteil mit nachhaltiger Ausrichtung
• kleiner Förder Satellit
8.2 Streng und werteorientiert
Ziel: harte Grenzen, konsequente Umsetzung
• SRI Kern weltweit
• defensive Bausteine mit klaren Regeln zu negativen Auswirkungen
• Satelliten nur, wenn sie die No Go Logik nicht unterlaufen
8.3 Förderung und Wirkung im Fokus
Ziel: Beitrag zu Lösungen, ohne Portfoliotechnik zu opfern
• stabilisierender Kern als ESG oder SRI
• mehrere Förder Satelliten, bewusst begrenzt
• Anleihenbausteine mit klarer Projektlogik und Reporting

Schlussgedanke: Nachhaltigkeit ist kein Label, sondern ein Vertrag mit sich selbst
Wenn Sie nachhaltig investieren wollen, müssen Sie sich entscheiden, welche Art von Nachhaltigkeit Sie meinen. Alles andere ist ein Eintrittsticket in die Welt der Etiketten. Der Markt liefert Ihnen dann zuverlässig “grüne” Wörter, aber keine grünen Regeln.
Mein Rat lautet daher: Definieren Sie zuerst Ihre Logik, dann Ihre Kriterien, dann Ihre Instrumente. Und prüfen Sie regelmäßig, ob das, was im Verkaufsprospekt behauptet wird, auch im Portfolio passiert. Nachhaltigkeit ohne Kontrolle ist Gefühl. Nachhaltigkeit mit Kontrolle ist Strategie.

Kurzer Hinweis
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Kapitalmarktanlagen sind mit Risiken verbunden. Nachhaltigkeitskennzahlen basieren teilweise auf Schätzungen, Datenlücken und Methodiken, die sich ändern können.

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Wie ermittelt man die bedarfsgerechte Versicherungssumme für eine Risikolebensversicherung?

30. November 2025 in Newsletter, Risiko Lebensversicherung

Bei der Risikolebensversicherung ist die Wahl der richtigen Versicherungssumme der zentrale Schritt. Zu wenig abgesichert bedeutet, dass Angehörige im Ernstfall finanziell ins Leere greifen. Eine zu hohe Summe führt zu unnötig hohen Beiträgen. Es geht also darum, eine Summe zu finden, die zu Deiner Lebenssituation passt und die finanziellen Folgen Deines Todes für Deine Hinterbliebenen auffängt.

Die Versicherungssumme soll nicht Dein Leben als solches bewerten, sondern den wirtschaftlichen Schaden abfedern, der entsteht, wenn Dein Einkommen plötzlich wegfällt. Typische Ziele sind die Sicherung des Lebensunterhalts, die Tilgung von Krediten und die finanzielle Unterstützung der Kinder bis zum Abschluss ihrer Ausbildung.

ZWECK DER VERSICHERUNGSSUMME

Eine Risikolebensversicherung verfolgt einige typische Aufgaben. Die Versicherungssumme soll so gewählt werden, dass sie diese Aufgaben möglichst vollständig erfüllt.

Wichtige Ziele sind zum Beispiel

* Sicherung des laufenden Lebensunterhalts für Partnerin oder Partner und Kinder
* Absicherung von Krediten insbesondere für eine selbst genutzte Immobilie
* Finanzierung von Ausbildung oder Studium der Kinder
* Schließen von Rentenlücken des hinterbliebenen Partners
* Abdeckung einmaliger Kosten wie Beerdigung oder notwendiger Umzug

Die geeignete Versicherungssumme ist also diejenige, die es der Familie erlaubt, den bisherigen Lebensstandard weitgehend zu halten, ohne dass sofort massive Einschnitte nötig werden.

ANALYSE DER AKTUELLEN LEBENSSITUATION

Bevor Zahlen ins Spiel kommen, steht eine nüchterne Bestandsaufnahme. Ohne klare Daten über Deine Situation lässt sich die passende Versicherungssumme nur grob schätzen.

Wichtige Fragen sind

* Bist Du alleinstehend, lebst Du in einer Partnerschaft oder bist Du verheiratet
* Wie hoch ist das Einkommen des Partners
* Gibt es Kinder und wie alt sind sie
* Bestehen Kredite und in welcher Höhe
* Gibt es Vermögen wie Ersparnisse, Wertpapiere oder bereits andere Versicherungen mit Todesfallschutz
* Wie hoch sind die monatlichen Ausgaben der Familie

Wenn Du der Hauptverdiener bist und Deine Familie stark von Deinem Einkommen abhängt, muss die Versicherungssumme eher höher angesetzt werden. Wenn das Einkommen auf mehrere Schultern verteilt ist oder bereits umfangreiches Vermögen besteht, kann die Summe geringer ausfallen.

DEN LAUFENDEN FINANZBEDARF DER HINTERBLIEBENEN ERMITTELN

Der wichtigste Schritt ist die Frage, wie viel Geld Deine Familie pro Monat tatsächlich braucht. Es geht um den Betrag, der nach Deinem Tod fehlen würde.

Dazu schaust Du zunächst auf die Ausgaben, zum Beispiel

* Wohnen Miete oder Kreditrate sowie Nebenkosten
* Grundbedarf wie Ernährung, Kleidung und Mobilität
* Bildung und Betreuung der Kinder, zum Beispiel Kita, Schule, Studium
* Versicherungen, Vereinsbeiträge und Freizeit
* Rücklagen für unerwartete Ausgaben

Aus diesen Positionen ergibt sich ein monatlicher Gesamtbedarf. Anschließend stellst Du diesem Bedarf die Einnahmen gegenüber, die auch nach Deinem Tod vorhanden wären. Dazu gehören

* eigenes Einkommen des Partners
* Hinterbliebenenrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung
* betriebliche oder private Hinterbliebenenrenten
* Einkünfte aus Vermietung oder Kapitalanlagen

Die Differenz zwischen Bedarf und diesen Einnahmen ist die Versorgungslücke. Genau diese Lücke soll die Risikolebensversicherung indirekt schließen. Die Versicherung zahlt zwar eine einmalige Summe, aber dieses Kapital kann über Jahre hinweg eingesetzt oder angelegt werden, um die monatliche Lücke zu decken.

Ein stark vereinfachtes Beispiel

Angenommen, Deine Familie benötigt drei tausend Euro im Monat. Nach Deinem Tod stünden dem Haushalt durch eigenes Einkommen des Partners und Hinterbliebenenleistungen zum Beispiel eins komma fünf tausend Euro pro Monat zur Verfügung. Es bleibt also eine Versorgungslücke von eins komma fünf tausend Euro monatlich.

