Nachhaltig investieren ohne Selbstbetrug

14. Dezember 2025 in Altersvorsorge, Education, Investmentfonds, Newsletter, Vermögensanlage

Nachhaltige Geldanlage ist im Mainstream angekommen. Das ist grundsätzlich gut. Es hat jedoch eine Nebenwirkung, über die man offen sprechen muss: Je größer der Markt, desto lauter das Marketing. Und je lauter das Marketing, desto größer die Gefahr, dass Anleger am Ende vor allem eines kaufen: ein gutes Gefühl. Nicht unbedingt ein gutes Produkt.
Wenn auf einem Fonds oder ETF nachhaltig, ESG, SRI oder grün steht, ist das kein Beweis, sondern eine Behauptung. Die entscheidende Frage lautet nicht: Klingt das Produkt nachhaltig? Sondern: Welche Regeln gelten konkret, was passiert in Grenzfällen und was liegt tatsächlich im Portfolio?
Dieser Beitrag trennt sauber zwischen zwei Welten, die in der Praxis ständig vermischt werden: Negatives vermeiden und Positives fördern. Dazu kommt als dritter Weg die Transition: der Umbau bestehender Geschäftsmodelle. Wer diese Unterschiede nicht sauber versteht, wird zwangsläufig falsch investieren. Oder anders gesagt: Man kann sich sehr nachhaltig fühlen und gleichzeitig ziemlich konventionell anlegen.

1. Drei Nachhaltigkeiten, die gerne so tun, als wären sie eine
Bevor Sie über Produkte sprechen, müssen Sie über Logik sprechen. Denn unter dem Etikett nachhaltig werden drei völlig unterschiedliche Zielsysteme verkauft.
1.1 Werteorientierung
Hier geht es um No Go Regeln. Sie wollen bestimmte Branchen oder Praktiken nicht im Portfolio haben. Punkt. Das ist legitim. Es ist nur eben keine Wirkungsstrategie, sondern eine Vermeidungsstrategie.
1.2 ESG als Risikomanagement
Hier wird Nachhaltigkeit als zusätzlicher Blick auf Unternehmensqualität und Risiken genutzt. Das kann sinnvoll sein, weil schlechte Governance, Lieferkettenchaos oder Klimarisiken reale finanzielle Folgen haben. Nur sollte man es nicht als moralische Hochleistung verkaufen. ESG Integration ist häufig: besseres Risikomanagement, nicht automatisch bessere Welt.
1.3 Wirkung und Beitrag
Hier soll Kapital messbar zu Umwelt und Sozialzielen beitragen. Das klingt am attraktivsten, ist aber am anspruchsvollsten. Wirkung muss definiert, gemessen und berichtet werden. Wer Impact erwartet und ein beliebiges ESG Produkt kauft, wird enttäuscht. Wer Impact verspricht und nur oberflächlich filtert, betreibt Etikettenschwindel.
Merksatz: Sie bekommen nur das, was Sie ausdrücklich definieren. Alles andere ist Hoffnung als Anlagestrategie.

2. Negatives vermeiden versus Positives fördern: Der Unterschied, der alles entscheidet
2.1 Negatives vermeiden
Die Leitfrage lautet: Was darf nicht im Portfolio vorkommen?
Typische Ausschlüsse sind:
• Kontroverse Waffen und schwere Menschenrechtsverstöße
• Tabak
• Kohle und besonders klimaschädliche Fördermethoden
• schwere Korruption und systematische Governance Probleme
• gravierende Umweltverstöße
• Verstöße gegen internationale Normen wie UN Global Compact oder OECD Leitsätze
Das ist gut umsetzbar, oft auch kostengünstig über ETFs. Aber lassen Sie sich bitte nichts vormachen: Vermeidung ist nicht Förderung. Sie reduzieren potenziellen Schaden, Sie finanzieren dadurch aber nicht automatisch Lösungen.
2.2 Positives fördern
Die Leitfrage lautet: Wofür soll Ihr Geld arbeiten?
Typische Förderthemen:
• Energiewende, Netze, Speicher, Energieeffizienz
• Wasser und Infrastruktur
• Kreislaufwirtschaft, Recycling, Ressourceneffizienz
• Biodiversität und nachhaltige Landnutzung
• Bildung, Gesundheit, bezahlbarer Wohnraum
Hier beginnt die echte Arbeit. Denn diese Strategien bringen Nebenwirkungen mit:
• höhere Volatilität
• Klumpenrisiken
• Abhängigkeit von Politik und Regulierung
• Bewertungsblasen in Boomphasen
Wer das verschweigt, verkauft nicht Nachhaltigkeit, sondern eine Story.
2.3 Transition: Der Umbau ist nicht hübsch, aber oft notwendig
Es gibt einen doppelten Denkfehler im Markt: Entweder man verlangt Reinheit und blendet aus, dass die großen Emittenten transformieren müssen. Oder man behauptet Transition und liefert am Ende nur ein normales Portfolio mit grünem Anstrich.
Transition kann sinnvoll sein, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
• klare Transformationsstrategie und Investitionspläne
• transparente Ziele und messbarer Fortschritt
• aktives Engagement mit Stimmrechtsausübung und Eskalationslogik
Alles andere ist: Wir halten es, weil es im Index ist, und nennen es Transformation.

