Viele Menschen kennen den ungefähren Stand ihrer Altersvorsorge. Sie erhalten regelmäßig ihre Renteninformation, besitzen vielleicht eine betriebliche Altersversorgung, haben eine private Rentenversicherung abgeschlossen, ein Wertpapierdepot aufgebaut oder eine Immobilie abbezahlt. Auf den ersten Blick wirkt das beruhigend.
Doch eine Sammlung von Verträgen, Kontoständen und Rentenansprüchen ist noch keine Ruhestandsplanung.
Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel Vermögen heute vorhanden ist. Entscheidend ist, ob dieses Vermögen zusammen mit allen späteren Einkünften ausreicht, um den gewünschten Lebensstandard dauerhaft zu finanzieren. Und zwar nach Steuern, nach Beiträgen zur Krankenversicherung, unter Berücksichtigung der Inflation und auch dann, wenn das Leben anders verläuft als erwartet.
Genau an diesem Punkt wird aus einer scheinbar einfachen Rechnung eine anspruchsvolle Planungsaufgabe.
Warum Selbsteinschätzung und tatsächliche Planung auseinanderliegen
Nach einer aktuellen Befragung glauben zwei Drittel der Menschen über 50 Jahre, ihre Ruhestandsplanung selbst in die Hand nehmen zu können. Gleichzeitig blickt in der Altersgruppe zwischen 50 und 60 Jahren nur etwa jeder Dritte optimistisch auf den Ruhestand.
Dieser Widerspruch ist bemerkenswert.
Viele Menschen trauen sich die Planung grundsätzlich zu, fühlen sich mit dem Ergebnis aber trotzdem nicht sicher. Das liegt häufig nicht an mangelnder Intelligenz oder fehlendem Interesse. Es liegt an der Vielzahl der Fragen, die gleichzeitig beantwortet werden müssen.
Wie hoch ist das spätere Einkommen wirklich? Welcher Betrag bleibt nach Abgaben übrig? Wie viel Geld wird monatlich benötigt? Welche Ausgaben fallen weg, welche kommen hinzu? Wie lange muss das Vermögen reichen? Wie wird es angelegt? Was passiert bei einem Börseneinbruch kurz nach Beginn des Ruhestands? Welche Reserven werden für Gesundheit, Pflege, Reparaturen oder Unterstützung der Familie benötigt?
Wer diese Fragen einzeln betrachtet, findet oft eine Antwort. Schwierig wird es, daraus ein tragfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln.
Der erste Denkfehler: Die ausgewiesene Rente wird mit dem heutigen Einkommen verglichen
Die jährliche Renteninformation ist wichtig. Sie vermittelt einen ersten Eindruck davon, welche gesetzliche Rente später zu erwarten sein könnte. Die Digitale Rentenübersicht geht noch einen Schritt weiter und führt Ansprüche aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge zusammen.
Das schafft Transparenz. Es ersetzt aber keine Planung.
Viele ausgewiesene Beträge sind Bruttowerte. Von ihnen können Beiträge zur Krankenversicherung und zur Pflegeversicherung sowie Steuern abgehen. Wie hoch die tatsächliche Belastung ausfällt, hängt von der persönlichen Situation, der Art der Einkünfte, dem Rentenbeginn und den dann geltenden gesetzlichen Regelungen ab.
Auch verschiedene Vorsorgeformen werden unterschiedlich besteuert. Eine gesetzliche Rente wird steuerlich anders behandelt als eine private Rentenversicherung. Leistungen aus einer betrieblichen Altersversorgung können wiederum anderen Regeln unterliegen. Hinzu kommen mögliche Einkünfte aus Vermietung, Kapitalvermögen, selbstständiger Tätigkeit oder einem späteren Verkauf von Vermögenswerten.
Eine Planung auf Basis von Bruttobeträgen kann deshalb ein deutlich zu positives Bild erzeugen.
Was zählt, ist nicht die Summe aller Leistungsmitteilungen. Was zählt, ist der Betrag, der später tatsächlich zur Verfügung steht.
Der zweite Denkfehler: Der heutige Lebensstandard wird einfach fortgeschrieben
Häufig wird angenommen, im Ruhestand würden pauschal 70 oder 80 Prozent des bisherigen Einkommens benötigt. Solche Faustregeln können eine erste Orientierung geben. Für eine persönliche Planung reichen sie nicht aus.
Der Bedarf im Ruhestand verläuft selten gleichmäßig.