Wenn diese Lücke fünfzehn Jahre lang geschlossen werden soll, kannst Du vereinfacht rechnen. Eins komma fünf tausend multipliziert mit zwölf Monaten multipliziert mit fünfzehn Jahren ergibt zweihundert siebzig tausend Euro. In dieser groben Rechnung sind Inflation und mögliche Erträge aus einer Anlage der Versicherungssumme noch nicht berücksichtigt. In der Praxis ist es sinnvoll, einen Sicherheitsaufschlag einzuplanen.

KREDITE UND EINMALBETRAEGE BERUECKSICHTIGEN

Neben dem laufenden Finanzbedarf gibt es Einmalbeträge, die die Familie nicht zusätzlich schultern können soll. Hierzu zählen insbesondere

* Restschuld aus Immobilienfinanzierungen
* hoehere Konsumkredite
* gegebenenfalls betrieblich veranlasste Kredite mit privater Haftung
* Beerdigungskosten
* moegliche Umzugskosten oder Kosten einer Neuorganisation des Lebens

Diese Beträge werden in der Regel direkt zur notwendigen Versicherungssumme addiert. Die Idee dahinter ist einfach. Die Familie soll nicht gezwungen sein, das Eigenheim zu verkaufen oder neue Schulden aufzunehmen, nur weil das Einkommen des Hauptverdieners wegfallen würde.

Angenommen, die Restschuld des Immobilienkredits betraegt zweihundert tausend Euro und die Versorgungsluecke nach der oben beschriebenen Rechnung ergibt zweihundert siebzig tausend Euro. Dann würde sich eine Versicherungssumme von etwa vierhundert siebzig tausend Euro ergeben.

VERMOEGEN UND ANDERE ABSICHERUNGEN GEGENRECHNEN

Nun wird geprueft, was bereits vorhanden ist. Dazu gehoeren

* Bankguthaben und Tagesgeld
* Wertpapierdepots
* Bausparguthaben
* bestehende Lebensversicherungen mit Todesfallsumme
* Betriebsvermoegen, soweit im Ernstfall vernuenftig nutzbar

Nicht jede Form von Vermoegen eignet sich gleich gut zur Verrechnung. Eine selbst genutzte Immobilie oder Maschinen eines Unternehmens lassen sich oft nur mit Verlust oder gar nicht veraeussern. Solche Werte sollten sehr vorsichtig bewertet werden.

Liquidierbare Mittel wie Tagesgeld oder breit gestreute Wertpapierdepots koennen dagegen anteilig angerechnet werden, sofern sie nicht ohnehin schon fuer andere Zwecke verplant sind.

Wenn im Beispiel mit vierhundert siebzig tausend Euro errechneter Versicherungssumme zum Beispiel achtzig tausend Euro an frei verfügbarem Vermoegen vorhanden sind, koennte man die Versicherungssumme auf etwa dreihundert neunzig tausend Euro absenken oder bei etwa vierhundert tausend Euro belassen, um einen Puffer fuer Inflation und unerwartete Ausgaben zu haben.

FAUSTREGELN ALS ERSTE ORIENTIERUNG

Viele Menschen moechten zunaechst eine schnelle Orientierung, bevor sie in die Detailrechnung einsteigen. Dafuer gibt es einige Faustregeln, die einen groben Rahmen geben.

Haefig genannte Ansaetze sind zum Beispiel

* etwa das zehnfache des jaehrlichen Brutto oder Nettoeinkommens bei Familien mit Kindern
* etwa das funf bis siebenfache des jaehrlichen Bruttoeinkommens bei Paaren ohne Kinder
* etwa das drei bis funffache des Jahreseinkommens bei Singles, die vor allem Kredite oder einzelne Verpflichtungen absichern wollen

Solche Faustregeln ersetzen keine individuelle Analyse, koennen aber zeigen, ob eine spontan ins Auge gefasste Summe eher zu niedrig oder zu hoch ist. Gerade bei hohen Einkommen oder sehr hohen Krediten kommen diese pauschalen Vielfachen schnell an ihre Grenzen. Dann ist eine genaue Bedarfsrechnung unverzichtbar.

BESONDERE LEBENSSITUATIONEN

Nicht jede Lebenssituation laesst sich mit Standardformeln ausreichend erfassen. Einige Konstellationen verlangen besondere Aufmerksamkeit.

Junge Familien

Wenn Kinder noch klein sind, ist der Zeitraum, in dem die Familie besonders auf das Einkommen der Eltern angewiesen ist, sehr lang. Hier sollte die Sicherungsdauer mindestens bis zum erwarteten Abschluss der ersten Ausbildung des juengsten Kindes reichen. Ausserdem ist es sinnvoll, eher grosszuegig zu kalkulieren, da spaetere Erhoehungen von der dann aktuellen Gesundheit abhängen koennen.

Alleinverdiener

Wenn eine Person nahezu allein fuer das Familieneinkommen sorgt, muss das wegfallende Einkommen im Ernstfall fast vollstaendig kompensiert werden. Hier sind hohe Versicherungssummen haeufig angemessen, und eine sorgfaeltige Analyse von Ausgaben und Finanzierungsvorhaben ist besonders wichtig.

Doppelverdiener

Wenn beide Partner aehnlich hohe Einkommen haben, kann jeder Partner eine eigene Risikolebensversicherung abschliessen, die vor allem den jeweils anderen absichert. Weil dennoch oft gemeinsame Verpflichtungen wie ein Immobilienkredit bestehen, reicht es aber meist nicht, die Summen zu knapp zu waehlen.

Selbststaendige und Unternehmer

Bei Selbststaendigen ueberlagern sich private und betriebliche Risiken. Zusaetzlich stellen sich Fragen wie

* Soll das Unternehmen nach dem Tod weitergefuehrt oder verkauft werden
* Muessen Gesellschafter oder Geschaeftspartner ausgezahlt werden
* Gibt es persoenliche Buergschaften fuer betriebliche Kredite

In solchen Faellen kann es sinnvoll sein, mehrere Vertraege zu kombinieren, zum Beispiel einen Vertrag zur Absicherung der Familie und einen weiteren zur Absicherung betrieblicher Verpflichtungen.