3. Die Strategien im Markt: Was sie leisten und wo sie gern täuschen
Nachhaltige Strategien sind kein Geheimwissen. Entscheidend ist, ob Anbieter sie sauber umsetzen oder nur behaupten.
3.1 Ausschlüsse
Stark für Werteorientierung. Schwach, wenn Schwellen weich sind. Wenn Kohle erst ab hohen Umsatzanteilen ausgeschlossen wird, bleibt Kohle im Portfolio. Nur eben versteckt.
3.2 Normbasiertes Screening
Solide Mindeststandards, aber oft reaktiv. Es greift, wenn ein Skandal schon öffentlich ist.
3.3 Best in Class
Konzeptionell sauber, weil es innerhalb einer Branche die besseren Akteure bevorzugt. Gleichzeitig moralisch für manche Anleger unpassend, weil auch problematische Branchen vorkommen können. Wer Best in Class kauft und erwartet, dass alles rein ist, hat das Prinzip nicht verstanden.
3.4 ESG Integration
Oft vernünftiges Risikomanagement. Aber als Anleger sollten Sie wissen: Das Ergebnis kann sehr nah am Standardmarkt bleiben. ESG Integration ist häufig “weniger schlecht”, nicht “grundsätzlich anders”.
3.5 Themenfonds und Lösungen
Das ist Förderung. Gleichzeitig ist es oft ein konzentriertes Wagnis. Clean Energy klingt großartig, kann aber in der Praxis ein sehr enges, politisch getriebenes Segment sein.
3.6 Engagement und Stewardship
Das ist die Königsdisziplin, wenn es ernst gemeint ist. Aber auch die bequemste Ausrede, wenn es nicht ernst gemeint ist. Ohne Abstimmungsberichte, Engagement Ziele und Eskalation ist es Marketing.
3.7 Impact
Hoher Anspruch, potenziell hoher Nutzen, aber nicht automatisch “besser”. Wirkungslogik und Messbarkeit müssen belastbar sein. Ansonsten bleibt Impact ein Wort, das man gut auf Broschüren drucken kann.

4. Regulierung hilft, aber sie nimmt Ihnen das Denken nicht ab
Die EU hat Leitplanken gesetzt: Nachhaltigkeitspräferenzen müssen abgefragt und berücksichtigt werden, wenn Kunden sie wünschen. Das schafft Ordnung. Es schafft aber keine automatische Qualität.
Praxisrelevant sind drei Stellhebel, über die Nachhaltigkeitspräferenzen investierbar gemacht werden:
1. Mindestanteil Taxonomie konformer Investitionen
Das ist streng, aber das Angebot ist in der Praxis häufig noch begrenzt. Wer hier hohe Quoten fordert, muss akzeptieren, dass das investierbare Universum enger wird.
2. Mindestanteil nachhaltiger Investitionen im Sinne der Offenlegungslogik
Hier zählt, wie “nachhaltige Investition” konkret definiert und nachgewiesen wird. Es gibt Interpretationsspielräume. Genau deshalb ist Dokumentenprüfung wichtig.
3. Berücksichtigung wesentlicher nachteiliger Auswirkungen
Das ist oft der pragmatischste Hebel: Sie definieren, welche negativen Effekte vermieden oder reduziert werden sollen, und prüfen, ob der Fonds dazu Regeln und Reporting hat.
Ein wichtiger Punkt für die Praxis: Artikel 8 oder Artikel 9 wird gern als hellgrün oder dunkelgrün verkauft. Beides kann sinnvoll sein. Beides kann auch enttäuschen. Entscheidend ist nicht die Schublade, sondern der Inhalt.

5. Greenwashing erkennen: Die Muster sind erstaunlich banal
Greenwashing hat meistens keine spektakulären Tricks. Es hat Routine.
5.1 ESG im Namen, Standardmarkt im Portfolio
Wenn die Top Positionen aussehen wie ein normaler Weltindex, ist das kein Skandal. Es ist nur nicht das, was viele Anleger erwarten.
5.2 Weiche Schwellen und Ausnahmen
Ausschlüsse, die erst bei extrem hohen Umsatzanteilen greifen, sind keine echten Ausschlüsse. Sie sind ein Feigenblatt.
5.3 Best in Class wird als Reinheit verkauft
Das ist intellektuell unredlich. Best in Class ist relativer Fortschritt, keine moralische Vollkommenheit.
5.4 Themenfonds werden als “sicher nachhaltig” verkauft
Themenfonds sind oft konzentriert und volatil. Wer sie als Allwetterlösung verkauft, setzt Anleger unnötig Risiken aus.
5.5 Engagement ohne Belege
Wenn ein Anbieter Engagement behauptet, aber kaum dokumentiert, wie abgestimmt wurde und welche Ziele verfolgt wurden, ist es kein Engagement. Es ist PR.