In den ersten Jahren möchten viele Menschen reisen, Zeit mit der Familie verbringen, ihr Zuhause verändern oder lange aufgeschobene Wünsche verwirklichen. Diese aktive Phase kann finanziell anspruchsvoller sein als erwartet.
Später werden manche Ausgaben geringer. Vielleicht wird weniger gereist und das Auto seltener genutzt. Andere Kosten steigen dagegen. Ausgaben für Gesundheit, Unterstützung im Haushalt, altersgerechtes Wohnen oder Pflege können erheblich zunehmen.
Hinzu kommen größere Einzelbeträge. Ein neues Auto, eine neue Heizung, die Sanierung des Hauses, Zahnersatz oder finanzielle Hilfe für Kinder und Enkel passen in keine gleichbleibende Monatsrechnung.
Eine gute Ruhestandsplanung betrachtet deshalb nicht nur einen durchschnittlichen Monatsbedarf. Sie bildet unterschiedliche Lebensphasen und größere Ausgaben gesondert ab.
Der dritte Denkfehler: Inflation wird unterschätzt
Inflation wirkt langsam. Genau deshalb wird ihre langfristige Bedeutung häufig unterschätzt.
Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Selbst wenn dieses Ziel genau erreicht würde, hätte das über einen langen Ruhestand erhebliche Auswirkungen.
Wer heute für seinen Lebensstandard 3.000 Euro im Monat benötigt, bräuchte bei einer gleichmäßigen Inflation von zwei Prozent nach 20 Jahren rund 4.460 Euro, um sich ungefähr das Gleiche leisten zu können. Nach 30 Jahren wären es bereits rund 5.430 Euro.
Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Ausgabe genauso steigt. Es zeigt aber, wie gefährlich es ist, mit einem unveränderten Bedarf zu rechnen.
Besonders problematisch sind hohe Bestände auf unverzinsten Konten. Der Kontostand bleibt nominal erhalten, seine Kaufkraft nimmt jedoch ab. Ein Vermögen kann auf dem Papier sicher wirken und real trotzdem jedes Jahr an Wert verlieren.
Sicherheit darf deshalb nicht nur bedeuten, Kursschwankungen zu vermeiden. Sicherheit muss auch den Erhalt der Kaufkraft berücksichtigen.
Der vierte Denkfehler: Durchschnittliche Lebenserwartung wird mit persönlicher Lebensdauer verwechselt
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben 65 Jahre alte Männer derzeit statistisch noch etwas mehr als 18 Lebensjahre vor sich. Bei Frauen sind es gut 21 Jahre.
Das sind Durchschnittswerte. Für die persönliche Planung sind sie nur eingeschränkt geeignet.
Ein Teil der Menschen lebt deutlich kürzer. Ein anderer Teil erreicht ein sehr hohes Alter. Wer seine Planung lediglich bis zum statistischen Durchschnittsalter aufstellt, riskiert, dass das Vermögen aufgebraucht ist, obwohl das Leben weitergeht.
Ruhestandsplanung muss deshalb auch ein langes Leben finanzierbar machen. Das klingt zunächst paradox, denn ein langes Leben ist etwas Positives. Finanziell ist es dennoch ein Risiko, weil immer länger laufende Ausgaben finanziert werden müssen.
Dieses Risiko lässt sich nicht einfach lösen, indem man besonders vorsichtig rechnet. Wer zu viel Kapital zurückhält, schränkt möglicherweise seinen Lebensstandard unnötig ein. Wer zu großzügig entnimmt, kann später in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Gesucht wird daher ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Lebensqualität heute und finanzieller Sicherheit bis ins hohe Alter.
Der fünfte Denkfehler: Vermögen wird mit verfügbarem Einkommen gleichgesetzt
Eine schuldenfreie Immobilie kann einen erheblichen Wert darstellen. Sie erzeugt aber nicht automatisch das Einkommen, das im Alltag benötigt wird.
Das gilt auch für Beteiligungen an einem Unternehmen, vermietete Immobilien, Sammlungen oder andere schwer veräußerbare Vermögenswerte. Vermögen kann vorhanden sein, ohne kurzfristig verfügbar zu sein.
Wer den überwiegenden Teil seines Vermögens im selbst bewohnten Haus gebunden hat, braucht deshalb eine Antwort auf mehrere Fragen:
Soll die Immobilie dauerhaft erhalten bleiben?