LAUFZEIT UND ZUSAMMENHANG MIT DER VERSICHERUNGSSUMME

Die richtige Versicherungssumme laesst sich nicht voellig von der Laufzeit der Risikolebensversicherung trennen. Grundsaetzlich soll der Schutz solange bestehen, wie ein wesentlicher finanzieller Bedarf vorhanden ist.

Typische Orientierungen fuer die Laufzeit sind

* bis die Kinder voraussichtlich finanziell auf eigenen Fuessen stehen
* bis ein gemeinsamer Immobilienkredit weitgehend getilgt ist
* bis zum geplanten Renteneintritt des Hauptverdieners

Laengere Laufzeiten fuehren zu hoeheren Beitraegen. Eine Moeglichkeit besteht darin, zwei Vertraege mit unterschiedlichen Laufzeiten zu kombinieren, etwa einen groesseren Vertrag, der bis zum Ende der Ausbildung der Kinder laeuft, und einen kleineren Vertrag, der bis zur Rente besteht.

INFLATION UND STEIGENDE LEBENSHALTUNGSKOSTEN

Ein haeufiger Fehler besteht darin, nur mit heutigen Preisen zu rechnen. Was heute wie eine sehr hohe Summe wirkt, kann in zwanzig Jahren deutlich weniger Kaufkraft haben, wenn die Lebenshaltungskosten weiter steigen.

Um damit umzugehen, gibt es verschiedene Ansaetze

* von Beginn an eher grosszuegig kalkulieren, statt knapp zu rechnen
* eine Dynamik vereinbaren, bei der die Versicherungssumme regelmaessig um einen festen Prozentsatz steigt, verbunden mit angepassten Beitraegen
* die Todesfallsumme als Baustein einer groesseren Finanzplanung sehen, zum Beispiel in Kombination mit langfristiger Geldanlage fuer die Hinterbliebenen

Welche Variante passt, haengt von der persoenlichen Finanzstrategie und von der Bereitschaft ab, sich regelmaessig mit dem Thema zu beschaeftigen.

REGELMAESSIGE UEBERPRUEFUNG DER VERSICHERUNGSSUMME

Die Wahl der Versicherungssumme ist kein einmaliger Akt fuer immer. Das Leben veraendert sich, und damit auch der Bedarf.

Wichtige Anlaesse fuer eine Ueberpruefung sind

* Geburt oder Adoption eines Kindes
* Heirat oder Trennung
* Erwerb oder Verkauf einer Immobilie
* Aufnahme oder Ablösung groesserer Kredite
* deutliche Veraenderung des Einkommens
* Wechsel in die Selbststaendigkeit oder Gruendung eines Unternehmens

Viele Vertraege bieten die Moeglichkeit, die Versicherungssumme bei bestimmten Lebensereignissen ohne erneute Gesundheitspruefung zu erhoehen. Diese Optionen sind wertvoll, weil Spaetveraenderungen sonst an einer zwischenzeitlich verschlechterten Gesundheit scheitern koennen.

TYPISCHE FEHLER BEI DER FESTLEGUNG DER VERSICHERUNGSSUMME

Zum Abschluss lohnt sich ein Blick auf haeufige Fehler, die Du vermeiden solltest.

Dazu gehoeren zum Beispiel

* Orientierung nur am Beitrag, ohne den tatsaechlichen Bedarf zu berechnen
* Ignorieren bestehender Schulden oder zu niedrig angesetzte Restschulden
* Unterschaetzung des Finanzbedarfs von Kindern insbesondere fuer Ausbildung und Studium
* kein Einplanen von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten
* fehlende Beruecksichtigung der spaeteren Rentensituation des Partners
* einmalige Festlegung der Summe ohne spaetere Anpassung trotz großer Veraenderungen im Leben

Wer diese Fehler vermeidet, sorgt dafuer, dass die Risikolebensversicherung im Ernstfall tatsaechlich als stabiles Sicherheitsnetz funktioniert und nicht nur als symbolischer Schutz.

FAZIT

Die richtige Versicherungssumme fuer eine Risikolebensversicherung ermittelt man nicht aus dem Bauch heraus, sondern ueber eine nachvollziehbare Bedarfsanalyse. Ausgangspunkt ist immer die Frage, welche finanziellen Luecken fuer Deine Hinterbliebenen entstehen wuerden und wie lange diese Luecken bestehen.

Durch das systematische Zusammenspiel aus Ermittlung des laufenden Finanzbedarfs, Beruecksichtigung von Krediten und Einmalbetraegen sowie Gegenrechnung von Vermoegen laesst sich eine sinnvolle Summe bestimmen. Faustregeln koennen eine erste Orientierung geben, ersetzen aber nicht den Blick auf die eigene Situation.

Wenn Du Deine Risikolebensversicherung regelmaessig ueberpruefst und bei wichtigen Lebensereignissen anpasst, wird aus einem Standardprodukt eine passgenaue Absicherung fuer Deine Familie.

Pflegefall ohne Armutsfalle

23. November 2025 in Newsletter, Pflegeversicherung

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland auf Pflege angewiesen sind, wächst rasant und deutlich schneller, als es allein durch die Alterung der Gesellschaft zu erwarten wäre. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Pflegebedürftigen von rund drei auf deutlich über fünf Millionen gestiegen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung hat sich damit ungefähr verdoppelt.

Ein wichtiger Grund dafür ist die Pflegereform des Jahres 2017 mit der Einführung der Pflegegrade und des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Sie sollte mehr Menschen, insbesondere mit Demenz und anderen kognitiven Einschränkungen, früher und umfassender unterstützen. Das ist sozialpolitisch sinnvoll, führt aber auch dazu, dass immer mehr Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung über eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Gleichzeitig steigen die Kosten der stationären Pflege Jahr für Jahr.

Wer seine eigene Pflege nur über die gesetzliche oder private Pflegepflichtversicherung abgesichert sieht, verlässt sich deshalb auf ein System, das bewusst als Teilkasko konstruiert ist. Die Eigenanteile der Pflegebedürftigen steigen und damit das Risiko, dass die eigene Rente nicht ausreicht.


Was leistet die Pflegepflichtversicherung und was nicht?

Die gesetzliche Pflegeversicherung (für gesetzlich Krankenversicherte) und die private Pflegepflichtversicherung (für privat Krankenversicherte) sollen das finanzielle Risiko der Pflege abmildern. Sie übernehmen jedoch nur einen Teil der Kosten. Die Leistungen sind je nach Pflegegrad gedeckelt und orientieren sich an gesetzlich festgelegten Höchstbeträgen.