6. Konkrete Empfehlungen zu Anlageinstrumenten, ohne Produktromantik
Ich empfehle Ihnen, nachhaltig nicht als Sonderwelt zu betrachten, sondern als präzises Lastenheft. Danach wählen Sie Instrumente. Und zwar getrennt nach Zielsystem.
6.1 Basislösung für Vermeidung: ESG oder SRI ETFs als Kern
Wenn Sie breit diversifizieren wollen, sind ETFs oft der effizienteste Startpunkt.
Geeignete Instrumente
• breit gestreute ESG ETFs auf Welt, USA, Europa, Emerging Markets
• strengere SRI ETFs, wenn Sie härtere Filter wollen
• Klima Benchmarks, wenn Sie explizit Dekarbonisierungskriterien wünschen
Konkrete Auswahlkriterien
• harte Ausschlüsse für kontroverse Waffen und schwere Normverstöße
• klare Regeln zu Kohle, idealerweise mit definierten Umsatzschwellen
• transparente Indexmethodik, nachvollziehbares Rebalancing
• Blick in die Top Positionen und Sektor Gewichte, um Etikettenfallen zu vermeiden
• ein Konsistenzcheck: Name, Strategie, Portfolio müssen zusammenpassen
Mein klarer Rat
Wenn Sie Nachhaltigkeit wollen, aber keine Lust auf Storytelling, bauen Sie den Kern so. Das ist nicht spektakulär, aber robust.
6.2 Streng werteorientiert: SRI plus harte No Go Listen
Wenn Sie klare moralische Grenzen setzen, brauchen Sie konsequente Regeln.
Geeignete Instrumente
• SRI ETFs mit strengeren Ausschlüssen
• aktive Fonds mit dokumentierten Ausschlusskatalogen und sauberem Reporting
• Fonds, die negative Auswirkungen systematisch berücksichtigen und darüber berichten
Was Sie akzeptieren müssen
• höherer Tracking Error gegenüber Standardindizes
• potenziell höhere Konzentration
• mitunter höhere Kosten, weil strengere Prozesse aufwendiger sind
Wer strenge Werte will, muss Abweichung vom Mainstream wollen. Alles andere ist Selbstbetrug.
6.3 Positives fördern: Themen und Impact als Satelliten, nicht als gesamtes Fundament
Förderthemen sind sinnvoll, aber sie sind selten die stabile Mitte eines Portfolios.
Geeignete Instrumente
• Themenfonds oder ETFs für konkrete Lösungen
• aktive Impact Fonds mit klarer Wirkungslogik und Kennzahlen
• Transition Fonds, wenn Engagement und Fortschritt nachweisbar sind
Die saubere Umsetzung: Core Satellite
• Core: breit gestreuter ESG oder SRI Kern
• Satelliten: ein bis drei Förderthemen in begrenzter Quote, passend zum Risiko
So bekommen Sie Wirkungskomponente, ohne dass Ihr gesamtes Portfolio vom nächsten Themenzyklus abhängig wird.
6.4 Nachhaltige Anleihen: Green Bonds und Social Bonds mit Dokumentenpflicht
Anleihen sind im Nachhaltigkeitskontext sinnvoll, aber nur mit genauer Prüfung.
Geeignete Instrumente
• Green Bond Fonds und ETFs, wenn Mittelverwendung und Reporting solide sind
• Social Bonds, wenn soziale Ziele explizit gewünscht sind
• Sustainability Linked Bonds nur selektiv, weil KPI Qualität stark schwankt
Wichtig: Ein grüner Bond sagt etwas über die Mittelverwendung aus, nicht automatisch über die Gesamtbilanz des Emittenten. Das ist kein Ausschlussgrund. Es ist ein Hinweis, dass Sie Reinheit und Transition nicht durcheinanderwerfen dürfen.

7. Die Checkliste, die Marketing zuverlässig entwaffnet
Wenn ein Produkt nachhaltig behauptet, muss es diese Fragen beantworten:
1. Welche Strategie ist es konkret: Ausschluss, Best in Class, Themen, Engagement, Impact, Integration
2. Welche No Go Regeln gelten, inklusive Umsatzschwellen
3. Wie werden Normverstöße und Kontroversen behandelt
4. Welche Governance Mindeststandards gelten
5. Wie wird nachhaltige Investition definiert und überprüft
6. Gibt es Angaben zur Taxonomie Orientierung und Datenbasis
7. Welche negativen Auswirkungen werden berücksichtigt und wie gemessen
8. Wie sieht das Reporting aus, regelmäßig, nachvollziehbar, konsistent
9. Stimmen Fondsname, Strategie und tatsächliche Positionen überein
10. Wie konzentriert ist das Portfolio: Titelanzahl, Top Positionen, Sektor und Länder
11. Wie hoch ist der Tracking Error und ist er gewollt
12. Welche Kosten fallen an und sind sie angemessen
13. Wie wird abgestimmt, welche Engagement Ziele gibt es
14. Welche Risiken entstehen aus Themenfokus, Politik, Bewertungen
15. Passt das Produkt zu Ihrer Logik: vermeiden, fördern oder Transition
Wenn Anbieter darauf ausweichen oder nur mit schönen Worten antworten, haben Sie Ihre Antwort bereits.