Reichen die laufenden Einnahmen für Unterhalt, Modernisierung und Lebenshaltung?
Wäre ein späterer Verkauf denkbar?
Soll ein Teil des Immobilienwerts nutzbar gemacht werden?
Ist ein Umzug in eine kleinere oder altersgerechte Wohnung geplant?
Soll die Immobilie an die nächste Generation übertragen werden?
Der Satz „Mein Haus ist meine Altersvorsorge“ kann richtig sein. Er wird aber erst dann zu einer belastbaren Aussage, wenn geklärt ist, wie aus dem Immobilienwert bei Bedarf tatsächlich finanzielle Freiheit entsteht.
Der sechste Denkfehler: Die Rendite wird geplant, das Risiko aber nicht
Viele Menschen konzentrieren sich bei der Geldanlage auf die erwartete Durchschnittsrendite. Für die Ruhestandsplanung ist jedoch nicht nur entscheidend, welche Rendite langfristig erzielt wird. Ebenso wichtig ist, wann gute und schlechte Börsenjahre eintreten.
Ein Kurseinbruch während der Ansparphase ist unangenehm, kann bei ausreichender Zeit aber häufig ausgeglichen werden. Ein Einbruch kurz nach dem Eintritt in den Ruhestand ist gefährlicher. Werden in einer solchen Phase größere Beträge aus dem Depot entnommen, müssen mehr Anteile zu niedrigen Kursen verkauft werden. Dieses Kapital kann an einer späteren Erholung nicht mehr teilnehmen.
Zwei Menschen können mit dem gleichen Anfangsvermögen und der gleichen durchschnittlichen Rendite sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen, wenn die Reihenfolge der Jahresergebnisse voneinander abweicht.
Deshalb braucht eine Entnahmestrategie mehrere Bausteine:
Eine ausreichende Liquiditätsreserve für planbare Ausgaben
Eine sinnvolle Verteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageformen
Klare Regeln für Entnahmen
Eine Strategie für schwache Börsenphasen
Regelmäßige Anpassungen an die tatsächliche Entwicklung
Wer im Ruhestand investiert bleibt, muss Kursschwankungen aushalten können. Wer jedes Risiko vermeiden möchte, muss dagegen mit einer geringeren Rendite und einem höheren Kaufkraftverlust rechnen. Die richtige Lösung liegt meist nicht in einem Extrem, sondern in einer durchdachten Kombination.
Der siebte Denkfehler: Ein einmal berechneter Plan gilt für immer
Eine Ruhestandsplanung ist keine Rechnung, die einmal erstellt und anschließend für 25 Jahre abgeheftet wird.
Das Leben verändert sich. Einkommen entwickeln sich anders als erwartet. Immobilien benötigen Reparaturen. Beziehungen beginnen oder enden. Angehörige werden pflegebedürftig. Erbschaften fallen höher oder niedriger aus. Kapitalmärkte schwanken. Steuergesetze und Sozialabgaben ändern sich.
Auch die eigenen Wünsche können sich verändern. Vielleicht soll der Ruhestand früher beginnen. Vielleicht macht die Arbeit weiterhin Freude. Vielleicht entsteht der Wunsch nach einem Umzug, einer längeren Reise oder einer größeren Unterstützung der nächsten Generation.
Ein belastbarer Plan muss deshalb regelmäßig überprüft werden. Dabei geht es nicht darum, auf jede Nachricht aus Politik oder Wirtschaft hektisch zu reagieren. Entscheidend ist, in angemessenen Abständen festzustellen, ob Ziele, Annahmen und tatsächliche Entwicklung noch zusammenpassen.
Warum mehr Informationen allein das Problem nicht lösen
Heute stehen mehr Informationen zur Altersvorsorge zur Verfügung als jemals zuvor. Rentenbescheide, Kundenportale, Vergleichsrechner, Depotübersichten und die Digitale Rentenübersicht erleichtern den Zugang zu wichtigen Daten.
Das ist ein großer Fortschritt. Trotzdem entsteht aus mehr Information nicht automatisch eine bessere Entscheidung.
Eine von der Deutschen Rentenversicherung veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass zusätzliche Altersvorsorgeinformationen das Wissen verbessern können. Die Auswirkungen auf das tatsächliche Verhalten sind jedoch nicht immer eindeutig. Besonders wirksam erscheinen verständliche Informationen, konkrete Handlungsmöglichkeiten und eine nutzerfreundliche Aufbereitung.
