Ich hatte ja gestern schon ganz kurz zum aktuellen Test der Zeitschrift Finanztest zum Thema Berufsunfähigkeits-Versicherungen (BUV) meinen ersten Eindruck beschrieben.

Heute komme ich meinem Versprechen nach, und gehe etwas genauer auf den Test aus der Finanztest Ausgabe 07/2011 ein:

Das Positive Vorweg:
Dem geneigten Leser wird ans Herz gelegt, sich an einen Versicherungsmakler oder an einen Versicherungsberater zu wenden.
Allerdings lebt bei Finanztest noch das Märchen von anonymen Risikovoranfragen. Das man das als Profi ganz anders löst, können die Finanztester natürlich nicht wissen, da sie auf diesem Gebiet eben nur Amateure sind.

Die Testsystematik:
Es wurden alle in Deutschland niedergelassenen Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen angeschrieben und nach BU-Schutz für „Modellkunden“ gefragt. Die Versicherer sollten das preiswerteste Angebot einreichen.

Anschließend wurden die Angebote untersucht. Untersucht wurden die Angebote, die den „Modellkunden“ entsprechen. Die Modellkunden sind Diplomkaufleute und Pflegekräfte in Altenheimen.

Welche Kriterien wurden angesetzt?
Mit 10% ging das versicherbare Endalter der Modellkunden in die Wertung ein.
Mit 20% wurden die Anträge bewertet. Warum es positiv bewertet wurde, wenn ein Versicherer nicht nach bereits abgelehnten oder zu erschwerten Bedingungen angenommen Anträgen fragt, ist mir unklar. Jeder Versicherung fragt bei Antragseingang ohnehin das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) an und erhält diese Auskünfte sowieso!
Mit 70% gingen die Versicherungsbedingungen ist das Testurteil ein. Das ist grundsätzlich sehr erfreulich, aber natürlich kommt es darauf an, welche Bedingungspunkte bewertet wurden.

Und genau hier offenbart sich die ganze Schwäche dieses Tests:

Es wurden ausschließlich Punkte bewertet, die ohnehin die überwiegende Mehrzahl der Anbieter in die Versicherungsbedingungen geschrieben hat. Feinheiten blieben wieder einmal unberücksichtigt. Und: Es wurden nur neun Kriterien bewertet!!!

Immerhin wurde der Punkt „Befristetes Anerkenntnis der BU-Leistung“ zusätzlich betrachtet. Allerdings mutmaßlich falsch analysiert. Es scheint so, als sei eine Angabe des Befristungszeitraums genau so gut bewertet worden, wie der Verzicht auf die Befristung.

Das Ergebnis
Ist vorhersehbar. 52 Tarife wurden getestet. Davon schnitten 30 mit „sehr gut“ und 22 mit „gut“ ab.

Fazit
Ich hätte nicht gedacht, dass die BUV-Tests der Finanztest qualitativ noch schlechter werden könnten. Aber: Der Beweis wurde angetreten. Vielleicht sollte der nächste Test noch weniger Kriterien ansetzen.

Das einzig halbwegs brauchbare an diesem Test ist die Empfehlung, sich an einen Versicherungsmakler oder Versicherungsberater zu wenden. Und auch diese Empfehlung ist lückenhaft. Richtig müsste es lauten:

Wenden Sie sich an einen auf Berufsunfähigkeitsversicherungen spezialisierten Versicherungsmakler oder Versicherungsberater!

Hier kann man übrigens die Motivation des Chefredakteurs von Finanztest für diesen Test machlesen:

https://twitter.com/#!/hjtenhagen/status/81329053222703104

Wie kann man nur so dreist sein?

Verwandte Links: BU-Test 2010 Finanztest           Finanztest und die Analyse zur PKV