8. Drei Portfoliologiken, die in der Praxis funktionieren
8.1 Grün und pragmatisch
Ziel: solide Mindeststandards, breite Diversifikation
• ESG Kern weltweit
• Anleihenanteil mit nachhaltiger Ausrichtung
• kleiner Förder Satellit
8.2 Streng und werteorientiert
Ziel: harte Grenzen, konsequente Umsetzung
• SRI Kern weltweit
• defensive Bausteine mit klaren Regeln zu negativen Auswirkungen
• Satelliten nur, wenn sie die No Go Logik nicht unterlaufen
8.3 Förderung und Wirkung im Fokus
Ziel: Beitrag zu Lösungen, ohne Portfoliotechnik zu opfern
• stabilisierender Kern als ESG oder SRI
• mehrere Förder Satelliten, bewusst begrenzt
• Anleihenbausteine mit klarer Projektlogik und Reporting

Schlussgedanke: Nachhaltigkeit ist kein Label, sondern ein Vertrag mit sich selbst
Wenn Sie nachhaltig investieren wollen, müssen Sie sich entscheiden, welche Art von Nachhaltigkeit Sie meinen. Alles andere ist ein Eintrittsticket in die Welt der Etiketten. Der Markt liefert Ihnen dann zuverlässig “grüne” Wörter, aber keine grünen Regeln.
Mein Rat lautet daher: Definieren Sie zuerst Ihre Logik, dann Ihre Kriterien, dann Ihre Instrumente. Und prüfen Sie regelmäßig, ob das, was im Verkaufsprospekt behauptet wird, auch im Portfolio passiert. Nachhaltigkeit ohne Kontrolle ist Gefühl. Nachhaltigkeit mit Kontrolle ist Strategie.

Kurzer Hinweis
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Kapitalmarktanlagen sind mit Risiken verbunden. Nachhaltigkeitskennzahlen basieren teilweise auf Schätzungen, Datenlücken und Methodiken, die sich ändern können.

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Wie die Mächtigen mit der Angst die Menschen kontrollieren. Ein Blick auf die Geschichte, die Gegenwart – und die Macht der Emotionen

12. April 2025 in Allgemein, Education

Angst ist ein mächtiges Gefühl. Sie lässt uns handeln, manchmal vorschnell, manchmal aus Überzeugung. Sie lähmt, sie motiviert, sie schafft Gemeinschaft – aber sie macht uns auch gefügig. Die Geschichte zeigt: Wer die Angst kontrolliert, kontrolliert oft auch die Menschen. Von der mittelalterlichen Kirche bis hin zu heutigen Regierungen und Medien – die bewusste Erzeugung oder Verstärkung von Angst war und ist ein zentrales Mittel, um Macht zu erhalten oder auszubauen.

Angst im Mittelalter: Der Schlüssel zur Seelenkontrolle

Im Mittelalter war die Kirche nicht nur religiöse Instanz, sondern auch ein mächtiger politischer und sozialer Akteur. Ihre Macht beruhte nicht zuletzt auf der geschickten Steuerung von Ängsten – insbesondere der Angst vor dem ewigen Höllenfeuer.

Menschen glaubten fest daran, dass ihr Verhalten im Diesseits direkten Einfluss auf ihr Schicksal im Jenseits hatte. Diese Angst vor der Hölle und dem göttlichen Zorn wurde von der Kirche genutzt, um Gehorsam zu erzeugen – sei es durch den Ablasshandel, durch rigide Moralvorschriften oder durch die Angst vor der Exkommunikation. Wer nicht konform lebte, riskierte nicht nur soziale Ausgrenzung, sondern – so die Überzeugung – auch ewige Verdammnis.

Zudem förderte die Kirche gezielt Angst vor Ketzerei, Hexerei und dem Teufel, um Abweichungen von der offiziellen Lehre zu unterdrücken. Angst war ein Werkzeug, um die „Herde“ zusammenzuhalten.

Frühe Neuzeit: Angst als Herrschaftsinstrument

In der frühen Neuzeit veränderten sich die gesellschaftlichen Strukturen, doch die Angst blieb ein zentrales Herrschaftsmittel. Die Hexenverfolgung erreichte im 16. und 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Die Mächtigen nutzten die tiefsitzende Angst vor übernatürlichen Kräften, um unliebsame Personen auszuschalten oder soziale Spannungen zu kanalisieren.

Ein weiteres, dunkles Kapitel dieser Zeit war das gezielte Schüren der Angst vor den Juden. Antijüdische Pogrome und Verfolgungen wurden unter anderem mit Ritualmordlegenden, Brunnenvergiftungen oder vermeintlicher Hostienschändung begründet. Juden galten als „fremd“ und wurden bei gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krisen regelmäßig als Sündenböcke instrumentalisiert. Diese angstgesteuerte Ausgrenzung hatte verheerende Folgen und bereitete den Boden für spätere ideologische Katastrophen.