In der vollstationären Pflege zahlt die Pflegekasse je nach Pflegegrad einen festen monatlichen Betrag. In den niedrigeren Pflegegraden liegt dieser Betrag im Bereich einiger hundert Euro, in den höchsten Pflegegraden im Bereich von etwas über zweitausend Euro. Die tatsächlichen Gesamtkosten eines Pflegeheimplatzes fallen aber deutlich höher aus.

Die Gesamtkosten eines Heimplatzes bestehen typischerweise aus:

  • pflegebedingten Kosten
  • Kosten für Unterkunft und Verpflegung
  • Investitionskosten des Pflegeheims (zum Beispiel Gebäude, Ausstattung)

Die Pflegepflichtversicherung beteiligt sich nur an den pflegebedingten Kosten und auch dort nur bis zu einem festen Betrag. Alles, was darüber hinausgeht, plus Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten, muss die pflegebedürftige Person selbst zahlen. Diese Summe nennt man den Eigenanteil.

Nach aktuellen Auswertungen liegt der durchschnittliche Eigenanteil in deutschen Pflegeheimen bei rund 3.500 Euro im Monat. In manchen Bundesländern ist er deutlich höher. Über den

AOK Pflegenavigator

kann man für die eigene Region konkret nachschauen, welche Eigenanteile in den einzelnen Heimen anfallen.


Was passiert, wenn die Rente für den Eigenanteil nicht reicht?

Ein einfaches Rechenbeispiel macht die Dimension deutlich:

  • Eigenanteil im Pflegeheim: 3.500 Euro pro Monat
  • Netto Altersrente: 1.800 Euro pro Monat

Es bleibt eine Lücke von 1.700 Euro pro Monat. Diese Summe muss aus anderen Quellen aufgefangen werden, zum Beispiel durch:

  • weitere laufende Einnahmen (betriebliche Altersversorgung, private Renten, Mieten)
  • bestehendes Vermögen (Sparguthaben, Wertpapiere, Lebensversicherungen)
  • eventuell Unterstützung durch Angehörige

Reichen Einkommen und Vermögen nicht aus, springt der Sozialhilfeträger mit der sogenannten Hilfe zur Pflege ein. Dann prüft das Sozialamt die finanzielle Situation sehr genau. Es wird geschaut, welches Vermögen eingesetzt werden kann und ob unterhaltspflichtige Kinder vorhanden sind, die sich beteiligen müssen.

Die möglichen Folgen sind unter anderem:

  • Ersparnisse, die eigentlich für ein selbstbestimmtes Leben im Alter gedacht waren, werden im Pflegefall in wenigen Jahren aufgezehrt.
  • Die Wahlfreiheit bei der Pflegeeinrichtung kann eingeschränkt werden, weil der Sozialhilfeträger eher auf günstigere Heime drängt.
  • Gut verdienende Kinder können je nach Einkommenslage zur Mitfinanzierung herangezogen werden.

Wer diese Situation vermeiden möchte, sollte die Finanzierung des möglichen Eigenanteils frühzeitig in seine Altersvorsorgeplanung einbeziehen. Genau hier setzt die private Pflegetagegeldversicherung an.


Wie funktioniert eine Pflegetagegeldversicherung?

Eine Pflegetagegeldversicherung ist eine private Zusatzversicherung, die im Pflegefall einen vorher vereinbarten Geldbetrag pro Tag auszahlt. Aus diesem Tagessatz ergibt sich ein monatlicher Betrag, den Sie frei verwenden können, ganz gleich ob die Pflege zu Hause oder in einem Heim erfolgt.

Die wichtigsten Grundprinzipien:

  1. Leistungsauslöser ist der Pflegegrad
    Sobald ein Pflegegrad festgestellt ist, zahlt der Versicherer das vereinbarte Pflegetagegeld. Häufig ist die Leistung nach Pflegegrad gestaffelt. Ein Beispiel:

    • Pflegegrad 1: 20 Prozent des vereinbarten Tagessatzes
    • Pflegegrad 2: 40 Prozent
    • Pflegegrad 3: 60 Prozent
    • Pflegegrad 4: 80 Prozent
    • Pflegegrad 5: 100 Prozent

    Moderne Tarife leisten oft bereits ab Pflegegrad 1, ältere Tarife teilweise erst ab Pflegegrad 2.

  2. Freie Verwendung des Geldes
    Das Pflegetagegeld ist keine Kostenerstattung. Sie müssen keine Rechnungen einreichen. Sie können die Auszahlung nutzen für:

    • den Eigenanteil im Pflegeheim
    • zusätzliche Betreuungspersonen oder Haushaltshilfen
    • Umbauten in Wohnung oder Haus
    • Fahrten der Angehörigen und sonstige Zusatzleistungen, die Lebensqualität sichern
  3. Lebenslanger Schutz
    Seriöse Pflegetagegeldtarife leisten, solange Pflegebedürftigkeit besteht, also grundsätzlich lebenslang. Die Beiträge werden in der Regel so lange gezahlt, bis ein bestimmter Pflegegrad erreicht ist. Viele Tarife sehen ab Beginn der Leistung eine Beitragsbefreiung vor.

  4. Beitragshöhe hängt von Eintrittsalter und Gesundheit ab
    Je früher der Abschluss erfolgt, desto günstiger ist der Beitrag. Vorerkrankungen können zu Zuschlägen oder Leistungsausschlüssen führen. Eine Gesundheitsprüfung ist daher üblich.


In welcher Höhe sollte man sich absichern?

Die passende Höhe der Pflegetagegeldversicherung ergibt sich aus einer einfachen Lückenrechnung.

  1. Ermittlung des voraussichtlichen Eigenanteils
    Nutzen Sie zum Beispiel den AOK Pflegenavigator oder andere Pflegekostenrechner, um für Ihre Region typische Eigenanteile zu ermitteln. Ein durchschnittlicher Wert von rund 3.500 Euro pro Monat ist ein realistischer Orientierungswert.

  2. Abzug der sicheren Einkünfte im Alter
    Dazu zählen insbesondere:

    • gesetzliche Altersrente
    • betriebliche Altersversorgung
    • private Rentenversicherungen
    • Mieteinnahmen und andere regelmäßige Zahlungen

    Beispiel:

    • Eigenanteil Pflegeheim (heutiger Wert): 3.500 Euro pro Monat
    • gesamte sichere Nettorenten: 2.000 Euro pro Monat
    • Deckungslücke: 1.500 Euro pro Monat
  3. Übertragung der Lücke auf ein Pflegetagegeld
    1.500 Euro pro Monat entsprechen bei einer einfachen Rechnung etwa 50 Euro Pflegetagegeld pro Tag (1.500 geteilt durch 30 Tage). Wer etwas Sicherheitsreserve einbauen möchte, kann mit 60 oder 70 Euro pro Tag in den höheren Pflegegraden kalkulieren.