Das entspricht meiner Erfahrung aus vielen Beratungsgesprächen.
Die meisten Menschen scheitern nicht daran, dass ihnen eine weitere Zahl fehlt. Sie scheitern daran, die vielen Zahlen richtig einzuordnen, Annahmen zu treffen, Zielkonflikte zu lösen und daraus konkrete Entscheidungen abzuleiten.
Ein Rechner kann darstellen, wie sich ein Vermögen unter bestimmten Voraussetzungen entwickelt. Er kann aber nicht entscheiden, welche Voraussetzungen für einen bestimmten Menschen realistisch sind.
Was eine professionelle Ruhestandsplanung leisten sollte
Eine gute Ruhestandsplanung beginnt nicht mit einem Produkt. Sie beginnt mit dem Leben, das jemand führen möchte.
Am Anfang stehen deshalb persönliche Fragen:
Wann soll die berufliche Tätigkeit enden oder reduziert werden?
Welcher Lebensstandard soll erhalten bleiben?
Welche Wünsche sollen im Ruhestand verwirklicht werden?
Welche Menschen sollen finanziell abgesichert oder unterstützt werden?
Welches Vermögen soll später vererbt werden?
Wie wichtig sind planbare Einnahmen?
Wie viel Schwankung kann finanziell und emotional ausgehalten werden?
Erst danach folgt die finanzielle Bestandsaufnahme. Dazu gehören sämtliche Rentenansprüche, Versicherungen, Depots, Bankguthaben, Immobilien, Beteiligungen, Verbindlichkeiten und mögliche spätere Einnahmen.
Anschließend wird der voraussichtliche Bedarf ermittelt. Dabei sollten Inflation, Steuern, Krankenversicherung, Pflege, größere Anschaffungen und unterschiedliche Lebensphasen berücksichtigt werden.
Darauf aufbauend lassen sich verschiedene Szenarien rechnen. Was passiert bei einem früheren Ruhestand? Welche Folgen hat eine niedrigere Rendite? Wie verändert sich die Planung bei höherer Inflation? Reicht das Vermögen auch bei einem langen Leben? Welche Reserven bleiben bei unerwarteten Ausgaben?
Das Ergebnis sollte kein scheinbar exakter Endbetrag sein. Niemand kann die Zukunft auf den Euro genau vorhersagen. Sinnvoller ist ein finanzieller Korridor, innerhalb dessen der gewünschte Ruhestand mit hoher Wahrscheinlichkeit gestaltet werden kann.
Beratung bedeutet nicht automatisch Produktverkauf
Bei Ruhestandsplanung denken viele Menschen zunächst an den Abschluss einer Rentenversicherung oder den Kauf eines Fonds. Das greift zu kurz.
Ein Produkt kann Bestandteil einer Lösung sein. Es ist aber niemals die Planung selbst.
Manchmal besteht die beste Entscheidung darin, vorhandene Verträge weiterzuführen. Manchmal sollten Beiträge verändert, Kosten reduziert oder Risiken anders verteilt werden. Manchmal ist eine freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung sinnvoll. In anderen Fällen stehen ein Wertpapierdepot, die Tilgung von Verbindlichkeiten oder die Strukturierung von Immobilienvermögen im Mittelpunkt.
Es kann auch richtig sein, zunächst gar nichts Neues abzuschließen.
Gute Beratung muss deshalb mit einer Analyse beginnen. Erst wenn Ziele, Versorgungslage, Vermögen, Risiken und steuerliche Rahmenbedingungen bekannt sind, lässt sich beurteilen, welche Maßnahmen geeignet sind.
Nicht das Produkt bestimmt den Plan. Der Plan bestimmt, ob überhaupt ein Produkt benötigt wird.
Besonders anspruchsvoll ist die Planung für Selbstständige und Unternehmer
Bei Angestellten bildet die gesetzliche Rentenversicherung häufig einen wesentlichen Teil des späteren Einkommens. Selbstständige und Unternehmer haben dagegen oft sehr unterschiedliche Vorsorgestrukturen.
Vermögen steckt möglicherweise im eigenen Unternehmen, in Immobilien, Versicherungen oder Wertpapierdepots. Die späteren Einkünfte sind weniger standardisiert. Hinzu kommen Fragen zur Unternehmensnachfolge, zum Verkauf des Betriebs, zur Absicherung der Familie und zur Verteilung des Vermögens.