Politische Herrscher bedienten sich ebenfalls der Angst – etwa durch Drohungen mit Krieg, Strafen oder Repressionen gegen Andersdenkende. Die Angst vor dem „Feind im Inneren“ wurde immer wieder neu entfacht, um Kontrolle und Loyalität zu sichern.

Angst in der Moderne: Ideologien und ihre Schattenseiten

Auch im 20. Jahrhundert war Angst ein wirksames Mittel der Massenlenkung. Totalitäre Systeme wie der Nationalsozialismus oder der Stalinismus nutzten die Angst vor „dem Anderen“, vor Spionen, vor dem „inneren Feind“ und vor Verrat, um eine Atmosphäre der Paranoia zu schaffen, in der Kritik kaum mehr möglich war.

Insbesondere im Nationalsozialismus wurde die Angst vor den Juden systematisch kultiviert. Durch gezielte Propaganda wurde ein Bild des „jüdischen Weltfeinds“ gezeichnet – als Finanzmacht, als moralischer Zersetzer, als „Verursacher“ von Krieg, Kommunismus und Kapitalismus zugleich. Diese inszenierte Bedrohung legitimierte Diskriminierung, Entrechtung, Vertreibung – und schließlich die industrielle Vernichtung von sechs Millionen Menschen. Die Angst wurde zur ideologischen Triebfeder eines beispiellosen Verbrechens.

Auch in der Sowjetunion wurden „Volksfeinde“, Juden, Intellektuelle oder politische Gegner durch inszenierte Schauprozesse und permanente Angst vor Verhaftung und Deportation unterdrückt. Propaganda, Zensur und staatliche Überwachung bauten auf dieser Angst auf – und machten viele Menschen zu Mitläufern. Wer fürchtet, selbst Opfer zu werden, duckt sich eher weg, als sich zu widersetzen.

Die neue Angst: Klimakrise, Pandemien, geopolitische Bedrohungen

Heute leben wir in einer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft. Und doch – Angst ist präsenter denn je. Nur hat sie ihre Form gewandelt.

  1. Die Angst vor dem Klimawandel

Die Klimakrise ist zweifellos real – ihre Folgen sind wissenschaftlich belegt. Doch auch hier wird Angst gezielt genutzt: Politiker, Medien und Aktivisten erzeugen eine Dringlichkeit, die nicht nur zum Handeln motivieren, sondern auch moralischen Druck aufbauen soll. Wer den Klimawandel infrage stellt oder auch nur differenzieren möchte, wird schnell als „Klimaleugner“ stigmatisiert.

Verzicht, Einschränkungen, neue Steuern – vieles wird mit dem Hinweis auf die drohende Katastrophe begründet. Natürlich ist Umweltschutz wichtig. Doch wenn Angst zur Grundlage politischen Handelns wird, besteht immer die Gefahr, dass kritische Stimmen unterdrückt werden.

  1. Die Angst vor Pandemien

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie stark Angst das Verhalten einer ganzen Gesellschaft beeinflussen kann. Innerhalb weniger Wochen wurden Grundrechte eingeschränkt, Kontakte reduziert, Berufsgruppen gegeneinander ausgespielt. Die Angst vor Ansteckung, vor dem Tod, aber auch vor gesellschaftlicher Ächtung war allgegenwärtig.

Auch hier: Maßnahmen mögen medizinisch geboten gewesen sein – aber sie waren politisch nur durchsetzbar, weil die Angst groß genug war. Angst war das Bindemittel, das kollektive Akzeptanz für bisher undenkbare Eingriffe in das private und öffentliche Leben schuf.

  1. Die Angst vor Russland, Krieg und Instabilität

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 ist ein neues Kapitel in der europäischen Sicherheitslage aufgeschlagen. Die Angst vor einem größeren Krieg – nicht nur in der Ukraine, sondern auch in angrenzenden Regionen – hat deutlich zugenommen.

In Deutschland und im Baltikum wird zunehmend die Angst vor einem russischen Angriff auf NATO-Gebiete diskutiert. Politiker, Militärexperten und Medien greifen diese Angst auf, um die Bevölkerung auf eine neue Phase der „Kriegstüchtigkeit“ einzustimmen – ein Begriff, der spätestens seit Anfang 2024 intensiv in den öffentlichen Diskurs eingegangen ist. Die Bundeswehr soll massiv aufgerüstet, der Zivilschutz gestärkt, der Wehrdienst wieder eingeführt oder verlängert werden.

Medienberichte über Angriffsszenarien, angebliche Zeitfenster für eine russische Invasion (z. B. „2030 ist Deutschland nicht mehr verteidigungsfähig“) und die ständige Präsenz von Bedrohungslagen erzeugen eine Atmosphäre latenter Unsicherheit. Auch hier stellt sich die Frage: Wo endet sachliche Information – und wo beginnt die gezielte Mobilisierung durch Angst?

Was fürchten die Deutschen wirklich?