  4. Staffelung nach Pflegegrad
    In der Praxis bietet es sich an, die höchsten Tagessätze für die Pflegegrade 4 und 5 zu vereinbaren, weil hier stationäre Pflege am häufigsten wird. In niedrigeren Pflegegraden genügt oft ein geringerer Tagessatz, der ambulante Unterstützung und Entlastung der Angehörigen finanziert.

Eine grobe Orientierung:

  • Alleinstehende mit durchschnittlicher gesetzlicher Rente sollten in den höheren Pflegegraden häufig mindestens 50 bis 80 Euro Pflegetagegeld pro Tag anpeilen.
  • Ehepaare mit zwei Renten können gegebenenfalls etwas niedriger ansetzen, wenn es in erster Linie um die Absicherung des Eigenanteils geht. Soll der Partner zugleich finanziell deutlich entlastet werden, ist ein höherer Tagessatz sinnvoll.

Die konkrete Absicherungshöhe sollte immer zur individuellen Einkommens und Vermögenssituation passen. Eine individuelle Beratung ist daher empfehlenswert.


Worauf sollte man bei der Auswahl einer Pflegetagegeldversicherung achten?

Beim Abschluss einer Pflegetagegeldversicherung lohnt sich ein genauer Blick in die Bedingungen. Wichtige Kriterien sind unter anderem:

  • Leistung ab Pflegegrad 1
    Moderne Tarife leisten bereits bei leichter Pflegebedürftigkeit. Ältere oder einfachere Tarife setzen häufig erst ab Pflegegrad 2 ein.
  • Sinnvolle Staffelung der Leistungen
    Die Tagessätze sollten so gestaffelt sein, dass in den höheren Pflegegraden genügend Geld zur Verfügung steht, um den Eigenanteil wirklich zu entlasten.
  • Dynamik gegen Inflation
    Da Pflegekosten langfristig steigen, ist eine Beitrags und Leistungsdynamik (regelmäßige Erhöhungen der versicherten Sätze) wichtig, um die Kaufkraft der Leistung zu erhalten.
  • Beitragsfreiheit im Leistungsfall
    Gute Tarife sehen vor, dass im Pflegefall keine Beiträge mehr gezahlt werden müssen.
  • Wartezeiten und Ausschlüsse
    Manche Tarife enthalten Wartezeiten oder schließen bestimmte Vorerkrankungen aus. Diese Punkte sollten vor Abschluss genau geprüft werden.
  • Geltung im Ausland
    Wer plant, den Ruhestand teilweise im Ausland zu verbringen, sollte darauf achten, dass der Versicherungsschutz auch dort gilt.
  • Kombination mit anderen Lösungen
    Neben Pflegetagegeldtarifen gibt es Pflegerenten oder Pflegekostentarife. Pflegetagegeld ist in der Regel am flexibelsten, weil die Leistung frei verwendbar ist.

Warum eine Pflegetagegeldversicherung heute zur Altersvorsorge gehört

Die Entwicklung ist klar: Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, die Leistungen der Pflegepflichtversicherung decken nur einen Teil der tatsächlichen Kosten, und die Eigenanteile in der stationären Pflege bewegen sich bereits heute häufig im Bereich von 3.500 Euro pro Monat.

Ohne zusätzliche Absicherung bedeutet das für viele Menschen:

  • Die eigene Rente reicht nicht aus, um den Pflegeheim Eigenanteil dauerhaft zu finanzieren.
  • Ersparnisse werden im Pflegefall deutlich schneller aufgezehrt als gedacht.
  • Im Zweifel müssen Sozialhilfe und möglicherweise gut verdienende Kinder einspringen.

Eine gut durchdachte Pflegetagegeldversicherung kann diese Lücke gezielt schließen. Sie sorgt dafür, dass im Pflegefall ausreichend Geld zur Verfügung steht, um den Eigenanteil zu bezahlen, ohne das gesamte Vermögen anzugreifen oder Angehörige zu überfordern.

Wer seine Altersvorsorge ernst nimmt, sollte die Frage der Pflegefinanzierung daher nicht als Randthema betrachten, sondern als festen Baustein der eigenen Strategie. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob man irgendwann pflegebedürftig wird, sondern ob man es sich leisten kann, im Pflegefall selbstbestimmt zu leben. Eine Pflegetagegeldversicherung ist ein zentrales Instrument, um auf diese Frage eine überzeugende Antwort zu haben.

Wie kann man in Kryptowährungen investieren?

7. November 2025 in Newsletter, Vermögensanlage

Kryptowährungen sind digitale Werte, die dezentral verwaltet werden.
Sie eignen sich als spekulative Beimischung im Vermögen und erfordern
sorgfältiges Risikomanagement. Dieser Beitrag führt Schritt für Schritt
durch die wichtigsten Wege und zeigt, wie man strukturiert vorgeht.

Die drei Hauptwege

  1. Direkter Kauf von Coins
    Erwerb von Bitcoin, Ether und anderen Coins über eine Börse.
    Verwahrung auf der Börse oder in einer eigenen Wallet.
    Vorteil hohe Kontrolle. Nachteil hohe Verantwortung für Sicherheit.
  2. Börsengehandelte Produkte
    Zugang über Wertpapierdepot durch Produkte, die einen Coin abbilden.
    Vorteil einfache Depotabwicklung. Nachteil Emittentenrisiken und laufende Kosten beachten.
  3. Aktien und Fonds mit Krypto Bezug
    Beteiligung an Unternehmen aus der Branche oder an Fonds mit Fokus auf diese Firmen.
    Vorteil klassische Depotstruktur. Nachteil nur indirekte Beteiligung am Markt der Coins.