Besonders riskant ist die Annahme, der Verkauf des Unternehmens werde den Ruhestand schon finanzieren. Ob ein geeigneter Käufer gefunden wird, welcher Preis tatsächlich erzielt werden kann und wann das Geld zur Verfügung steht, ist häufig ungewiss.
Eine vernünftige Planung sollte deshalb nicht von einem einzigen Ereignis abhängig sein. Das Unternehmen kann ein wichtiger Vermögenswert sein. Es sollte aber möglichst nicht die einzige Säule des Ruhestands darstellen.
Woran man eine belastbare Planung erkennt
Eine gute Ruhestandsplanung beantwortet mindestens folgende Fragen:
Wie hoch sind die voraussichtlichen Einnahmen nach Steuern und Abgaben?
Welcher monatliche und zusätzliche Kapitalbedarf besteht?
Wie wirkt sich die Inflation langfristig aus?
Wie lange muss das Vermögen voraussichtlich reichen?
Welche Vermögenswerte sind verfügbar und welche sind gebunden?
Welche Risiken bestehen bei schlechten Kapitalmarktphasen?
Welche Liquiditätsreserve wird benötigt?
Wie werden Gesundheit, Pflege und größere Ausgaben berücksichtigt?
Was geschieht mit Immobilien und Unternehmensvermögen?
Wie werden Partnerin, Partner und Familie abgesichert?
Welcher Teil des Vermögens soll verbraucht und welcher vererbt werden?
Wann und nach welchen Regeln wird der Plan überprüft?
Wenn diese Fragen nicht beantwortet sind, liegt meist noch keine Ruhestandsplanung vor, sondern lediglich eine Bestandsaufnahme.
Planung schafft nicht nur Sicherheit, sondern auch Freiheit
Ruhestandsplanung wird häufig als Abwehr von Altersarmut verstanden. Das ist ein wichtiger Teil, aber nicht der einzige.
Eine gute Planung soll nicht nur verhindern, dass das Geld ausgeht. Sie soll auch zeigen, was möglich ist.
Vielleicht ist ein früherer Ruhestand finanzierbar. Vielleicht kann die Arbeitszeit schon einige Jahre vorher reduziert werden. Vielleicht steht mehr Geld für Reisen, Familie oder persönliche Projekte zur Verfügung als gedacht. Vielleicht kann Vermögen bereits zu Lebzeiten übertragen werden, ohne die eigene Sicherheit zu gefährden.
Ohne Planung bleiben viele Menschen übervorsichtig. Sie haben Vermögen aufgebaut, trauen sich aber nicht, es zu nutzen. Andere geben zu viel aus, weil sie die langfristigen Folgen unterschätzen.
Beides kann Lebensqualität kosten.
Das Ziel ist deshalb nicht, möglichst viel Geld bis zum Lebensende unangetastet zu lassen. Das Ziel ist, das vorhandene Vermögen so einzusetzen, dass es zum eigenen Leben passt.
Aus Zahlen muss eine Entscheidung werden
Die meisten Menschen können ihre Renteninformationen lesen, Kontostände zusammentragen und vorhandene Verträge auflisten. Das ist eine wichtige Grundlage. Es ist aber noch nicht die eigentliche Arbeit.
Ruhestandsplanung bedeutet, aus unvollständigen Informationen vernünftige Annahmen zu entwickeln. Sie muss Sicherheit, Rendite, Liquidität, Steuern, Inflation, Lebensdauer und persönliche Wünsche miteinander verbinden. Vor allem muss sie auch dann noch funktionieren, wenn nicht alles nach Plan verläuft.
Genau deshalb ist es sinnvoll, sich rechtzeitig mit dem Thema zu beschäftigen und bei Bedarf fachkundige Unterstützung zu nutzen.
Nicht, weil Menschen grundsätzlich unfähig wären, ihre finanziellen Angelegenheiten zu verstehen. Sondern weil der Ruhestand zu wichtig ist, um ihn auf eine grobe Schätzung zu stützen.
Ich verkaufe keine Produkte, um anschließend daraus einen Plan zu basteln. Ich entwickle zuerst eine Strategie. Erst danach wird entschieden, welche vorhandenen Lösungen passen, was verändert werden sollte und ob überhaupt etwas Neues benötigt wird.
Denn am Ende zählt nicht, wie viele Verträge jemand besitzt.
Entscheidend ist, ob das Geld zum Leben passt und ein Leben lang reicht.
Über den Autor: Thomas Kliem
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