Laut dem R+V Langzeitvergleich „Die Ängste der Deutschen“, der seit 1992 jährlich erhoben wird, fürchten sich die Deutschen vor allem vor Themen, die direkt ihr tägliches Leben und ihre persönliche Sicherheit betreffen. Die Top-Ängste der letzten Jahre waren unter anderem:

  • Steigende Lebenshaltungskosten
  • Überforderung des Staates durch Zuwanderung
  • Naturkatastrophen und Extremwetter
  • Konflikte durch den Ukraine-Krieg
  • Pflegenotstand im Alter
  • Schlechter Zustand der Wirtschaft
  • Spannungen durch politische Entscheidungen

Diese Umfragen zeigen deutlich: Die Ängste der Bevölkerung sind oft wirtschaftlich oder sozial begründet. Es geht um die Angst, den eigenen Lebensstandard nicht halten zu können, um den Verlust sozialer Sicherheiten oder die Überforderung des Gemeinwesens. Die „großen Ängste“, die medial oft stärker betont werden – wie etwa globale Konflikte oder Klimakatastrophen – spielen für viele zwar auch eine Rolle, rangieren aber häufig hinter alltagsnäheren Sorgen.

Angst als Machtinstrument – ein kritischer Blick

Was bedeutet das alles? Muss man nun alle Warnungen ignorieren, nur weil sie Angst erzeugen? Natürlich nicht. Doch es ist wichtig, sich bewusst zu machen, wann Angst aufklärt – und wann sie instrumentalisiert wird.

Typische Merkmale der Angsterzeugung zur Kontrolle:

  1. Stark vereinfachte Narrative („Wenn du nicht X tust, passiert Y“)
  2. Moralisierung des Diskurses („Nur die Guten glauben an…“)
  3. Kampfbegriffe gegen Kritiker („Leugner“, „Schwurbler“, „Putinversteher“)
  4. Emotionale statt rationale Kommunikation
  5. Fehlender Raum für Zwischentöne oder Alternativen

Wie kann man sich schützen?

  1. Eigenständiges Denken: Medienkompetenz ist entscheidend. Quellen vergleichen, Statistiken hinterfragen, nicht alles ungeprüft übernehmen.
  2. Historisches Bewusstsein: Wer weiß, wie oft Angst in der Geschichte genutzt wurde, erkennt Muster schneller.
  3. Diskurs zulassen: Eine gesunde Demokratie lebt vom Streit. Wer andere Meinungen zulässt, ist weniger manipulierbar.
  4. Emotionen erkennen: Wer sich seiner Ängste bewusst ist, kann sie besser einordnen – und gezielt gegensteuern.
  5. Solidarität statt Spaltung: Angst trennt – Gemeinschaft stärkt.

Fazit

Angst ist menschlich – und sie gehört zum Leben dazu. Doch sie ist auch ein politisches Werkzeug. Wer Angst gezielt schürt, kann Menschen steuern, lenken, unterdrücken. Von der mittelalterlichen Kirche über totalitäre Systeme bis hin zur modernen Demokratie – immer wieder zeigt sich: Der Umgang mit Angst entscheidet über Freiheit oder Unterwerfung.

Deshalb ist Wachsamkeit gefragt – nicht nur gegenüber äußeren Bedrohungen, sondern auch gegenüber denen, die sie benennen. Eine offene Gesellschaft braucht Sicherheit – aber auch den Mut, Angst zu hinterfragen.

 

Rente & Altersvorsorge im Koalitionsvertrag 2025

10. April 2025 in Allgemein, Altersvorsorge, Education, Vermögensanlage
🧓 Allgemeine Rentenpolitik
Rentenniveau: Das Rentenniveau soll gesetzlich bei 48 % bis 2031 abgesichert werden. Finanzierung erfolgt über Steuermittel. 2029 ist eine Evaluierung geplant​.
Frühstart-Rente: Einführung zum 01.01.2026 – zehn Euro monatlich für Kinder (6–18 Jahre) in ein privatwirtschaftliches Altersvorsorgedepot, steuerfrei bis Renteneintritt, Auszahlung erst ab Regelaltersgrenze​.
🏢 Betriebliche Altersvorsorge
Soll besonders in kleinen und mittleren Unternehmen sowie bei Geringverdienern gestärkt werden.
Fokus: Digitalisierung, Vereinfachung, Portabilität bei Jobwechsel​.
👵 Flexibler Renteneintritt & Aktivrente
Abschlagsfreier Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren bleibt bestehen.
Finanzielle Anreize für längeres Arbeiten: Bis zu 2.000 € steuerfrei für Weiterarbeit über das gesetzliche Rentenalter hinaus.
Verbesserungen bei Hinzuverdienstgrenzen für Hinterbliebenenrente und Grundsicherung​.
👩‍💼 Selbstständige & Mütterrente
Neue Selbstständige sollen in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden (wenn sie keinem anderen Sicherungssystem angehören).
Mütterrente: Drei Rentenpunkte für alle Mütter, unabhängig vom Geburtsjahr der Kinder​.
📉 Reform der Riester-Rente
Umwandlung in ein neues, einfaches Vorsorgeprodukt ohne bürokratische Hürden und mit geringeren Kosten.
Ziel: bessere Förderung für kleine und mittlere Einkommen, eventuell in Form eines Standardprodukts​.
📄 Steuern & Rentner
Die Besteuerung von Rentnerinnen und Rentnern soll vereinfacht werden. Ziel: Entlastung von Erklärungspflichten​.