Schritt für Schritt Einstieg

  1. Ziele und Rolle im Portfolio definieren
    Beispiel Beimischung von zwei bis fünf Prozent des liquiden Vermögens
    für chancenorientierte Anleger. Nur Geld einsetzen, dessen Verlust man tragen kann.
  2. Budget und Sparplan festlegen
    Einmalanlage oder regelmäßiger Kauf. Ein Sparplan reduziert Timingrisiken
    durch Käufe zu verschiedenen Kursen.
  3. Seriöse Börse und Depotanbieter wählen
    Achten auf Regulierung, Gebühren, Auszahlmöglichkeiten und deutschsprachigen Support.
  4. Verwahrung entscheiden
    Auf der Börse verwahren ist bequem.
    Eigene Wallet gibt mehr Souveränität.
    Hardware Wallet bietet zusätzliche Sicherheit für größere Beträge.
  5. Absicherung und Zugang
    Zwei Faktor Anmeldung aktivieren.
    Starke Passwörter und Passwort Manager nutzen.
    Seed Phrase offline notieren und sicher verwahren.
  6. Kosten kennen
    Handelsgebühren, Spreads, Netzwerkkosten und laufende Produktkosten vergleichen.
  7. Plan dokumentieren
    Zielquote, Kaufregeln, Rebalancing und Ausstiegskriterien schriftlich festhalten.

Strategien kurz erklärt

  • Kaufen und Halten
    Langfristige Haltung mit fester Zielquote.
    Wenig Aufwand. Disziplin beim Durchhalten nötig.
  • Sparplan
    Regelmäßiger Kauf in konstanten Beträgen.
    Glättet Kursschwankungen. Einfach umzusetzen.
  • Rebalancing
    Einmal pro Jahr zur Zielquote zurückführen.
    Gewinne teilweise mitnehmen und Verluste begrenzen.
  • Fortgeschrittene Instrumente
    Optionen und Futures sind nur für erfahrene Anleger geeignet
    und erfordern vertieftes Risikomanagement.

Sicherheits Grundregeln

  • Seed Phrase niemals digital speichern.
    Kein Foto. Kein Cloud Speicher. Papier oder Metallplatte im Safe.
  • Phishing vermeiden. Immer Adressen der Anbieter selbst eintippen.
    Keine Links aus Nachrichten anklicken.
  • Getrennte E Mail für Börsen nutzen.
    Zwei Faktor mit App oder Sicherheitsschlüssel.
    Keine Wiederverwendung von Passwörtern.
  • Beträge streuen. Größere Summen in eine Hardware Wallet auslagern.

Risiken verstehen

  • Hohe Schwankungen bis hin zum Totalverlust möglich.
  • Regulatorische Änderungen können Preise und Handelbarkeit beeinflussen.
  • Technische Risiken durch Bedienfehler und unsichere Verwahrung.
  • Konzentrationsrisiken bei einzelnen Coins oder Anbietern.

Beispiel für einen einfachen Plan

  1. Zielquote drei Prozent des liquiden Vermögens.
  2. Sparplan monatlich mit konstantem Betrag.
  3. Kauf beschränkt auf zwei große Coins mit hoher Liquidität.
  4. Verwahrung kleine Beträge auf der Börse, größere Beträge in einer Hardware Wallet.
  5. Einmal pro Jahr Rebalancing zur Zielquote.
  6. Notizbuch für alle Transaktionen und Zugangsdaten Hinweise ohne Klartext Passwörter.
  7. Jährlicher Sicherheitscheck von Geräten und Wallet.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

  • Alles auf eine Karte setzen statt breit zu streuen.
  • Plan ändern aus Emotionen heraus statt nach klaren Regeln.
  • Zu viele exotische Coins kaufen ohne Fundament.
  • Sicherheit vernachlässigen und Zugangsdaten verlieren.
  • Nur auf alte Gewinne schauen und Risiken unterschätzen.

Steuern und Recht

Regeln unterscheiden sich je nach Land und ändern sich im Lauf der Zeit.
Dokumentieren Sie alle Transaktionen und holen Sie bei Bedarf fachkundigen Rat ein.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Empfehlung für einen Kauf oder Verkauf.

Fazit

Ein geordneter Einstieg in Kryptowährungen beginnt mit klaren Zielen,
einem einfachen Plan, solider Sicherheit und konsequenter Disziplin.
Wer klein startet, Kosten im Blick behält und die Verwahrung beherrscht,
kann die Anlageklasse als chancenreiche Beimischung prüfen.

Basisrente, Riester Rente und betriebliche Altersversorgung im Vergleich

2. November 2025 in Altersvorsorge, Investmentfonds, Newsletter, Vermögensanlage

Basisrente, Riester Rente und betriebliche Altersversorgung im Vergleich

Wer für den Ruhestand spart, kann sich vom Staat unterstützen lassen. Drei Wege stehen im Mittelpunkt der geförderten Vorsorge in Deutschland. Die Basisrente, die Riester Rente und die betriebliche Altersversorgung. Alle drei setzen in der Ansparphase Anreize vor allem über Steuern oder Zulagen. In der Auszahlphase gilt die nachgelagerte Besteuerung. Welche Lösung passt hängt von Berufssituation Einkommen Familienstand und Zielen ab.

Das Gemeinsame

  • Unterstützung in der Ansparphase durch steuerliche Vorteile oder Zulagen
  • Besteuerung der Leistungen im Ruhestand
  • Regeln und Fördergrenzen unterscheiden sich je nach Produktart

Basisrente

Die Basisrente auch Rürup Rente genannt gehört wie die gesetzliche Rente zur ersten Schicht der Altersvorsorge. Sie wurde vor allem für Selbstständige geschaffen ist aber für alle zugänglich. Attraktiv ist sie für Personen mit hohem Steuersatz weil Beiträge bis zu hohen Grenzen als Altersvorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden. Stand zwei tausend fünfundzwanzig können bis zu neun und zwanzig tausend dreihundert vierundvierzig Euro für die Basisversorgung angesetzt werden. Dazu zählen auch Beiträge zur gesetzlichen Rente und zu Versorgungswerken. Die Basisrente ist streng gebunden. Vor dem Rentenbeginn ist kein Zugriff möglich und es gibt ausschließlich eine lebenslange Rente. Eine Hinterbliebenenabsicherung ist auf Ehegatten und Kinder begrenzt und kostet zusätzlich.

Riester Rente

Die Riester Rente richtet sich an Arbeitnehmer an Beamte und an Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rente sowie an deren Ehepartner. Gefördert wird über Zulagen und über die Steuer. Als Sonderausgaben können bis zu zwei tausend einhundert Euro im Jahr geltend gemacht werden. Für Familien und Menschen mit geringerem Einkommen kann sich Riester durch die Zulagen besonders rechnen. Gleichzeitig bremst die Garantie des vollen Beitragserhalts die Renditechancen. Viele Anbieter haben daher das Neugeschäft stark reduziert. Seit Jahren werden Reformen diskutiert. Ziel ist eine moderne geförderte Privatvorsorge die mehr Chancen am Kapitalmarkt zulässt.

Betriebliche Altersversorgung

Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf Entgeltumwandlung. Der Arbeitgeber gibt auf den umgewandelten Betrag einen Zuschuss von mindestens fünfzehn Prozent als Ausgleich für seine Sozialabgabenersparnis. Bis zu vier Prozent der jeweiligen Bemessungsgrenze sind sozialabgabenfrei und bis zu acht Prozent steuerfrei. Stand zwei tausend fünfundzwanzig entspricht dies monatlich etwa drei hundert zwei und zwanzig Euro sozialabgabenfrei und sechs hundert vierundvierzig Euro steuerfrei. Die spätere Betriebsrente ist zu versteuern. Wer gesetzlich krankenversichert ist zahlt zudem Beiträge zur Kranken und Pflegeversicherung wobei ein Freibetrag zu beachten ist. Privat Versicherte zahlen diese Beiträge nicht. Häufig bestimmt der Arbeitgeber den Rahmen und stellt eine Auswahl an Tarifen bereit. Ein höherer Arbeitgeberzuschuss steigert die Attraktivität deutlich.

Wer kann welche Förderung nutzen

  • Arbeitnehmer können in der Regel zwischen allen drei Wegen wählen
  • Beamte haben Zugang zu Riester jedoch in der Regel keine betriebliche Altersversorgung über Entgeltumwandlung
  • Selbstständige ohne Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rente können meist nicht riestern und setzen daher vor allem auf die Basisrente

Kombinationen sind möglich

Ein Entweder Oder ist selten zwingend. Wer möchte kann eine betriebliche Altersversorgung mit einer Basisrente kombinieren und später eine reformierte private Förderung ergänzen sobald diese verbindlich geregelt ist.

Worauf es in der Praxis ankommt

  • Steuersatz heute und erwartete Steuerlast im Ruhestand
  • Höhe des Arbeitgeberzuschusses und Wechsel des Arbeitgebers
  • Familienstand Kinderzulagen und Anspruch auf Riester Förderung
  • Bindung des Kapitals und Bedarf an Flexibilität
  • Auswahl und Kosten der Produkte sowie die Anlagestrategie

Fazit

Es gibt nicht den einen besten Förderweg für alle. Die Basisrente kann starke steuerliche Effekte bringen ist aber unflexibel. Die Riester Rente punktet vor allem mit Zulagen und mit planbaren Garantien hat jedoch begrenzte Renditechancen. Die betriebliche Altersversorgung ist mit Arbeitgeberzuschuss oft sehr attraktiv und sollte bei jedem Arbeitnehmer geprüft werden. Welche Mischung passt zeigt eine individuelle Berechnung mit Blick auf Einkommen Steuersatz Familienlage und Ziele.

So optimieren Sie Ihr monatliches Ruhestandsgehalt

23. Oktober 2025 in Altersvorsorge, Newsletter, Vermögensanlage

So optimieren Sie Ihr monatliches Ruhestandsgehalt

Sicherheit durch lebenslange Rente und Spielraum durch Auszahlplan klug verbinden

Viele Menschen fragen sich, was im Ruhestand verlässlicher und zugleich flexibel ist.
Zur Wahl stehen die lebenslange Rente mit garantiertem Zufluss und der Auszahlplan mit mehr Entscheidungsspielraum.
Beides lässt sich heute in einer stimmigen Strategie kombinieren.

Lebenslange Rente in der Übersicht

Der größte Pluspunkt ist die Garantie einer regelmäßigen Zahlung bis an das Lebensende.
Das Langlebigkeitsrisiko ist abgedeckt und das beruhigt spürbar.
Nach Jahren mit niedrigen Zinsen steigen die Anreize wieder etwas an,
die Verrentung ist dadurch attraktiver als zuvor, auch wenn sie nicht in jedem Fall die höchste laufende Auszahlung liefert.

Stärken

  • Garantierte Zahlung bis an das Lebensende
  • Hohe Planbarkeit des Haushaltsbudgets
  • Psychologischer Komfort durch feste Zuflüsse

Zu beachten

  • Kapitalbindung bei Verrentung
  • Weniger Mitwirkung an möglichen Renditen der Kapitalmärkte

Auszahlplan in der Übersicht

Beim Auszahlplan bleibt das Vermögen im Eigentum.
Entnahmen lassen sich an persönliche Lebensumstände anpassen, Sonderentnahmen sind möglich und nicht verbrauchtes Vermögen kann vererbt werden.
Zugleich kann ein Teil des Kapitals renditeorientiert investiert sein, was auf lange Sicht mehr Spielraum für Entnahmen eröffnet.

Stärken

  • Hohe Flexibilität bei Höhe und Zeitpunkt der Entnahmen
  • Renditechancen während der Entnahmephase
  • Vermögen bleibt vererbbar

Zu beachten

  • Kapital könnte bei ungünstiger Entwicklung vorzeitig aufgebraucht sein
  • Regelmäßige Pflege des Portfolios erforderlich
  • Kursschwankungen erschweren feste Entnahmebeträge

Wichtiger Praxispunkt: Entnahmen besser aus einem ruhigen Anlageteil bedienen und das chancenreiche Depot antizyklisch anpassen.
So lässt sich vermeiden, bei niedrigen Kursen zu viele Anteile zu verkaufen.
In Fondspolicen sind Umschichtungen innerhalb des Vertrags oft ohne Steuerabzug möglich und der Deckungsstock kann als ruhiger Anker dienen.

Kombination als stimmige Lösung

Häufig führt die Mischung zum Ziel.
Ein Teil des Kapitals erzeugt eine verlässliche lebenslange Zahlung und damit Grundsicherheit.
Der verbleibende Teil bleibt investiert und liefert Flexibilität für größere Wünsche sowie Renditechancen für spätere Jahre.
Besonders sinnvoll ist diese Aufteilung, wenn gesetzliche und betriebliche Rente bereits einen guten Sockel ergeben.

Leitplanken für die Umsetzung

  • Monatliche Mindestsumme definieren, die bis ans Lebensende sicher fließen soll
  • Entnahmequote realistisch festlegen und regelmäßig anpassen
  • Liquiditätspuffer für zwei bis drei Jahre vorhalten
  • Renditebausteine mit Qualitätsfokus wählen und jährlich überprüfen
  • Steuern und Kosten laufend im Blick behalten

Fazit: Wer sein Ruhestandsgehalt optimieren will, verbindet das Beste aus zwei Welten.
Planungssicherheit entsteht durch lebenslange Zahlungen.
Flexibilität und zusätzliche Chancen liefert ein gut gesteuerter Auszahlplan.