Woher kommt das Geld für die geplanten Schulden der neuen Bundesregierung und wie beeinflusst das meine Zinsen?

16. März 2025 in Allgemein, Education, Finanzierungen, Newsletter, Vermögensanlage

Die Frage, wie der Staat seine Ausgaben finanziert, ist von zentraler Bedeutung für jeden Bürger. Besonders in Zeiten, in denen über hohe Neuverschuldung diskutiert wird, ist es wichtig, die Mechanismen dahinter zu verstehen – und wie sie sich auf unseren Alltag auswirken.

Staatsanleihen als Hauptquelle

Die Bundesregierung finanziert ihre Schulden in erster Linie durch die Ausgabe von Staatsanleihen. Diese Anleihen sind im Grunde genommen Schuldscheine, die der Staat an Investoren verkauft. Diese Investoren können sein:

  • Institutionelle Anleger: Dazu gehören beispielsweise Pensionsfonds, Versicherungen und Banken.
  • Private Anleger: Auch Privatpersonen können Bundesanleihen erwerben.
  • Ausländische Investoren: Ein Teil der deutschen Staatsanleihen wird von Investoren aus dem Ausland gekauft.

Durch den Kauf dieser Anleihen leihen die Investoren dem Staat Geld, das dieser für seine Ausgaben verwenden kann.

Der Kapitalmarkt als Handelsplatz und Zinsindikator

Die Ausgabe von Staatsanleihen erfolgt am Kapitalmarkt. Hier treffen Angebot und Nachfrage aufeinander. Die Höhe der Zinsen (Renditen), die der Staat für seine Anleihen zahlen muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Die Bonität des Staates: Je kreditwürdiger ein Staat ist, desto niedriger sind in der Regel die Zinsen.
  • Die allgemeine Zinsentwicklung: Die Zinsen am Kapitalmarkt werden unter anderem von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst.
  • Die Inflationserwartungen: Steigende Inflationserwartungen führen in der Regel zu steigenden Zinsen.

Auswirkungen auf die Zinsen am Kapitalmarkt

Eine erhöhte Neuverschuldung des Staates führt in der Regel zu einem größeren Angebot an Staatsanleihen am Kapitalmarkt. Wenn das Angebot steigt, können die Zinsen steigen, da der Staat Investoren anlocken muss. Die Renditen von Bundesanleihen dienen oft als Referenz für andere Zinsen am Kapitalmarkt. Daher können steigende Renditen von Bundesanleihen auch zu steigenden Zinsen für Unternehmensanleihen und andere Anlageformen führen.

Der Zusammenhang mit Immobilienfinanzierungen

Die Zinsen für Immobilienfinanzierungen sind eng mit den Zinsen am Kapitalmarkt verbunden. Hier spielt vor allem die Rendite von Pfandbriefen eine wichtige Rolle. Pfandbriefe sind Schuldverschreibungen, mit denen Banken ihre Immobilienkredite refinanzieren.

  • Da die Renditen von Pfandbriefen wiederum von den Renditen von Staatsanleihen beeinflusst werden, kann eine erhöhte Neuverschuldung des Staates indirekt zu steigenden Zinsen für Immobilienfinanzierungen führen.
  • Steigen die Zinsen für Pfandbriefe, geben die Banken diese Kosten in der Regel an die Kreditnehmer weiter, was zu höheren Bauzinsen führt.

Sondervermögen als Finanzierungsinstrument

Zusätzlich zu den regulären Staatsanleihen kann die Bundesregierung auch sogenannte Sondervermögen zur Finanzierung nutzen. Diese Sondervermögen sind separate Töpfe außerhalb des regulären Bundeshaushalts, die für bestimmte Zwecke eingerichtet werden, wie beispielsweise Investitionen in die Verteidigung oder die Infrastruktur. Auch Sondervermögen werden durch die Ausgabe von Anleihen finanziert.

Die Schuldenbremse und ihre Grenzen

Die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse begrenzt die Neuverschuldung des Bundes. In bestimmten Ausnahmesituationen, wie beispielsweise Naturkatastrophen oder Wirtschaftskrisen, kann die Schuldenbremse jedoch ausgesetzt werden. Zudem ermöglichen es Sondervermögen, die Schuldenbremse indirekt zu umgehen, da diese Töpfe außerhalb des regulären Haushalts liegen.