Keine Anlageberatung im rechtlichen Sinn.
Entscheidungen zu Vertragsformen und Entnahmequoten sollten zu Ihrer persönlichen Situation passen.

Fonds oder Fondspolice? So treffen Sie eine kluge Wahl für die Altersvorsorge

12. Oktober 2025 in Altersvorsorge, Investmentfonds, Newsletter, Vermögensanlage

Viele Anleger:innen stehen vor der Frage: Direkt in Fonds investieren – oder über eine fondsgebundene Rentenversicherung („Fondspolice“)? Beide Wege führen an die Kapitalmärkte und eignen sich grundsätzlich für den langfristigen Vermögensaufbau. Doch sie funktionieren unterschiedlich – vor allem bei Steuern, Kosten und Flexibilität. Im Folgenden finden Sie einen kompakten, verständlichen Überblick mit Praxis-Tipps für die Entscheidung.

Kurz erklärt: Was ist was?

  • Fonds/ETFs im Depot: Sie kaufen Investmentfonds oder ETFs direkt über ein Wertpapierdepot. Kauf/Verkauf, Sparpläne, Umschichtungen – alles steuern Sie selbst.
  • Fondspolice: Eine Rentenversicherung, in der Ihr Beitrag in ausgewählte Fonds/ETFs investiert wird. Zusätzlich gibt es Versicherungsfunktionen (z. B. spätere Verrentung, Todesfallleistung) und eine eigene steuerliche Logik.

Steuern: Wo liegen die Unterschiede?

  • In der Police „steuerlich im Mantel“ anlegen: Innerhalb der Fondspolice fallen während der Ansparphase keine laufenden Steuern an; Umschichtungen lösen keine Abgeltungsteuer aus. Bei Erfüllung der 12/62-Regel (mindestens 12 Jahre Laufzeit und Auszahlung ab 62) wird bei einer Kapitalauszahlung nur die Hälfte des Gewinns mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Todesfallleistungen sind regelmäßig abgeltungsteuerfrei.
  • Im Depot „pay as you go“: Erträge aus Fonds unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag – auf den vollen Ertrag. Umschichtungen gelten als Verkauf/Kauf und sind sofort steuerpflichtig. Außerdem kann eine Vorabpauschale als Vorauszahlung anfallen; der Sparer-Pauschbetrag (derzeit 1.000 € p. a. für Singles) hilft, einen Teil davon steuerfrei zu stellen. Bei Aktienfonds gilt die Teilfreistellung (i. d. R. 30 %), in der Police ist sie je nach Tarifkonstruktion teils niedriger.

Merke: Steuerlich hat die Fondspolice tendenziell Vorteile – besonders, wenn Sie regelmäßig rebalancen oder häufiger die Fondsauswahl wechseln. Im Depot punkten dagegen Pauschbetrag und die höhere Teilfreistellung bei Aktienfonds. Welche Seite „gewinnt“, hängt stark vom Einzelfall ab.

Wichtiger Hinweis: Steuerrecht kann sich ändern; die individuelle Wirkung hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche Beratung.

Kosten: Wer ist günstiger?

  • Fondspolice: Neben den laufenden Fondskosten fallen vertragsbezogene Kosten an (z. B. Abschluss- und Verwaltungskosten; Höhe abhängig von Laufzeit, Beitrag, Tarif).
  • Depot: Modell je nach Bank/Broker (Ausgabeaufschläge bei aktiven Fonds, Handelsgebühren bei ETFs/Neobrokern, ggf. Depotgebühr). Mit Beratung/Management kommen ggf. jährliche Servicegebühren hinzu. Oft ist die Direktanlage insgesamt günstiger, weil die „Versicherungsschicht“ als zusätzliche Kostenquelle entfällt – auch wenn die Differenz, gerade bei Einmalanlagen, kleiner geworden ist.

Auswahl & Flexibilität

  • Auswahl: Im Depot haben Sie in der Regel die größte Fondsauswahl. In Policen sind Sie auf die Palette des Versicherers beschränkt (die aber häufig breit genug ist).
  • Disziplin & Bindung: Eine Police schafft Verbindlichkeit – für manche ein Nachteil, für andere ein nützlicher Schutz vor „Vorsorge-Plünderung“.
  • Auszahlungsoptionen: Policen bieten zusätzlich die Möglichkeit der lebenslangen Rente; teils sind flexible Entnahmen trotz Verrentung möglich. Im Depot können Sie jederzeit verkaufen oder einen Auszahlplan einrichten.

Für wen passt was? (Daumenregeln)

  • Depot/Fonds direkt, wenn Sie
    – maximale Auswahl möchten,
    – Kosten drücken wollen,
    – Ihren Sparer-Pauschbetrag ausschöpfen und liquide bleiben möchten.
  • Fondspolice, wenn Sie
    – langfristig planen,
    – Umschichtungen steuerlich „geräuschlos“ erledigen wollen,
    – die 12/62-Regel erreichen können und die Option auf lebenslange Rente schätzen.

Praxis-Tipp: Kombinieren statt dogmatisieren

Sehr oft ist die Mischstrategie sinnvoll:

  • Einen Teil regelmäßig in die Fondspolice (mit Blick auf 12/62, Disziplin, Verrentungsoptionen).
  • Den anderen Teil direkt ins Depot (Pauschbetrag jährlich nutzen, flexibel bleiben).
    So sichern Sie sich steuerliche Vorteile aus beiden Welten und bleiben anpassungsfähig.

Fazit

Die Fondspolice ist häufig steuerlich überlegen, die Direktanlage kosten- und auswahlseitig im Vorteil. Was für Sie besser ist, entscheidet sich an Ihren Zielen, Ihrem Zeithorizont, Ihrer Steuer- und Kostensituation – und daran, wie aktiv Sie Ihr Portfolio steuern möchten. Am Ende zählt, dass Ihre Lösung langfristig zu Ihnen passt.

Hinweis in eigener Sache: Wenn Sie prüfen möchten, welche Kombination aus Depot und Fondspolice zu Ihrer Situation passt (inkl. Kosten-/Steuer-Szenarien, Rebalancing-Effekten und Auszahlungswegen), erstelle ich Ihnen gern eine maßgeschneiderte Analyse.