Fazit

Die Finanzierung der Staatsschulden ist ein komplexes Thema, das von vielen Faktoren beeinflusst wird. Durch die Ausgabe von Staatsanleihen und die Nutzung von Sondervermögen kann die Bundesregierung ihre Ausgaben decken. Dabei spielt der Kapitalmarkt eine zentrale Rolle. Es ist wichtig, die Mechanismen hinter der Staatsverschuldung zu verstehen, um die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen besser einschätzen zu können. Insbesondere die Auswirkungen auf die Zinsen am Kapitalmarkt und die daraus resultierenden Folgen für die Immobilienfinanzierung sind für viele Bürger von großer Bedeutung.

BaFin-Kontenvergleich

15. Januar 2025 in Allgemein, Education

Der BaFin-Kontenvergleich bietet Ihnen einen breiten und neutralen Überblick über Konten und Anbieter. Die Nutzung ist kostenfrei. Empfehlungen gibt die BaFin nicht. Mit verschiedenen Filtern können Sie die Suche individuell gestalten und ein für Sie passendes Konto finden.

Link: https://kontenvergleich.bafin.de/de

 

 

Wie kann man für das Alter vorsorgen?

11. Januar 2025 in Altersvorsorge, Education, Vermögensanlage

Die Altersvorsorge ist eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen im Leben. Sie sorgt dafür, dass man im Ruhestand finanziell abgesichert ist und seinen Lebensstandard halten kann. Doch wie geht man dabei vor, und welche Instrumente eignen sich? Hier ein Überblick:


1. Gesetzliche Rente

Die gesetzliche Rentenversicherung bildet die Basis der Altersvorsorge in vielen Ländern. Ein Teil des Einkommens wird während der Erwerbstätigkeit in die Rentenkasse eingezahlt.

  • Vorteile: Solidarprinzip, abgesichert durch den Staat.
  • Herausforderungen: Demografischer Wandel führt dazu, dass zukünftige Renten womöglich nicht ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern.

Tipp: Regelmäßig prüfen, wie hoch die voraussichtliche Rente sein wird, z. B. durch eine Rentenauskunft.


2. Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Viele Arbeitgeber bieten eine betriebliche Altersvorsorge an. Dabei wird ein Teil des Bruttogehalts in eine Rentenversicherung eingezahlt.

  • Vorteile: Steuerliche Vergünstigungen und oft zusätzliche Beiträge vom Arbeitgeber.
  • Herausforderungen: Bindung an den Arbeitgeber; eingeschränkte Flexibilität.

Tipp: Informieren Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber über mögliche Modelle, z. B. Direktversicherungen oder Pensionskassen.


3. Private Vorsorge

Die private Altersvorsorge ist ein zentraler Baustein, um Lücken aus der gesetzlichen und betrieblichen Vorsorge zu schließen. Hier gibt es verschiedene Optionen:

a) Riester-Rente
  • Für wen geeignet? Arbeitnehmer, die in die Rentenversicherung einzahlen.
  • Vorteile: Staatliche Zulagen und Steuervergünstigungen.
  • Herausforderungen: Teilweise hohe Kosten und begrenzte Flexibilität.
b) Rürup-Rente
  • Für wen geeignet? Selbstständige und Gutverdiener.
  • Vorteile: Steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge.
  • Herausforderungen: Kapital ist bis zur Rente gebunden.
c) Private Rentenversicherung
  • Vorteile: Lebenslange Rentenzahlungen, hohe Flexibilität.
  • Herausforderungen: Abhängig von Versicherungsbedingungen und Rendite.
d) Investmentprodukte (z. B. ETF-Sparpläne)
  • Vorteile: Hohe Renditechancen, flexible Ein- und Auszahlungen.
  • Herausforderungen: Risiko von Wertschwankungen, erfordert grundlegendes Finanzwissen.

4. Immobilien

Immobilien eignen sich sowohl als Kapitalanlage als auch zur Eigennutzung.

  • Vorteile: Langfristige Wertstabilität, potenzielle Mieteinnahmen.
  • Herausforderungen: Hohe Einstiegskosten, Instandhaltungsaufwand.

Tipp: Prüfen Sie, ob eine Immobilie als Altersvorsorge zu Ihrer finanziellen Situation passt.


5. Sachwerte

Neben Immobilien können auch andere Sachwerte wie Gold, Silber oder Kunstwerke Teil der Altersvorsorge sein.

  • Vorteile: Schutz vor Inflation, unabhängig von Finanzmärkten.
  • Herausforderungen: Keine laufenden Erträge, schwankende Marktpreise.

6. Notfallfonds

Ein Notfallfonds ist kein direktes Altersvorsorge-Instrument, aber essenziell, um finanzielle Engpässe zu überbrücken und langfristige Anlagen unangetastet zu lassen.

Tipp: Legen Sie mindestens 3–6 Monatsgehälter auf ein Tagesgeldkonto.


Fazit

Für die Altersvorsorge gibt es keine „Einheitslösung“. Eine Kombination aus gesetzlicher Rente, betrieblicher und privater Vorsorge sowie diversifizierten Investments ist oft sinnvoll. Wichtig ist, frühzeitig zu beginnen, die eigenen Ziele zu definieren und sich regelmäßig beraten zu lassen.

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